Varoufakis: „Da ist ein Preis zu zahlen, wenn man Dinge ändern will.“

Janis Varoufakis ist von seinem Posten als griechischer Finanzminister zurückgetreten, um seiner Regierung beim Aushandeln des dritten "Hilfsprogramms" nicht im Weg zu stehen. Doch wer geglaubt hat, ihn und seine Kritik am korrupten System los zu sein, der hat sich gewaltig geirrt. In einem Interview mit der spanischen Zeitung „El País“ übte er scharfe Kritik an Deutschlands Finanzminister Schäuble.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Wieder einmal mehr meldete sich der charismatische Ökonom zu Wort, um einerseits Schäubles geheime Agenda zu entblößen und andererseits die Spanier und den Rest Europas vor den Konsequenzen der aggressiven Finanzpolitik Deutschlands und dessen Auftraggebern zu warnen. So nutzt Varoufakis das Interview auch, um seinem ärgsten Widersacher in die Suppe zu spucken. Schäuble hätte einen Plan um das Terrorregime der Troika nach halb Europa zu bringen – bis hin nach Paris.

Das Interview indes, begann mit einer Frage über den Plan B, den Varoufakis seinem Premierminister angeboten hatte. Bei diesem Plan hätte Griechenland eine Parallelwährung in Umlauf gebracht um die Fesseln der EZB los zu werden. Doch Alexis Tsipras hat dieses ultimative Werkzeug letzten Endes nicht genutzt. Auf die Frage, ob ihn sein Rücktritt persönlich in ein Tief gerissen hätte, wovon andere Journalisten wohl ausgehen, sagte er: „Ich glaube die Journalisten gehen davon aus, dass ich irgendwie den Kopf hängen lasse, jetzt da ich nicht mehr im Ministerium bin. Doch ich bin nicht in die Politik gegangen um Karriere zu machen, ich bin in die Politik gegangen, um den Versuch zu machen Dinge zu ändern. Da ist ein Preis zu zahlen, wenn man Dinge ändern will.“

Der Preis wäre die geballte Gewallt des Establishments zu spüren zu bekommen, wenn man den Unmut der etablierten Macht provoziert. Sie hätten sich bedroht gefühlt. Dann erklärte der Held der Hellenen wie sich durch sein Wirken etwas geändert hat. Dabei wählte er ein Beispiel aus der Physik, als wollte er der deutschen Kanzlerin (gelernte Physikerin) die Sache besonders verdeutlichen. So würde eine stete Kraft – die Geschichte – immer wieder auf ein unbewegliches Objekt – die EU-Instituitionen – treffen. Dies würde Lärm und Hitze erzeugen und hoffentlich auch etwas Licht.

Der gelernte Ökonom, der es bevorzugt die EU-Institutionen weiter als Troika zu bezeichnen, übt harsche Kritik an der Form, wie sein Land erpresst wurde und auch weiterhin wird. Besonders die EZB und das Zudrehen des Geldhahns für die hellenischen Banken war, so Varoufakis, ein undemokratischer Akt und reine Erpressung um politischen Druck auszuüben. Letzten Endes war es immer das Ziel, das Versagen der griechischen Regierung zu provozieren. Das Ganze soll den Spaniern und Portugiesen als Warnung dienen, sich nicht auf „politische Experimente“ einzulassen.

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So habe Wolfgang Schäuble seine ganz eigenen Ziele und er träume von einer Eurozone ohne Schwachpunkte, mit preußischer Disziplin und mit unbedingtem Gehorsam gegenüber Frankfurt und Berlin. Janis Varoufakis nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, jetzt wo er kein Amt mehr bekleidet. „Dieses Programm wurde erstellt um fehl zuschlagen.“ Sagte der Held vieler Europäer und führte weiter aus: „Wolfgang Schäuble war nie an einer funktionierenden Übereinkunft interessiert. Er hat kategorisch verkündet, dass er die Eurozone neu gestalten will und ein Teil dieser Neugestaltung ist der Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone.“

So hat Varoufakis also weiterhin den Mächtigen in der EU den Kampf angesagt und seine Warnung an alle, die noch meinen die Politiker würden im Sinne der Menschen handeln und die denken, dass wir in einer Demokratie leben, ist bis weithin hörbar. Diesmal hat sich der unbequeme Ökonom gegenüber der eher konservativen spanischen Tageszeitung „El País“ geäußert. Im dort anstehendem Wahlkampf liegt seine Unterstützung eindeutig beim is Podemos. Man darf gespannt sein, ob er der portugiesischen Linkspartei – Bloco Esquerda – genauso seine Unterstützung zusichert oder ob er sich hier für andere Parteien oder Bündnisse ausspricht.

