Kunduz: Der US-Angriff auf das Krankenhaus war ein vorsätzliches Kriegsverbrechen

Der Angriff auf das Krankenhaus im Kunduz, bei dem MSF-Personal und Patienten getötet wurden, war offenbar Vorsatz. Angeblich sei der pakistanische Geheimdienst dort tätig gewesen. Damit haben die USA vorsätzlich ein Kriegsverbrechen begangen und dazu noch einen Verbündeten militärisch attackiert.

Von Marco Maier

Nach dem verheerenden Angriff auf das letzte funktionierende Spital im afghanischen Kunduz, welches von der humanitären Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) geleitet wurde, vermehren sich die Beweise und Indizien dafür, dass es sich hierbei um einen von langer Hand geplanten Angriff auf einen angeblichen Stützpunkt des pakistanischen Geheimdienstes gehandelt habe. Unschuldige Menschen mussten also sterben, weil das US-Militär aufgrund einer Vermutung (!) hin handelte. Dass die US-Führung dann noch von "Kollateralschäden" sprach, ist blanker Zynismus.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet davon, dass das Pentagon durchaus wusste, dass sie in Kunduz ein ziviles Krankenhaus attackierten, was allein schon als Kriegsverbrechen gilt. Demnach hatten US-Spezialkräfte schon Tage vor dem Angriff Informationen über das Krankenhaus gesammelt. In dem Gebäude hätte der pakistanische Geheimdienst eine Kommandozentrale eingerichtet und schwere Waffen versteckt, so die Vermutung.

Hier zeigt sich nicht nur die selbstherrliche Arroganz der US-Führung, über sämtlichen geltenden völkerrechtlichen Normen zu stehen und bewusst ein ziviles Krankenhaus in Schutt und Asche zu legen, sondern zudem auch noch einen Verbündeten vorsätzlich anzugreifen. Denn Pakistan gilt für die Amerikaner eigentlich als wichtiger Verbündeter in der Region, um gegen die Taliban vorgehen zu können. In der jüngsten Vergangenheit forderte Washington die pakistanische Regierung immer wieder dazu auf, härter gegen die islamistische Miliz vorzugehen.

Auch die Ärzte ohne Grenzen berichteten davon, dass dass das Krankenhaus gezielt angegriffen wurde. Denn während das Gebäude selbst völlig zerstört wurde, kamen die umliegenden Häuser kaum zu Schaden. Der britische "Guardian" berichtete davon, dass ein US-Panzer auf dem Gelände des vernichteten Spitals gesehen wurde. Hier wurden Vorwürfe laut, dass die US-Militärs so versucht haben, noch vorhandene Beweismittel für eine mögliche Untersuchung wegen der Verübung von Kriegsverbrechen endgültig zu vernichten.

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Beim Angriff auf das von MSF betriebene Krankenhaus am 3. Oktober wurde das Gebäude durch ein Kampfflugzeug von Typ Lockheed AC-130 völlig zerstört. Nach Angaben der Hilfsorganisation wurden dabei mindestens 24 Menschen getötet – 14 MSF-Mitarbeiter und 10 Patienten. Von 9 weiteren Patienten fehlt bislang noch jede Spur.

Nun wird es sich zeigen, ob dieser völkerrechtswidrige Angriff für die USA überhaupt Konsequenzen haben wird. Eigentlich müssten die US-Verantwortlichen dafür umgehend vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag gezerrt werden. Allerdings ist dies äußerst unwahrscheinlich, da die USA deren Statut im Jahr 2000 zwar unterzeichneten, jedoch im selben Jahr die (unübliche aber zulässige) Rücknahme der Unterzeichnung erklärt. US-Behörden dürfen mit dem Strafgerichtshof nicht zusammenarbeiten. Weiters wurde im Jahr 2002 der "American Service-Member's Protection Act" rechtskräftig, der den US-Präsidenten ausdrücklich dazu ermächtigt, US-Bürger mit militärischen Mitteln zu befreien, wenn sich diese in Den Haag verantworten müssen.

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12 Kommentare

  1. „American Service-Member’s Protection Act“ rechtskräftig, der den US-Präsidenten ausdrücklich dazu ermächtigt, US-Bürger mit militärischen Mitteln zu befreien, wenn sich diese in Den Haag verantworten müssen.

    Wenn man nicht jeden Tag von der Presse informiert würde, dass die Amerikaner die Guten sind, könnte man wirklich den Eindruck haben, dass es sich bei der US-Führung um das dreckigste und skrupelloseste Gezücht handelt, was auf dieser Welt herumläuft. Aber Gottseidank gibt es ja die Presse, damit wir so nicht denken brauchen 🙂

    1. Zum Kriegsverbrechen wird der Vorgang nur über den Nachweis, dass es Vorsatz war. Ein völlig unverständlicher Vorgang. Eine AC-130 kreist eine Stunde über dem allen bekannten Krankenhaus und feuert eine Granate nach der anderen ins Hauptgebäude des Komplexes.

      Die Entwicklung der AC-130 geht auf den Vietnamkrieg zurück. Dort wurde ein Flugzeug benötigt, das ausdauernd über der Kampfzone Ziele mit Rohrwaffen bekämpfen konnte. Ergänzt durch moderne lasergestützte Zieleinrichtungen kann das als Kanonenboot bezeichnete Flugzeug sehr aktiv in die Kampfhandlungen am Boden eingreifen. Warum wird so ein Flugzeug eingesetzt, um das Hauptgebäude, respektive die Leute in dem Gebäudeteil, derart intensiv zu bekämpfen? Das ist eine ganz klar erkennbare Vernichtungsabsicht eines wichtigen Zieles. Das muß jedenfalls so wichtig gewesen sein, dass man das folgende Theater in Kauf genommen hat. Den ausländischen Ärzten ist im Übrigen nichts geschehen. Die wurden alle unmittelbar vor dem Angriff angerufen und gewarnt, worauf sie ohne einen Mucks von sich zu geben, das KH verließen. Seltsam? Ja, die ganze Nummer. Die Bundesregierung wurde gebeten, eine internationale Untersuchungsgruppe einzuschalten. Man war aber der Meinung, dass das nicht nötig ist.

