Die Altstadt von Jerusalem wurde für Palästinenser teilweise gesperrt, nachdem 2 orthodoxe Juden ermordet wurden und Gewaltakte eskalierten. Israel droht nun mit einer neuen "Operation Defensive Shield" in den besetzten Gebieten.

Von Marco Maier

Mord und Totschlag scheinen das Leben in Israel wieder einmal zu bestimmen. Nachdem am Freitag zwei erschossene Juden, die im Westjordanland illegal siedelten, begraben wurden, kam es am Samstag in der Jerusalemer Altstadt zu einer Messerattacke eines jungen Palästinensers, bei der ein ultraorthodoxer Rabbi und ein Soldat auf Freigang erstochen, sowie die Frau und das Kind des Rabbis verletzt wurden. Der von der israelischen Polizei hernach erschossene Attentäter, ein 19-jähriger Student, soll Mitglied der Gruppe "Islamischer Dschihad" gewesen sein.

Dies fügt sich in die Welle der Gewalt ein, die die Region derzeit erschüttert. So wurden an diesem Wochenende rund 20 Palästinenser durch Gummigeschosse verletzt, als die israelischen Sicherheitsgräfte auf eine Demonstration im Westjordanland schossen. Bei einem Checkpoint in Nablus wurde ein gehörloser palästinensischer Arbeiter von israelischen Soldaten erschossen, weil der deren Rufe nicht gehört hatte. In Jerusalem wurde eine Kugel auf die jüdische Enklave Nof Tzion abgefeuert und ein Molotowcocktail auf ein Universitätsspital geschleudert. Zwei weitere Brandsätze wurden in der Altstadt auf Juden geworfen. In Issawiya trafen Polizeikugeln einen jungen Palästinenser, der zuvor einen Molotowcocktail auf Polizisten geschleudert hatte, ins Bein.

Nun erklärten die israelischen Behörden die Altstadt von Jerusalem, in der sich auch der Tempelberg befindet, zur Sperrzone. Zutritt haben in den kommenden zwei Tagen nur noch Anwohner, Touristen, Geschäftsinhaber und in der Altstadt wohnende Studenten. Männliche Muslime unter 50 Jahren haben keine Chance, auf dem Tempelberg zu beten. Um dies sicherzustellen, wurde die Polizeipräsenz in der Altstadt massiv erhöht.

Inzwischen droht die israelische Regierung mit weitreichenden Maßnahmen, die einer zweiten "Operation Defensive Shield" gleichen sollen. Einer militärischen Aktion, die schon im Jahr 2002 in den von Israel besetzten Gebieten angewendet wurde und einem Einmarsch israelischer Truppen samt Ausgangssperren für Palästinenser gleichkommt. Es zeigt sich damit auch, wie verhärtet die Fronten zwischen den Israelis und den Palästinensern sind. Eine Friedenslösung rückt in immer weitere Ferne.

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3 thoughts on “Israel: Eskalation der Gewalt in Jerusalem”

  1. Die ganze Welt ist im Gewaltrausch. Das neoliberale (lies: neofaschistische) Diktat hat uns alle verrückt gemacht. Solange dessen Apologeten nicht von Laternenmasten baumeln, wird sich daran auch nichts ändern.

  2. Seit wann schießen die Israelis denn mit Gummigeschossen?

    Haben die denn keine Raketen mehr?

    Hoffe, die Gummigeschosse explodieren beim Aufschlag wenigstens, und setzen hochgradig radioktive Gase frei. Das wäre ja sonst nicht mehr das Israel, was ich kenne.

  3. Männliche Muslime unter 50 Jahren haben keine Chance, auf dem Tempelberg zu beten. Um dies sicherzustellen, wurde die Polizeipräsenz in der Altstadt massiv erhöht.

    ————

    Es könnte der Traum der ultra religiösen, militanten Hardliner dahinter stecken, den 3. Tempel auf dem Tempelberg zu bauen, damit endlich der Messias kommen kann, damit jeder Jude 2.800 Gentile-Sklaven hat.

    Every Jew will get 2800 Gentile slaves – English Subtitles

    https://www.youtube.com/watch?v=gVZxyeTsI4s

    Ich bin immer wieder verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit und Dreistigkeit (Chuzpah) die Angehörigen des 'auserwählten Volkes' solche Ungeheuerlichkeiten von sich geben. 

     

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