Die Abschrift auf seinem Blog im englischem Original hier.

(http://yanisvaroufakis.eu/2015/08/02/in-conversation-with-el-pais-claudi-perez-the-complete-long-transcript/)

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17 Kommentare

  1. Das größte Gaunerstück kam wohl aus Brüssel. Da wurde Griechenland aufgefordert die Reeder und andere Oligarchen nicht zu besteuern. Warum eigentlich ? WEnn eine Nation existieren will , müssen auch die Superreichen besteuert werden. Hätten wir nicht diese Transfer Union, dann hätten wir schon längst Bürgerkriege. Die eurpäische Politik ist zum kotzen.

  2. Die US-Diplomatin Victoria Nuland hat es ja schon vor einiger Zeit auf den Punkt gebracht:

    Fuck the EU!

    Damit meinte sie sichelrich nicht das unterdrückte, ausgebeutete Volk der Europäer, sondern den menschenverachtenden Verein EU (ist rechtlich gesehen wirklich ein Verein) mit deren Handlnagern, die sich „Politiker“ nennen.

    1. John 8. August 2015 at 20:01
      zitat:
      Damit meinte sie sichelrich nicht das unterdrückte, ausgebeutete Volk der Europäer, sondern den menschenverachtenden Verein EU (ist rechtlich gesehen wirklich ein Verein) mit deren Handlnagern, die sich „Politiker“ nennen.

      Lustiges Statement, John. Denn diese Aussage kommt von einer US-Politikerin die eine ebenso menschenverachtende Politik vertritt und die ebenfalls nur Handlangerin mächtigerer Cliquen ist. Die nachweislich mehrfach in kriminelle Handlungen verwickelt war (Verstoß gegen die UN-Charta, Menschen- und Kriegsrechte sind kriminell).
      Und die soll jetzt die EU „kritisieren“? Auf welchem Planeten leben sie eigentlich?

      Tatsächlich soll „Fuck the EU“ nur heißen, das deren Pläne egal sind.

  3. Ich bin diese Woche auf ein Interview durch einen Stern Autor gestoßen. Auch wenn ich den Artikeln bei Stern immer mit einer gewissen Sekpsis gegenüberstehe, hat mich dieser Artikel/Interview grübeln lassen.
    Aber der letzte Satz des Interviewers bestätigte mir dann doch wieder eine Art Grundnaivität ebensolchen.

    http://www.stern.de/politik/ausland/yanis-varoufakis-im-stern-interview–griechenlands-ex-finanzminister-ueber-wolfgang-schaeuble–schmutzige-tricks-und-das-ende-der-demokratie-6368972.html

  4. Zunächst mal, wenn eine wie Victoria Nuland sagt; Fuck the EU. Ist das kein Zeichen dafür das die EU schlecht ist. Vielmehr das Gegenteil.
    Im weiteren hat Griechenland seine Bücher gefälscht um in die EU zu kommen. War das auch dem Schäuble seine Idee oder ist diese Idee den Hirnen von Varoufakis Landsleuten entsprungen?
    Als Griechenland neu in der EU war und den Euro bekam mit 3% Zinslast auf ihre Staatsverschuldung und einer Inflation von immer noch 15% waren die Jahrelang die Gewinner. Hat sich da ein Grieche drüber aufgeregt?
    Nein, warum auch. Also Arsch zusammenkneifen, Ärmel hochkrmepeln und die Probleme in Angriff nehmen und nicht mit dem Finger auf andere Zeigen.
    Was die USA anbelangt. Nun die wollen von den Griechen ne Insel für nen zusätzlichen Militärstützpunkt. Geostrategie also. Deswegen kriechen die den Griechen in den Arsch und schimpfen auf die EU. Theater, nichts als Theater.
    Schönen Tag noch allseits.