      1. Völlig schlüssig, Ihre Gedanken. Danke.

        Als ich vom abzug der ausländischen Ärzte las, habe ich sofort auch in dieser Richtung gedacht. Uns wurde also wieder nur die Hälfte verraten. Der Rest der Geschichte wird erst 50 Jahre in der Schublade liegen, und dann sowieso niemanden mehr interessieren.

        Würde mich aber trotzdem interessieren, was an dem Krankenhaus so interessant/gefährlich war, dass die USA die Folgen billigend in Kauf genommen haben (allerdings habe ich bisher kaum Folgen gesehen).

      2. Es waren keine Taliban, weswegen sie das Krankenhaus zerbombten. Es waren wahrscheinlich Beweise über ihre Verbrechen, die vielleicht dort lagerten und deren Vernichtung das Ziel war. Auf jeden Fall keine Taliban. In einem sind die USA eine Supermacht. Im Abschlachten unschuldiger menschen. Alte Leute und Kinder, und in der Zerstörung des Glücks, das sich zwei Menschen aufbauen wollten. Hierfür wurde eigens die Hochzeitsdrohen Obama X1 gebaut. Da gibts keine Trauer bei ihnen, sondern denen trau ich noch zu, einen Orgasmus zu bekommen, wenn sie vom Tod dieser Menschen hören. Sie sind eine charakterliche Pest, kosmischer Abschaum, der leider auf der Erde ausgeleert wurde! Was für dunkle Seele muß die Besatzung haben, die kaltblütig diesen Angriff fliegt? Zwei Sachen haben sie sicher. Einen Orden vom Präsidenten verliehen und die Eintrittskarte in die Hölle.

        1. "Beweise vernichten.." Erscheint mir nicht völlig einleuchtend. Da schicke ich doch eher irgend einen Officer mit 4 Negern und einem Auto hin. Die laden das ein und weg ist es. Zerbombt bleiben Spuren und jeder CSI kann die deuten, dokumentieren, und zwar gerichtsfest. Nee, da war wohl eher jemand zur Behandlung, bei dem sie damit gerechnet haben, dass er wieder verschwindet. Vielleicht jemand aus dem Kartenspiel? Bei den Kämpfen – man spricht von einer gewaltsamen aufklärung, d.h., man wollte Reaktionen aufklären – sind auch hohe Persönlichkeiten vor Ort. In den Vororten von Aleppo wurde auch gerade wieder ein iranischer General getötet. Und man hat General Husseini fotografiert.

          1. Dann kann ich aber nicht behaupten, es wäre ein Versehen gewesen. Und aus der Luft obamisiert sich ein  Krankenhaus leichter als mit M16 oder einem Granatwerfer.

        2. Danke für die Antworten. Schon sind wir gedanklich wieder ein Stück weiter.

          Ich würde vermuten, dass folgendes zutrifft:
          Ja, dort lag jemand von großem Interesse für die USA. z.B. jemand, der die Lügen hätte aufdecken können. Also wird Krankenhaus bombardiert.

          Aber bombardiert nur im zweiten Schritt. Im ersten Schritt wurde die Person (bzw. Personen) aus dem Krankenhaus entführt.

          Die Bombardierung diente also nicht der Vernichtung dieser Personen, sondern um deren Verschwinden zu vertuschen.

          Diese These stimmt zumindest mit der Lage vor Ort überein.

          Afghanistan: Noch 33 Vermisste nach US-Luftangriff auf Krankenhaus in Kundus
          http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/291276-afghanistan-noch-33-vermisste-nach-us-luftangriff-auf-krankenhaus-in-kundus

        3. Außerdem ist mir nicht ganz schlüssig, WARUM die ausländischen Ärzte vor der Bombardierung weggingen und WER sie gewarnt hat.

          Und vor allem: WARUM von diesen Ärzten niemand auspackt. Auf der einen Seite beschwert sich ‚Ärzte ohne Grenzen‘ bei den USA. Auf der anderen Seite halten Ärzte genau dieser Organisation dicht, was die Warnung vor der Bombardierung betrifft. Da ist doch etwas so oberfaul, dass man es nicht glauben würde, würde man es wissen. Meiner Ansicht nach lässt das nur einen einzigen Schluss zu: Die NGO ‚Ärzte ohne Grenzen‘ zählt zu den Mitwissern !

  2. „American Service-Member’s Protection Act“ + „PatriotAct“+ noch 3 oder 4 andere dieser völlig irren Gesetzgebungen der USA.
    Ich bringe das mittlerweile als Argumentation GEGEN die TTIP, denn dies ist ein typisches „Totschlagargument“, wo dir keiner aber wirklich keiner widersprechen kann, ohne sich damit sofort selber als Gegner der Menschen-u.Völkerrechtscharta zu outen.

  3. @Loup: Diese Besatzung kann gar keine Seele haben. Die wussten genau, was oder/und wen sie da bombardierten. Natürlich auf Befehl einer total entmenschlichten Mischpoke, vor der selbst der Leibhaftige sicherlich Angstzustände bekommen muss. Mit Worten lässt sich dieses schmähliche Vorgehen nicht beschreiben. Einfac hnur unsäglich!

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