Läppische 500 Millionen Dollar hat das Pentagon mit dem Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm für "moderate Rebellen" in Syrien versenkt. Nun gehen auch noch Waffen an die islamistische al-Nusra, welche die USA austrickste. Wo die Amerikaner auch die Finger drin haben, gibt es nur Chaos und Gewalt.

Von Marco Maier

Das US-Engagement in Syrien avanciert zusehends zum Debakel. Nicht nur, dass hochrangige Vertreter der US-Administration (u.A. McCain) nette Unterhaltungen mit diversen Anführern des "Islamischen Staates" (IS) führten und die Vorwürfe einer US-Beteiligung an der Gründung der Terrormiliz immer mehr Nahrung durch Indizien erhalten, auch die Ausbildung von "moderaten Rebellen" für den Kampf gegen die syrische Armee und die IS-Milizen wird zunehmend zu einem Fiasko.

So musste General Austin, Kommandeur der CentCom, erst in der letzten Woche vor einem Senatsausschuss einräumen, dass von insgesamt 54 fertig ausgebildeten und bewaffneten Kämpfern gerade einmal 4-5 in Syrien aktiv seien. Später verbesserte man die Zahl auf 9. Immerhin ein ganzes Sechstel der ausgebildeten Männer. Der Rest sei noch in der Türkei, habe sich anderen Gruppen angeschlossen oder sei einfach untergetaucht. Ein tolles Programm, welches schlussendlich rund 55 Millionen Dollar pro aktiven Kämpfer kostet. Dabei wollten die USA in diesem Jahr schon 3.000 Kämpfer ausbilden, die sie dann auf den syrischen Schlachtfeldern verheizen wollten. Fehlen also noch 2.991.

Dass dann eine Meldung erfolgte, wonach 70 ausgebildete Kämpfer des US-Programms auf syrisches Territorium vorgedrungen seien um als "Neue Syrische Streitkräfte" (NSF) gegen den IS zu kämpfen, wirkt fast schon als Witz. Den Verlautbarungen des Pentagons zufolge solle diese NSF mit "überprüften" Oppositionsgruppen zusammenarbeiten und diese verstärken. Also kurdische Milizen, sunnitische Truppen und dergleichen.

Faktisch werden diese Leute also in ein Kriegsgebiet geschickt, in dem neben den "big playern" der syrischen Armee, den Kurden (YPG) und dem IS auch unzählige kleine Gruppen agieren und dort je nachdem gegeneinander kämpfen oder auch Koalitionen eingehen. Ganz nach dem Motto: Wenn irgendwo Chaos herrscht, schafft man eben noch mehr Chaos. Dass das wunderbar funktioniert, zeigen ja schon Afghanistan, Libyen und der Irak.

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Interessanterweise meldet die britische Tageszeitung "The Telegraph" nun, dass die Waffen der untergetauchten Kämpfer, welche die USA ausbildeten, nun bei der islamistischen al-Nusra gelandet sind. Dabei hatte der CentCom-Sprecher noch versichert, dass deren Waffen sicher nicht bei einer "gemäßigten Oppositionsgruppe" gelandet wären, sondern sich in US-Gewahrsam befänden. Zum Teil hat er ja nicht gelogen, denn die al-Nusra ist alles andere als "gemäßigt". So verweist der Telegraph auf eine Twitter-Meldung von Abu Fahr al-Tunisi, einem al-Nusra-Mitglied. Dieser twitterte: "Ein schwerer Schlag für Amerika …Die neue Gruppe der Division 30, die gestern gekommen ist, übergibt alle Waffen an al-Nusra, nachdem ihr sichere Durchreise garantiert wurde." Bestätigt wurde dies auch von anderen Quellen, wonach die USA ausgetrickst wurden um an die begehrten Waffen zu kommen.

Wie man es auch dreht und wendet: Das US-Engagement in Syrien ist einfach nur ein vollkommenes Fiasko. Fehleinschätzungen, gezielte Sabotage durch die CIA und involvierte Politiker, überforderte Militärs und katastrophale geopolitische Ambitionen in der Region haben zu diesem Totalversagen geführt. Opfer sind wieder einmal die vielen Millionen Menschen in der Region, die die ganze Sache ausbaden dürfen.

