China: Ende der Ein-Kind-Politik

Angesichts des massiven Männerüberschusses und der zunehmenden demographischen Probleme kehrt die Volksrepublik China von ihrer bisherigen Geburtenpolitik ab. Nun dürfen es auch zwei Kinder sein. Peking hat allerdings auch bessere Möglichkeiten, die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme zu bewältigen als die westlichen Staaten.

Von Marco Maier

"Alle Paare dürften künftig zwei Kinder haben", teilte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei über Xinhua am Donnerstagabend mit. Als Grund dafür werden die Überalterung der Gesellschaft und der drohende Arbeitskräftemangel angegeben. Auch der Umstand, dass infolge von Abtreibungen von Mädchen ein Männerüberschuss besteht, dürfte eine Rolle gespielt haben – auf 100 Frauen kommen derzeit 117 Männer. Die Abkehr von der bisherigen Geburtenpolitik, wonach lediglich ein Kind pro Paar gewünscht wurde, ist Teil des Beschlusses des 13. Fünfjahresplans für 2016 bis 2020, der während der letzten vier Tage auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas beschlossen wurde.

Trotzdem fordern einige kritische Stimmen eine völlig neue Familienpolitik in China an. Auch Mehrkindfamilien sollen gefördert werden, da dieser Schritt lediglich einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen würden. Angesichts des rapiden Rückgangs an Arbeitskräften und der stetig wachsenden Zahl an Rentern, droht der Volksrepublik das japanische Schicksal.

Allerdings hat China aufgrund der immensen Staatswirtschaft auch andere Möglichkeiten, um die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen abzumildern, oder sogar zu neutralisieren. Denn anders als die eher privatwirtschaftlich orientierten Länder besitzt Peking auch zumindest theoretisch die Macht zur volkswirtschaftlichen Umverteilung. Dort wo die westlichen Umlagesysteme samt privater Vorsorge ab einem bestimmten Punkt kollabieren werden, könnte China sogar einen "Gesundschrumpfungsprozess" einläuten.

Die steigende wirtschaftliche Produktivität in China sorgt ohnehin dafür, dass die Arbeitskräftenachfrage gar nicht so stark ausfällt. Eine teilweise erfolgende Umleitung dieser Produktivitätszuwächse in die Altersversorgung würde demnach das Versorgungssystem stützen und dennoch für einen Wohlstandszuwachs sorgen. Denn was auch für China wichtig ist, ist das qualitative Wohlstandswachstum und nicht das quantitative. Denn – und das weiß man auch in Peking – die Ressourcen dieser Welt sind nicht unendlich.

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3 Kommentare

    1. Ich denke, der Hauptgrund ist ein anderer. Xi hat begriffen, dass er es schaffen muß, die Bevölkerung in ähnlichem Maße hinter sich zu bringen, wie WWP die Russen. Deshalb organisiert er in letzter Zeit eine ganze Reihe von Schritten, um die chinesische Gesellschaft Menschenfreundlicher und gerechter zu machen. Laut Xi soll China mehr Wert auf Familie, zwischenmenschliche Beziehungen und gute Erziehung legen.

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