Slowakei: Gabcikovo sagt „Nein“ zu Flüchtlingen aus Traiskirchen

Dass es in Gabcikovo Widerstand geben wird, war schon klar als Ministerin Mikl-Leitner und ihr slowakischer Kollege, Robert Kalinak, die Absicht bekundeten, 500 Flüchtlinge aus Traiskirchen vorübergehend in dem slowakischen Ort unterzubringen. Die örtliche Bevölkerung stimmte mit 97 Prozent gegen die Unterbringung von Flüchtlingen. Doch was kümmert das die slowakische Regierung?

Von Andre Eric Keller

Die Bevölkerung der 5.000-Seelen-Gemeinde Gabcikovo hat schon Erfahrung mit Flüchtlingen. Bis vor sechs Jahren waren hier schon mal welche untergebracht. Angst hatte man gehabt, Angst um die Sicherheit der Dorfbewohner. Doch jetzt sollen wieder Asylwerber, diesmal aus Österreich (wir berichteten hier), nach Gabcikovo kommen. Auch wenn es nur vorübergehend sein soll, damit will man sich nicht abfinden. Die Bürger starteten eine Petition, welche wiederum zum sonntägigen Referendum führte. Von den rund 4.300 Wahlberechtigten gingen 58,5 Prozent zur Abstimmung, welche zu 96,7 Prozent gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen votierten.

Und wie es in lupenreinen westlichen Demokratien so ist, ist dieses Referendum für die slowakische Regierung natürlich nicht bindend. Über den Willen oder eben Unwillen des Volkes setzt man sich auch in der heutigen Slowakei hinweg. Das überrascht einen gelernten Europäer nicht mehr. Der örtliche Bürgermeister, Ivan Fenes, ist froh über den Ausgang der Abstimmung seiner Gemeinde. "500 Asylwerber sind einfach zu viel für so ein 5.000-Einwohner-Dorf", bekräftige Fenes. "Wir wollen, dass sich die Bewohner sicher fühlen, dass ihr Leben und ihre Gesundheit nicht gefährdet sind. Wir wünschen keine Flüchtlinge in unserem Dorf", führte der Bürgermeister weiter aus. 

Die slowakische Regierung in Bratislava gibt sich gelassen, denn in deren Vorgarten sitzen die Flüchtlinge garantiert nicht. Im Innenministerium sieht man kein Problem, denn ohnehin wäre die Unterbringung der Asylwerber nur für die Dauer bis zum Abschluss der Asylverfahren und würden dann wieder nach Österreich zurückkehren. In der Technischen Universität Gabcikovo waren früher schon Flüchtlinge ohne große Probleme einquartiert, warum man jetzt in Panik verfällt, kann man im Innenministerium nicht verstehen. Zynisch fügt man hinzu: eine Volksabstimmung könne man nicht verhindern. Nun, könnten sie es, würden sie es dann tun?

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Da dieses Referendum nicht bindend ist, wird am Abkommen mit Österreich festgehalten. Die ersten Flüchtlinge werden im August in Gabcikovo ankommen, weitere dann im September. Ein Willkommensfest, wie man es in Deutschland oder Österreiche zelebriert, wird vermutlich in Gabcikovo nicht veranstaltet werden. 

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2 Kommentare

  1. Da gab es kürzlich eine Radio-Doku über einen anderen Ort (weiß nicht mehr ob Slowenien oder Slowakei) da hat die angestammte Bevölkerung aus ihrer Not heraus begonnen, Geschäfte, Lokale und dergleichen mit ausgestopften Schweinsschädeln zu verzieren.
    Das hält eine gewisse Gruppe zuverlässig in weitem Abstand und kann nicht verboten werden weil – he, Lokalkolorit! 😉

  2. Die Abbildung weißt Ähnlichkeit mit Prora auf Rügen auf.
    Vielleicht kommt man auch noch auf die Idee Prora zu reaktivieren und in
    ein Flüchtlingssammellager umzuwandeln?

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