    1. Es war immer noch Goldman Sachs, das die griechischen Bücher gefälscht hat. Und zwar in Kooperation mit der damaligen konservativen griech. Regierung! WEnn man bedenkt, dass EZB-Präsident Mario Draghi damals Chef von GoldmanFucks war, kriegt das Ganze eine komplett andere Bedeutung.

      Was Schäuble im Moment macht, ist nicht nur gegen jede Vernunft, sondern auch diametral gegen die Ratschläge von immerhin 4 (!) Nobelpreisträgern; möge das jeder für sich selbst bewerten.

      1. Ebenso und sogenannte „Leistungsträger“ in EU-Gremien ebenso wie in Deutschland (Soziopathen wie Schäuble halt) wußten von den Manipulationen. Eigentlich wußte jeder davon denn die Zahlen konnten niemals stimmen.

      2. "Was Schäuble im Moment macht, ist nicht nur gegen jede Vernunft, sondern auch diametral gegen die Ratschläge von immerhin 4 (!) Nobelpreisträgern; möge das jeder für sich selbst bewerten."

        *Das Illegale tun wir sofort, das Verfassungswidrige dauert etwas länger.* "Hernry Kissinger".

        Ist n Zitat von einem ihrer Nobelpreisträger, werter Obrigkeits und Titel höriger Saddam.:-))

  5. Die Griechen haben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, um finanzielle Vorzüge zu enthalten, und jetzt müssen sie den Preis dafür bezahlen, so einfach ist das. Niemand hat Griechenland dazu gezwungen der EU beizutreten, niemand hat die Griechen dazu gezwungen hohe Kredite aufzunehmen. Jetzt Deutschland zu beschuldigen, ist absurd und auch ungerecht. Die Deutschen müssen bluten und Milliarden an die Griechen bezahlen, und zum Dank werden sich auch noch als Nazis beschimpft.

    Sicher, das Geld fliesst gleich wieder in die Taschen der Bankster, aber das täte es nicht, wenn die Griechen ihre Seele nicht an die Banken verkauft hätten. Was erwarten die Griechen denn, dass man den Euro zur neuen Lira macht, bloss weil die Griechen nicht ordentlich wirtschaften können? Dass die EU keine Dritte Welt Bananenwährung will, das wussten die Griechen doch auch schon vorher.

    Relativ zum Gold oder zum Schweizer Franken wurde der Euro doch bereits extrem abgewertet, aber das ist den Griechen immer noch nicht genug. Sollen 1000 Euros etwa nur noch einen Franken Wert sein, wären die Griechen dann zufrieden? Vielleicht sollte Griechenland doch lieber einem Bündnis der Dritten Welt beitreten, dort würde sich das Land wirtschaftlich wohl eher zu Hause fühlen.

    Sicher, kriminelle Banker lassen Griechenland ausbluten, aber die Griechen haben es den U.S. Finanzhaien auch sehr leicht gemacht. Wer jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat, dem präsentiert man eben früher oder später die Rechnung.

    Deutschland soll endlich damit aufhören den griechischen Faulpelzen Milliarden in den Rachen zu werfen, und wer weiss, vielleicht bezeichnen sie uns dann nicht mehr als Nazis. Und dann gibt es genügend griechische Milliardäre, die Milliarden und Billionen im Ausland gebunkert haben. Wann wird dieses Geld endlich herangezogen?

    Die Griechen haben eine Mentalität wie die Muslime: Zuerst inszenieren sie sich als Opfer, beschuldigen die ganze Welt für ihre Sünden und stellen endlos Forderungen auf, und anschliessend nehmen sie ihre Chancen nicht wahr, weil sie keine Opfer zu bringen bereit sind.

