Filme nah an der Realität

Gelegentlich sieht sich der Mensch Filme an – auch meine Wenigkeit. Filme sind Unterhaltung, sie sollen von den Problemen des Alltags ablenken, uns wie ein lebendig gewordenes Buch auf das Glatteis der scheinbaren Realität entführen, die Sorgen vergessen lassen. Sie sollen für Kurzweil sorgen und Ablenkung, sie sollen uns in eine Welt der Phantasie entführen.

Von Marcel Grasnick

Mit Harry Propper oder wie das magische Wesen sich schimpft, gelingt es wunderbar, in die Welt der Magie einzutauchen, auch wenn der eine oder andere Fehler uns am Verstand der Drehbuchautoren zweifeln lässt oder auch am Verstand der Autorin der Bücher. Doch darüber kann man hinwegsehen, wenn der Film nur oberflächlich das Innere berührt und eben als das wirkt, was er sein soll – eben die Ablenkung, Kurzweil, Auszeit vor der Realität.

Doch was ist, wenn uns der Film, wenn auch leicht utopisch angehaucht, nicht in eine Zauberwelt voll mystischer Wesen, sondern in eine scheinbare Realität entführt? Es gab schon einen solchen Film: die cinematographische Umsetzung von Orwells Buch "1984". Wenn auch manche meinen mögen, es sei übertrieben, so sei der Satz ans Herz gelegt: In jedem Märchen, in jeder Sage steckt ein Körnchen Wahrheit. Das Gleiche gilt eben auch für die filmgewordenen Bücher. Die Überwachung, die Gedankenpolizei – alles schon vorhanden. Keine Utopie mehr, sondern bittere Realität.

Doch gibt es noch einen solchen Film, der erschreckend die Wirklichkeit wiederspiegelt, auch wenn der Großteil der Zombies (Menschen, die in ihrer Rolle als Konsumenten voll aufgehen) dies wahrscheinlich nicht wahrhaben will, es ignoriert oder verdrängt. Doch dass ausgerechnet John Carpenter als Produzent eines solchen Filmes auftritt – er, der eher der Meister der Gruselfilme gilt – war doch schon überraschend. Denn bis auf den Anteil mit den Aliens, den man streichen könnte, trifft der Film genau ins Schwarze und spiegelt nahezu erschreckend die Realität wieder. "Holy Shit" war mein erster Gedanke als Reaktion auf diesen Film. Denn sind wirklich alle Science-Fiction-Elemente einmal weggedacht oder ignoriert – besser könnte die Realität nicht wiedergegeben werden.

Der Film heißt übrigens "Sie leben", im Original "John Carpenter's They Live". Und was mich persönlich nach der Ansicht des Filmes verstört hat, war die Tatsache, dass nicht etwa die sogenannten Gruselelemente mich schockierten, sondern eben die wiedergespiegelte Realität. Holy Shit! Und die Realität sieht so, dass die Menschen, beeinflusst von Konsum und "panem et circenses", schlafwandelnd durch den Tag eiern, als Zombies, Schatten ihrer selbst. Beeinflusst von Werbung, Politik und Medien. Können nicht einmal andere Utopien zur Wirklichkeit werden? Interessant wäre die Grundidee von Star Trek, in der die Menschheit nicht mehr für Geld arbeitet. Das wäre mal ein Anfang…

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9 Kommentare

  1. Leider gibts noch nicht den Film "Die sanften Ungeheuer" v. Ira Levin – Autor v. Rosemarys Baby. Da würde schon sehr realistisch dargestellt, was uns nach all diesen Querelen und
    Kriegen, Not und Elend erwartet. Eine schöne, heile, friedliche Welt – ganz ohne Geld – ohne Neid u. Gier. Leider auch ohne jegliche persönliche Freiheit. Natürlich gibts auch ein paar Bösewichter, die sich durch geschickte Manöver den üblichen Zwangsbehandlungen für "Nicht Ganz Glückliche" entziehen können und versuchen, dem "System"entkommen…. Kann gar nicht verstehen, warums den Film noch nicht gibt.

