Wirtschaftskrise: Sogar die Mafia verlässt Süditalien

Italien geht es wirtschaftlich schlecht, Süditalien sehr schlecht. Die Menschen leiden ebenso. Inzwischen verlässt sogar die Mafia das sinkende Schiff. Was bleibt, ist eine höchst ungewisse Zukunft.

Von Marco Maier

Der Süden Italiens zählt schon lange Zeit als "Armenhaus" des Landes – und als Hort der Mafia. Der Mezzogiorno war deshalb auch das Ziel einer Studie über die miserable Wirtschaftslage. Das Ergebnis: Seit sieben Jahren schrumpft die Wirtschaft und selbst die Griechen erwirtschafteten von 2000 bis 2013 mehr als die Süditaliener. Die private Entwicklungsorganisation Svimez (Associazione per lo Sviluppo dell'industria nel Mezzogiorno) publizierte diese dramatischen Zahlen über die Region.

Inzwischen sind die Ausgaben für Konsum und Investitionen stark rückläufig und die Beschäftigungssituation ist so schlimm wie seit dem Jahr 1977 nicht mehr. Jeder dritte Süditaliener ist von Armut bedroht oder betroffen, was sich auch in der extrem niedrigen Geburtenrate widerspiegelt. Perspektiven? Fehlanzeige. Der Svimez-Bericht warnt vor einer "permanenten Unterentwicklung" der süditalienischen Regionen. Und all dies ist verbunden mit "unvorhersehbaren Konsequenzen eines demografischen Tsunami".

In einem Offenen Brief des Anti-Mafia-Aktivisten und Schriftstellers Saviano, der am Wochenende in der Zeitung "La Repubblica" veröffentlicht wurde, übt dieser massive Kritik an der italienischen Politik. "Süditalien ist am Sterben. Alle gehen weg, sogar die Mafia", schrieb er. "Ein Kind zu haben, ist zum Luxus geworden. Zwei Kinder zu haben, ist bereits eine Tollheit." Und weiter: "Wer hier geboren wird, wächst mit dem Gedanken auf, wegzugehen."

Saviano fordert den italienischen Premierminister Mario Renzi zum Handeln auf: "Lieber Premier, Sie haben die Pflicht, zu intervenieren. Davor müssen Sie aber zugeben, dass die Regierung bisher nichts gemacht hat." Renzi selbst weist diese Vorwürfe zurück. "Jeder kann feststellen, dass es Italien heute besser geht als vor einem Jahr. Und wir wissen, dass es uns in einem Jahr noch besser gehen wird", so der Regierungschef. Dabei räumte er jedoch ein, dass der Süden dem Norden nachhinke.

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Federica Guidi, Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung, versuchte indessen bei einem Interview mit der "La Repubblica" die Wogen wieder zu glätten. Die Ministerin sprach davon, dass die Regierung an einem Investitionsplan zur Förderung der süditalienischen Industrie und Infrastruktur arbeite. Demnach sollen mit einer Art "Marshallplan" in den nächsten 15 Jahren 80 Milliarden Euro nach Süditalien fließen. Ob diese Maßnahme etwas bringt, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier. Bis dahin werden noch mehr – vor allem junge – Menschen die Region verlassen.

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3 Kommentare

  1. Die Ministerin für Wirtschaftliche Entwicklung will in den nächsten 15 Jahren 80 Milliarden EURO nach Süditalien fließen lassen ! Dazu muss aber gesagt werden, dass diese Summe zuerst Norditalien gestohlen werden muss und dann wäre die Preisfrage, wo diese 80 Milliarden ankommen werden ? Vielleicht kommt die Mafia dann doch wieder zurück und wir wissen danach wohin das Geld verschwunden ist. Außerdem haben Politiker noch keine Arbeitsplätze geschaffen, außer die Frau Minister würde mit den vom Staat geschenkten Milliarden selber eine Firma gründen und sollte diese Pleite gehen, dann hätte sie sicher genug für ein feudales Leben, im Trockenen. Eigentlich ist Politik ganz leicht zu verstehen, nur ein biss´chen Nachdenken muss halt schon, oder man liest diesen Beitrag.

  2. Wieso Norditalien stehlen? Und wieso muss man Hilfe für Notleidende immer stehlen?
    Immer nur Polemik und Stammtisch-Schprüche, egal wo man liest, es ist katastrophal wie die Sozialkompetenz immer weiter schwindet.

    Ich wünsche inzwischen jedem, ja jedem, das es ihn auch mal auf den Arsch setzt, sei es Gesundheitlich, Finanziell oder sonst was. Jeder sollte mal an seinem eigenen Leib erfahren, auf der Verliererseite zu stehen und dann festzustellen man wird nur beschimpft und es wird einem eben nicht geholfen.

    Ich spiele sogar noch Prophet und sage für Deutschland und ganz Zentral-Europa überall den Sozialabbau vor, wir werden uns alle noch richtig geil umschauen!!!!

    Macht ihr derweil mit den Sprüchen weiter.

  3. Ja, es stimmt. Die Mafia hat Süditalien schon lange verlassen. –

    Ihr neuer Sitz ist die EU, sie hat nahezu alle Regierungen der EU-Länder,
    ihre Parteien, Banken, Versicherungen und ihre Wirtschaft schleichend übernommen.
    Ein Reibach vom feinsten.

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