    Island hat gezeigt, dass es auch andere Wege gibt, und bisher ist noch keine amerikanische Atombombe auf Island gefallen, und die EU ist auch nicht mit Truppen einmarschiert. So viel Mut braucht es also gar nicht, nur etwas Integrität und Prinzipientreue.

    Man inszeniert sich als vermeintliches Opfer, weil man nicht bereit ist endlich Verantwortung zu übernehmen und dem Volk reinen Wein einzuschenken. So gesehen erinnern die Politiker der Griechen doch sehr an diejenigen der Deutschen.

    1. @Saratoga777 9. August 2015 at 9:23
      Zitat:
      „Die Deutschen müssen bluten und Milliarden an die Griechen bezahlen, und zum Dank werden sich auch noch als Nazis beschimpft. “

      Nein, für die sogenannten „Hilfspakete“ muß kein Deutscher bluten. Deutschland hat dafür einen billigen Kredit aufgenommen und bekommt von Griechenland mehr Zinsen als es selber zahlen muß. Ein tolles Geschäft also. Außerdem – während vor der ganzen Misere private „Investoren“ die Kredite an Griechenland gegeben hatte wurde das ganze jetzt auf die Bevölkerung der gesamten EU umgelegt. Eine Umverteilung von Privat zu Gemeinschaft, von Reich zu Arm.

  6. Was die Politiker inkl. die ehemaligen über Griechenland daherschwadronieren, mutet schon sehr merkwürdig an, wenn nicht gar falsch und verlogen. Bei Griechenland geht es vor allem um die bewusst in die hoffnungslose Verschuldung getriebenen Banken, die die EU, sprich USA, als Erpressungsobjekte gut dazu verwenden kann, der Vermögenswerte des Landes über Privatisierungen billig habhaft zu werden inkl. dem anscheinend erheblichen Potenzial an grossen hochqualitativen Mengen Öl- und Gasvorkommen in Griechenland’s umgebenden Meeren. Es ging von allem Anfang an nur darum!!! Alles andere, was darum herum geschwafelt und konferenziert wird, ist nichts als Ablenkung, Propaganda und Aufhetzung gegen die Griechen. Sowohl die EU-Politiker als auch Varoufakis tabuisieren diese Thema krampfhaft, obwohl es aus allem Geschwätz zu Griechenland hervorquillt.

    Grundsätzlich drängt sich auch die Frage auf, warum ein so kleines, wirtschaftlich unbedeutendes Land wie Griechenland mit derart hohen Milliardensummen immer und immer wieder gerettet werden soll. Das ist ökonomisch völlig absurd, wenn nicht dahinter noch viel grössere Milliarden-Gewinne abzuschöpfen wären. Der Börsenexperte Dirk Müller wurde nicht umsonst in den Medien mundtot gemacht, weil er genau auf die Öl- und Gas-Vorkommen in den Gewässern um Griechenland herum laut aufmerksam machte.

    „Mit den Amerikanern sollte Griechenland ein Abkommen schließen, das diesen (…) die Ausbeutung [von] (…) Gas- und Ölvorkommen Griechenlands ermöglicht.“

    Griechischer Minister bietet USA Erdölvorkommen an
    http://www.neopresse.com/politik/griechischer-minister-bietet-usa-erdoelvorkommen-an/

    Griechenland präsentiert Öl- und Gasvorkommen
    https://marbec14.wordpress.com/2015/07/06/griechenland-prasentiert-ol-und-gasvorkommen/

    Dirk Müller Griechenland Öl und Gasvorkommen
    https://www.youtube.com/watch?v=sQB9rYjKM-g

  7. Rauswurf Griexhenlands? Nein… Die kann man noch mehr ausquetschen, noch weiter verschulden (versklaven)
    Je mehr schulden sie machen um so fester sitzen sie in der falle… falls
    Rauswurf wuerde ja nur bedeuten das sie wieder mehr Entscheidungsfreiheit bekommen. „Das will ja nun wirklich niemand!! „

  8. Koennte das nicht das ziel sein? Totale kontrolle, totale abhaengigkeit…? Bis der tag kommt wo „ausserhalb des systems“ kein ueberleben mehr moeglich ist.

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