    Nun ja Hollywood arbeitet ja wohl mehr CIA conform; aber vielleicht ließe sich ja ein nordkoreanischer od. chinescher Produzent finden. Kommt Zeit, kommt Rat. Wichtig wär halt, wer die Filmrechte (weg)-gekauft hat. Na wer wohl?                                                p.s. das Buch gibts noch , auch bei e-bay

  2. Sie haben recht. Die beiden von Ihnen genannten Filme „1984“ und „They Live“ sollte man gesehen haben. Ein absolutes MUSS für jeden, der wissen will, wie die Welt tickt !

    Vielleicht bekommen wir noch ein paar Filme (oder Dokus) zusammen.
    Ich fang mal an:

    Der erste Tag (Österreich nach KKW-GAU)
    Farm der Tiere (1954)
    Contagion (2011)
    Soylent Green – Die überleben wollen (1973)
    Gattaca (1997)
    Fahrenheit 451
    Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben

    The Pit and the Pendelum {Hintergrund der Inquisition=HORMONSTAU}
    Martyrs (2008) {FSK18}

    Relevanz in dieser Reihenfolge

    1. Gestehe gleich zu Beginn, dass ich die Quelle jetzt nicht verifizieren kann, da ich dies schon vor längerer Zeit in einem Dokument zur Filmindustrie gelesen hatte.
      Fazit aus dem ganzen war, dass einmal abgesehen von den bereits bekannten Geschichten "Kriegsfilme nur mit Zustimmung Pentagon" etc, es auch immer wieder "Versuchsballons" gibt, um die Reaktion der Menschen zu sehen bzw zu testen. Diese Daten und Ergebnisse werden dann in die Entwicklung diverser Strategien mit aufgenommen, um so deren reibungslose Umsetzung zu gewährleisten.

      (p.s.: muss mal suchen; vielleicht finde ich es noch, denn das liest sich wie eine Horrorgeschichte in sich)

  3. Im Mai 2015 schrieb ich über die jungen männlichen Zuwanderer und gebrauchte Zombies als Analogie. Aktuelle Filmaufnahmen zwischen den einzelnen Abschnitten belegen meine Worte. Jetzt sind wir mittendrin!

    Sobald die Sozialindustrie zusammenbricht, weil die staatliche Alimentierung ausbleibt, ziehen diese abhängigen Menschen zu Hunderttausenden wieder südwärts. Ihr Wanderproviant besteht aus dem, was sich aus Supermärkten und Lagerhallen noch klauen lässt, denn die ec-Kassen funktionieren nicht mehr. Die Flüchtlingsströme werden immer größer und ihre Spur immer zerstörerischer, die sie hinterlassen.

    Niemand weiß, wann Regierungsgewalten wieder Personal und Transportmittel, Wasser und Zeit haben, um die Räuberbanden einzufangen und in Mittelmeerschiffe zu verladen. Es wird Tote geben, denn bereits heute töten sich Asylbewerber gegenseitig. Es wird Zerstörung geben, denn bereits heute sind Asylbewerber befremdet über all die Einrichtungen, die sie aus ihrer Heimat nicht kennen.

    Niemand weiß, wann es so weit ist.
    Niemand kann das Ausmaß der Zerstörung ermessen.
    Niemand kann den Folgen dieser zerstörerischen Politik entrinnen.
    George A. Romeros Dawn of the Dead (1978) Trailer Deutsch
    https://www.youtube.com/watch?v=U5n54-UqtG4

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

  4. Filme sind Unterhaltung?
    Früher Ja jetzt nicht mehr.
    They live habe ich gesehen.
    I have come here to chew bubblegum and kick ass. and I’m all out of bubblegum

  5. Wertvolle kinematographische Anregung! Gewissermaßen ein Augenöffner! 🙂
    Ja, ich denke auch, dass es für Carpenter ein ungewöhnlicher, aber einer seiner besten Filme ist. Stellt sich für mich nur die Frage, ob denn der Held aus „Sie leben“ die Brille aufgesetzt hätte, wenn er geahnt hätte, was ihn erwartet und dass sein Leben nie wieder so sein wird, wie es war …
    Ich möchte die obige Aufstellung noch um einen weiteren älteren Film ergänzen, der mir in den Sinn kam:
    Network (eine US-Satire aus 1976) – mit dieser legendären Wutszene des Nachrichtensprechers Howard Beale vor laufenden Kameras. Aus einer anderen Epoche, aber mitreißend und machtvoll.
    https://www.youtube.com/watch?v=Q0l4TP7qaZ4

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