Nachdem erst diese Woche der Tod von Taliban-Führer Mullah Omar durch die Nationale Sicherheitsdirektion in Afghanistan bekannt wurde, macht nun der Tod eines weiteren Terroroberhaupts die Runde: Maulvi Jalaluddin Haqqani, Anführer des berüchtigten Haqqani-Terrornetzwerks.

Von Thomas Schmied

Bei beiden Todesmeldungen lässt sich festhalten, dass der Zeitpunkt des Todes schon länger zurückliegt. So sei Mullah Omar bereits im April 2013 in einem Krankenhaus in der pakistanischen Stadt Karachi einer schweren Krankheit erlegen. Angeblich handelte es sich um Tuberkulose. Bislang haben die Taliban keinerlei Stellung zu den Meldungen vom vergangenen Mittwoch bezogen. Die afghanische Regierung ließ durch ihren Präsidentensprecher Safar Haschemi mitteilen, dass sie die Berichte über den Tod des Talibanchefs prüfe. Pakistanische Sicherheitskreise äußerten, die Gerüchte vom Tod des Islamisten seien reine Spekulation, eine Taktik die Friedensgespräche der afghanischen Regierung mit den Taliban zu stören.

Nun macht eine neue Todesmeldung ihre Runden. Wieder soll ein Terroristenanführer gestorben sein, wieder sei es länger her, wieder taucht Pakistan in einer solchen Meldung auf: Maulvi Jalaluddin Haqqani sei vor etwa einem Jahr nahe der Grenze zu Pakistan gestorben und auch begraben worden. Die Meldung stammt aus der pakistanischen Zeitung "Express Tribune". Die Redaktion stützt sich dabei auf Kreise, die dem verstorbenen Oberhaupt des Haqqani-Terrornetzwerks nahe gestanden haben sollen. Näher benennen wollte die Zeitung diese Kreise jedoch nicht.

Warum auch immer der Tod der beiden Top-Terroristen jetzt erst bekanntgegeben wurde, die von Pakistan geleiteten Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Taliban in Afghanistan, werden damit wohl in eine entscheidende Phase eintreten. Sowohl auf Mullah Omar als auch auf Haqqani war ein Kopfgeld ausgesetzt, von jeweils zehn Millionen US-Dollar.

Neuer Taliban-Vizeführer soll Haqqanis Sohn sein

Haqqani war etwa 70 Jahre alt geworden. In den 80er Jahren soll er mit Hilfe der Amerikaner gegen die sowjetische Armee in Afghanistan gekämpft haben. 1996 schloss sich seine Miliz und das Terrornetzwerk den Taliban an, nachdem diese die Macht ergriffen hatten. Als das Taliban-Regime gestürzt wurde, agierte Haqqani aus Nord-Wasiristan heraus, einer abgelegenen Berggegend im Nordosten Pakistans, unweit der afghanischen Grenze. Die Terrorgruppe, die enge Verbindungen zu Al-Kaida pflegte, verübte zahlreiche schwere Terroranschläge in Afghanistan.

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Schon seit längerem wurde spekuliert, dass Jalaluddin Haqqani die Leitung der Gruppe an Sirajuddin Haqqani übertragen hatte. Sirajuddin Haqqani ist einer seiner zehn Söhne. Dieser wurde wiederum am vergangenen Donnerstag zum stellvertretenden Führer der Taliban gewählt. Es ist bekannt, dass die Taliban aktuell eine neue Führungsspitze zusammenstellen, vielleicht eine Reaktion auf den Tod von Gründer und Anführer Mullah Omar. Die neue Führung soll dann auch mit der afghanischen Regierung – unter Aufsicht Pakistans – über Frieden am Hindukusch verhandeln.

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