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2 thoughts on “Waffen für al-Nusra: Das amerikanische Debakel in Syrien”

  1. Die Lage ist sehr schwierig. Es ist wie ein Bild in mehrere Ebenen, die wie Folien übereinander liegen.

    Fast alle Beteiligten – weil sie sich so klug und toll finden – sind auf mehreren Ebenen gleichzeitig tätig.

    Auf der politischen Ebene, um für das Land zu sprechen, dessen Politik gerade vertreten wird.

    Auf religiöser Ebene, um den Religiösen Präferenzen stattzugeben, die das eigene Religionsgefühl vorgibt.

    Zwischen Religions- und politischer Ebene kann dieselbe Person schon völlig unterschiedliche Statements abgeben, und wenn es nur gedanklich ist (vorsätzlicher Meineid).

    Dann gibt es noch die Ebene, die in die eigene Tasche arbeitet. Man kann, in derselben Person, als Staats- und Geschäftsmann völlig unterschiedlichen Herren dienen. Man kann z.B. – als Vertreter der Politik – militärische Ausrüstung in ein Land schaffen, um den Frieden angeblich zu fördern und GLEICHZEITIG eine Vereinbarung mit einem Warlord haben. Die Waffen sind dann eben „zufällig“ in andere Hände gefallen.

    Der Politiker zuckt die Schultern: „dumm gelaufen“ – der Geschäftsmann reibt sich die Hände: „fein gelaufen“. Das beste: Der Gewinn ist steuerfrei, denn Geschäfte mit Warlords laufen nicht über Bankkonten.

    Die religiöse Ebene greift auch noch, z.B. wo Leute ausgebildet werden, die das Christentum hassen und nur zum Schein mitspielen – um dem Ungläubigen mal richtig schön einen Keil in den Hintern zu treiben: „Ich lass mich erst ausbilden, und verschwinde dann mit den Waffen, hähähä“.

    Und alles nur deswegen, weil es Menschen gibt – z.B. US-Politik – die soweit im Trend der Thinktanks sind, sozusagen mittendrin im Wald stehen, dass sie nicht mehr wissen, wieviele Bäume der Walt eigentlich hat. Sie interplolieren und exponieren und machen Vektorrechnung; aber sie können nicht mehr 1+1 addieren. Und soche Fachidioten, die noicht mehr einfachste Zusammenhänge begreifen, regieren die Welt und stehen mit Party24/7-Stimmung besoffen am Steuer unserer Titanic, die mit Vollgas durch das Eismehr düst.

  2. …nur Chaos und Gewalt … Wie man es auch dreht und wendet: Das US-Engagement in Syrien ist einfach nur ein vollkommenes Fiasko. Fehleinschätzungen, gezielte Sabotage durch die CIA und involvierte Politiker

    Was erwarten Sie? Der IS wurde von USrael kreiert und ist deren bestes Trojanisches Pferd im Stall. Sollen sie das direkt plattmachen?

    Dieses Fiasko ist wohl geplant, die tun nur so dumm und unfähig. Und dass sie nur so wenig Leute in Syrien haben sollen, ist wahrscheinlich auch gelogen.

    Die wollen Assad plattmachen. Das ist aber nur das erste Etappenziel, denn der Weg nach Teheran führt über Damaskus – nach Moskau.

    Wenn sie den IS jetzt plattmachen würden, dann wäre Ruhe da unten. Und dann? Was ist mit dem Iran, mit Russland?

    Nein, sie müssen da unten ein maximales Chaos anrichten, und der IS muss auch immer stärker werden, damit der Iran auch noch fällt.

    Und am besten sollte Russland sich noch einmischen, aber richtig, so dass die USA am Ende die Russen noch als Brandstifter verkaufen können, die man zur Ordnung rufen muss.

    Lassen Sie sich nicht täuschen.

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