Die Finanzminister Schäuble und Varoufakis. Bild: Flickr / Day Donaldson CC-BY 2.0

Der griechische Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis lässt an Wolfgang Schäuble kein gutes Haar übrig. Er bezeichnet ihn als "Marionettenspieler" der Euro-Gruppe und wirft ihm vor, dass er süchtig nach totaler Kontrolle sei.

Von Marco Maier

An Kritik gegenüber Schäuble hat Varoufakis noch nie gespart. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" und der belgischen Zeitung "Le Soir" für die "Leading European Newspaper Alliance" (LENA) sagte Varoufakis über seinen früheren Amtskollegen: "Er ist eine bedeutende Persönlichkeit. Er hat Beiträge zu der Art und Weise geleistet, wie heutzutage Politik gemacht wird. Ob ich es genossen habe, mich mit ihm zu unterhalten? Ja, enorm. Habe ich etwas gelernt in den Gesprächen mit ihm? Ja. Hat er die Euro-Zone geprägt? Absolut. Die Euro-Gruppe ist sein Geschöpf. Er ist ein Marionettenspieler. Ganz klar."

Varoufakis kritisiert auch die EU massiv. Diese würde wie ein Spielsüchtiger agieren und die ganzen sogenannten "Rettungsprogramme" für den Euro seien lediglich ein gigantisches Schneeballsystem. Schäuble seinerseits habe zusammen mit anderen Politikern der Euro-Gruppe die soziale Lage Griechenlands "kontrolliert verschärft", um so seinen Plan einer Neugestaltung der Eurozone durchzusetzen.

Vor allem jedoch wirft Varoufakis Schäuble vor, die finanzpolitische Souveränität der Euro-Staaten infrage zu stellen. "Er will, kurz gesagt, einen obersten Steueraufseher installieren, wahrscheinlich den Präsidenten der Euro-Gruppe. Der soll durch einen neuen Vertrag die Kompetenz erhalten, sein Veto gegen jeden nationalen Haushalt einzulegen. Nicht nur in Griechenland, auch in Frankreich und sonstwo", so Varoufakis gegenüber der "Welt".

Schäuble gefalle nicht, "wie die Franzosen ihr Budget zusammenstellen. Er will das alles kontrollieren. Griechenland ist ihm egal." Aber Schäuble sei "es wichtig, Frankreichs Haushalt zu kontrollieren". Dies sei auch der Grund, warum sich Schäuble so sehr für einen Austritt Griechenlands aus dem Euro stark mache, so Varoufakis, der dem deutschen Finanzminister erpresserische Methoden vorwirft. "Seiner Vorstellung nach würde der Grexit derartiges Leid in Griechenland bewirken, dass die französischen Politiker gedanklich schon vollkommen darauf ausgerichtet sind, seine Forderung zu befolgen."

Bezüglich der Erfolgschancen für die aktuellen "Rettungsmaßnahmen" für Griechenland gibt sich der frühere griechische Finanzminister jedoch aufgrund seiner realistischen Betrachtungsweise und der Kenntnisse über den Zustand des Landes pessimistisch. "Ich glaube, dass dieses Rettungspaket nicht funktionieren kann. Und ich bin sicher, dass auch niemand anders das glaubt – einschließlich Wolfgang Schäuble und Christine Lagarde."

1 KOMMENTAR

  1. Oberbuchhalter Schäuble gefalle nicht, „wie die Franzosen ihr Budget zusammenstellen. Er will das alles kontrollieren. Griechenland ist ihm egal.“ Diese Haltung wird auch von anderer Berichterstattung bestätigt:

    Warum die Krise nicht enden darf
    http://www.geolitico.de/2015/08/22/warum-die-krise-nicht-enden-darf/

    „Schäuble und Co. hingegen dürfte es relativ egal sein, ob die Reformen tatsächlich angegangen werden. Es spielt in ihren Überlegungen überhaupt keine Rolle, welche Entscheidungen in Griechenland getroffen werden, wie das griechische Volk abstimmt, ob beschlossene Reformen auch umgesetzt werden. Jede griechische Regierung hat im Prinzip absolute Narrenfreiheit mit einer einzigen Ausnahme. Eines darf sie unter keinen Umständen tun: die Zahlungsunfähigkeit erklären. Obwohl dies seit spätestens 2010 der Fall ist. Würde sie dies tun, wäre der Zauber vorbei, die Krise beendet und Aufräumarbeiten könnten einsetzen.“

    „Nun wird verständlicher, weshalb die ganze Charade um angebliche Rettungspakete gespielt wird. Griechenland muss offiziell zahlungsfähig bleiben, damit die verbrannten „Rettungsgelder“ nicht in den Bilanzen der jeweiligen Staaten zum Tragen kommen. Portugal, Irland, Spanien, Italien, sie alle müssten dann so hohe Abschreibungen tätigen, dass auch sie in der Folge die Zahlungsunfähigkeit erklären müssten.“

    „Die Art und Weise wie dieser Staat [die EU] geschaffen wird, durch die Hintertür, mittels Rechtsbrüchen und Lügen sowie auf dem Rücken der Bürger, die durch den Prozess in materielle Not und seelisches Elend gestürzt werden, lässt auf seine zukünftige Verfasstheit schließen. Ein demokratischer, freiheitlicher Rechtsstaat, in dem der Wohlstand für breite Schichten der Gesellschaft gedeiht, wird es wohl nicht werden.“

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