US-Spione werden aus China abgezogen

Weil Washington mit einer Enttarnung von Agenten in China rechnet, werden nun einige US-Spione aus dem Reich der Mitte abgezogen. Grund dafür ist ein Cyber-Diebstahl von Personalakten. In der US-Hauptstadt wird deswegen heftig gestritten.

Von Marco Maier

Chinesische Hacker erbeuteten sensible Daten von US-Regierungsmitarbeitern. Darunter ziemlich sicher auch welche von amerikanischen Spionen, die in China ihr Unwesen treiben. Angesichts der möglichen Enttarnung dieser Agenten zieht die CIA nun die Reißleine und zieht die ersten Mitarbeiter ab. Vorerst jene, die offiziell als Mitarbeiter der US-Botschaft akkreditiert waren.

Denn das "Office of Personnel Management" (OPM), welches zwischen März 2014 und April 2015 Ziel der Hackerangriffe war, gilt als Personalabteilung der US-Bundesverwaltung. Auch Mitarbeiter des State Department werden dort in den Akten geführt, weswegen die chinesischen Börden allein durch einen Abgleich der Personalakten potentielle Spione enttarnen können. Wer akkreditiert ist aber nicht auf der Gehaltsliste des US-Außenministeriums steht, wird eben von einer anderen Stelle – z.B. der CIA – bezahlt.

Andere CIA-Mitarbeiter – darunter vom US-Geheimdienst angeworbene Chinesen – dürften davon nicht betroffen sein. Immerhin speichert das OPM keine Daten über deren Mitarbeiter. Dennoch gilt dies als kleiner Rückschlag für die Bemühungen der US-Führung, mehr Informationen aus Peking zu erhalten. Zudem könnten die chinesischen Behörden anfangen, jene Personen auszuquetschen, die in der Vergangenheit Kontakt mit den US-Geheimdienstmitarbeitern pflegten. Damit brechen den Amerikanern einige Informationsquellen weg.

In den USA führt diese Affäre zu hitzigen Debatten zwischen den Republikanern und der von den Demokraten gestellten Regierung. Der Nationale Geheimdienstdirektor James Clapper sagte am Dienstag in einer Anhörung: "Auch wir betreiben Cyberspionage." Er fügte dann hinzu: "Und wir sind ziemlich gut darin." Clapper bezeichnete es als unklug, andere Länder für Dinge zu bestrafen, die auch Amerika tue. Clapper verwies selbst auf das Sprichwort, nach dem keiner Steine werfen solle, wer selbst im Glashaus sitze. Der republikanische Senator John McCain fragte daraufhin: "Es ist also in Ordnung, wenn sie unsere wichtigsten Geheimnisse klauen, weil wir in einem Glashaus leben?" Daraufhin beharrte Clapper, dass es zwischen Cyber-Spionage und Cyberangriffen einen Unterschid gebe.

Loading...

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.