Griechenland: Weiß Tsipras überhaupt, was er da tut?

Die Politik von Alexis Tsipras ist von Unbeständigkeit geprägt. Angesichts der massiven Verluste bei den Umfragen, schießt er wieder quer. Doch wer kann ihm denn angesichts seines bisherigen Schlingerkurses überhaupt noch vertrauen?

Von Marco Maier

Eine beständige und vertrauensvolle Politik sieht anders aus. Als Alexis Tsipras mit seiner Syriza Anfang 2015 zur Wahl antrat, wollte er das Austeritätsdiktat beenden und den Griechen einen Neuanfang ermöglichen. Doch schon bei den Verhandlungen mit der Troika zeigte es sich, dass er nach außen so tat, als würde er dies tun – in Wirklichkeit jedoch kam er den Gläubigern weitestgehend entgegen. Nur ein paar Kleinigkeiten trennten beide Seiten vor einem Pakt.

Dann kam es zur Volksabstimmung, wo sich die Mehrheit der Griechen für die ursprüngliche Syriza-Linie aussprach und einer weiteren Verschärfung der Auflagen den Stinkefinger zeigte. Und was tat Tsipras? Genau das Gegenteil: Er einigte sich mit den EU-Spitzen und begann trotz massiven Widerstands innerhalb der eigenen Partei zusammen mit der Opposition die entsprechenden Pseudoreformen umzusetzen.

Daraufhin folgte der offene Protest des linken Parteiflügels, der sich nach der Ankündigung des Rücktritts Tsipras' zur Durchführung von Neuwahlen in einer neuen Linkspartei formierte. Gleichzeitig sinken die Umfragewerte für die Syriza. Wozu auch die Syriza wählen, wenn man doch gleich jene Parteien – Nea Dimokratia oder Pasok – wählen kann, die von vornherein keinen Hehl aus ihrer Zustimmung für die Forderungen der Troika machten? Dementsprechend liefern sich nun die Syriza (26,5 Prozent) und die Nea Dimokratia (25,9 Prozent) in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Um den weiteren Stimmenverlust zu beenden, macht der griechische Premierminister nun jedoch erneut eine Kehrtwende: Bei einem Wahlsieg am 20. September werde er die Bedingungen für das vereinbarte dritte Hilfspaket infrage stellen, versprach Tsipras am Sonntag. Ja was denn nun? Seine Taktik besteht aus Inkontinuität. Erst heißt es "nein", dann "nein, aber", gefolgt von einem "ja, aber", dem ein weiteres "nein" folgte um dann von einem Kniefall samt "ja" abgelöst zu werden. Nachdem er seine Syriza zerrissen hatte und die Weichen für die nächste Verschärfung des Spardiktats stellte, was ihm nun eine Niederlage bringen könnte, will er sich wieder um 180 Grad drehen? Wer soll ihm diesen erneuten Schwenk denn noch abkaufen? Die wichtigste Frage lautet jedoch: Weiß Tsipras überhaupt, was er da tut?

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8 Kommentare

  1. Danke für dieses wichtige Thema. Dachte schon, warum merkt das keiner…

    „Schlingerkurs“ ist gut! Der Chef des Kinderschutzbundes hat sich sozusagen zur Pädophilie bekannt oder der Vorsitzende des Weltverbandes der Vegetarier ist zugleich Chef einer Steakhousekette. Oder kann man noch besser ausdrücken, was dieser Volksbetrüger da für Zicken macht … mir fällt nichts ein.

    http://vineyardsaker.de/analyse/ein-syriza-insider-bestaetigt-dass-tsipras-russland-reinlegen-wollte/

  2. 3. und fertig: Das alles passt doch zur „neuen“ USA-Strategie:

    Chaos: Sich im Chaos üben und dann die Welt ins Chaos stürzen. Der gestählte Phönix bleibt in der Asche übrig.

    Kausalitätsumkehr: Jemanden erst von hinten niederknüppeln und dann die Polizei rufen. Das Opfer anzeigen und sich auf Notwehr berufen.

    Perfide Welt – Neue Amerikanische Idiologie

  3. Ein wenig Verstädnis und Gespür für das was da seit Februar ablief sollte man schon haben.

    Tsipras und sein Finanzminister konnten ihre Vorstellungen (Schuldenschnitt, Neuanfang) gegenüber der Troika nicht durchsetzen, Griechenland wurde von Brüssel (allen voran Deutschland) und dem dahinterstehenden militär./industr./Banken und Sciherheitskomplex schlicht erpresst.

    Die Staatspleite zu erklären und aus dem Euro auszusteigen beinhaltete derart hohe Risiken für Tsipras und die Masse des griechischen Volks, (Massenunruhen in den Städten, Zusammenbruch des bisherigen Systems bis hin zum Militärputsch, Merke: Militär steht i.d.R. politisch rechts) dass Tsipras eben einknickte.

    Immerhin, und das ist ihm im Gegensatz zu unseren lobbyhörigen, saturierten an ihren Sitzen klebenden Politikern hoch anzurechnen, hängt er nicht an der Macht und hat Neuwahlen ausgeschrieben.

    Mal sehen, wie die Griechen da drüber denken.

  4. Nun Herr Jeh, vom warmen Sessel aus und funktionierener Bankkarte, ist gut plaudern.
    Denke nicht dass man die Sche so einfach und im Vertrauen uaf die „Demokratie“ angehen kann.

    Wie mit nicht spurenden „Freunden“ umgegangen wird hat man ja z.B. in Libyen gesehen. Nicht dass man Griechenoand 7 Monate lang zerbombt hätte, aber so ein klitzekleiner (Militär)Putsch von der CIA (die haben da Erfahrung) organisiert, das hat doch was, das kennen wir doch!
    Infos statt Bildchen:
    http://www.griechenland-blog.gr/2015/09/wie-viel-kostete-varoufakis-griechenland/2135880/

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