Air France–Vorstandsmitglied in panischer Flucht. (Bild: Youtube)

Der Air France-Konzern steht unter Druck. Die sich stetig verschlechternde wirtschaftliche Lage zwingt die Geschäftsführung zu Einsparungen. Wo die zu machen sind, war den hohen Herren in der Konzernzentrale von vornherein klar: Bei den Mitarbeitern natürlich. Doch diesmal hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Von Marcello Dallapiccola

Die Säulenheiligtümer der neoliberalen Dreifaltigkeit, namentlich Entlassungen, Lohnkürzungen und Privatisierung, sollten es wieder einmal richten bei der maroden Air France. Im konkreten Fall Heiligutm Nr. 1, denn 2.900 Stellen müssen angeblich "eingespart" werden. Das sind 2.900 Mitarbeiter, die dann ohne Job dastehen und hinter denen eine noch viel größere Zahl von Einzelschicksalen (Angehörige, Kinder) steht. Verständlich, dass das zu Ängsten, aber auch zu Zorn bei den Betroffenen führt. Doch dass dieser Zorn diesmal so weit geht, damit haben die Business-Wassern gewaschenen Krawattinger in ihren Maßanzügen wohl nicht gerechnet.

Denn eine Abordnung der Betriebsversammlung stürmte kurzerhand die Aufsichtsratssitzung und konfrontierte die die dort tagenden Großverdiener mit ihren Ängsten und ihrem Zorn. Diesmal fand das ganze allerdings nicht wie üblich statt, wo ein Sprecher der Betriebsangehörigen in Demutshaltung schüchtern von den Konferenztischen steht und einen salbungsvollen Sermon dampfplaudert, der die feinen Herren ohnehin nicht interessiert; nein, diesmal ging es etwas rustikaler zur Sache.

In ihrer Wut bekamen die enttäuschten Mitarbeiter nämlich einige ihrer Chefs zu fassen und rissen ihnen die feinen Maßanzüge und gestärkten Hemden von ihren Leibern. Dabei ist wohl dem Anstand der arbeitenden Menschen zu verdanken, dass dabei nicht mehr passiert ist – wie leicht hätte sich in diesem Tumult eine Faust in ein Bonzengesicht verirren oder ein Fußtritt sein Ziel in einem Ausbeuterhoden finden können. Schlussendlich fand der ganze Vorgang ein halbwegs glimpfliches Ende: Die Vorstände in ihren zerrissenen Kleidern wurden von Sicherheitsleuten aus dem Tumult eskortiert und retteten sich schließlich, indem sie wie billige Gauner über eine Absperrung kletterten.
Genießen Sie einige Bilder dieses gerechten Zorns:

Wieder einmal muss man den Franzosen Respekt zollen für ihre Protestkultur; im Gegensatz zu Deutschen und Österreichern haben sie keine Hemmungen, auf die Barrikaden zu gehen und ihren Unmut deutlich zum Ausdruck zu bringen. Vielleicht sollte man ja überlegen, ob dieses leuchtende Beispiel der Air France-Mitarbeiter etwa adaptiert werden könnte; so abgehoben, wie die Chefetagen von Konzernen und Großbetrieben zumeist agieren, würde es sicher nicht schaden, wenn die starke Hand des arbeitenden Volkes gelegentlich ordnend eingreifen würde.

5 KOMMENTARE

  1. Solche Einstellungen sollten die Deutschen auch haben und den Bundestag stürmen. Dann alle zurückentwickeln und abtreiben.

    • Ich lass mal das "zurückentwickeln und abtreiben" weg aber ansonst ist es ein guter Anschauungsunterricht für eine Gruppe von Herrschaften in ihren Führungsetagen.            Leider haben diese Herrn/Damen absolut keine Ahnung, was ihre "Konzern-Strategien" auslösen und für ihre Mitarbeiter bedeuten. Wir sprechen dabei von Existenzgefährdung und dies in den meisten Fällen gleich für ganze Familien.

      In Zeiten wie diesen ist es nicht nur einfach eine Kündigung, sondern kostet oft genug ein Leben. Ich erwähne das auch immer öfter gegenüber gewissen Herrschaften, dass sie vielleicht wieder einmal die Geschichtsbücher zur Hand nehmen sollten, um im Jahr 1848 nachzublättern.

      Der Wahnsinn des 3 Jahrtausends, dass wir in kürze wieder um das Ende der Feudalherrschaft und um unsere Freiheit kämpfen werden !

  2. Sehr schön geschrieben („…oder ein Fußtritt sein Ziel in einem Ausbeuterhoden…“ – lol). Danke!

    Ohne Hilfe hätte es der graumelierte Herr bestimmt nicht über den Zaun geschafft – lol.

    Auf solche Szenen warte und hoffe ich – flächendeckend in ganz Europa.

    Fakt ist, die selbsternannten Eliten haben KEINE CHANCE, wenn der Mob sich einig ist und bereit ist, auch etwas zu riskieren.

    Nebenbei wird dann auch noch die Zionisten-Journalle, das Antifantenpack und das Deutschlandhassende Gesindel hinweggefegt und als Kollateralschaden verbucht.

    Mal sehen… die Hoffnung stirbt zuletzt.

  3. @Marcello Dallapiccola
    Schoener Beitrag..und noch dazu wunderbar menschlich geschrieben.
    Ja,hoffen wir das die Menschen in uns siegen und diesen Krieg gegen die Herzen gewinnen.
    Wie heisst es so schoen…es ist nie zu spaet.

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