Österreich: Juli 2015 – Wieder ein Monat mit Rekordarbeitslosigkeit

Seit Jahren steigt die Arbeitslosenquote in Österreich. Langsam aber beständig. Ebenso lange werden wir beschwichtigt und darauf hingewiesen, dass Österreich im Vergleich mit dem übrigen Europa immer noch eine geringe Arbeitslosigkeit verzeichnet. Soll das etwa die vielen Arbeitsuchenden beruhigen?

Von Andre Eric Keller 

Die Arbeitslosenrate ist im Vergleich zum Monat Juli des Vorjahres um 7,2 Prozent gestiegen. 376.522 Menschen sind in Österreich offiiziell arbeitslos. Davon befinden sich 56.642 Menschen in Kursen des Arbeitsmarktservice (AMS). Nach österreichischer Definition ergibt das eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent. In der Bundeshauptstadt stieg die Arbeitslosigkeit gleich um ganze 18,9 Prozent an. Ein alarmierender Zustand für die Arbeitsmarktpolitik des rotgrün geführten Wiens. Insgesamt gab es aber in Österreich um 31.000 Jobs mehr. Ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Nach den Gründen für den Anstieg der Arbeitslosenzahlen befragt, gibt Österreichs Sozial- und Arbeitsminister Hundstorfer eigentlich immer dieselbe Antwort. Die Regierung und er seien sicher nicht dafür verantwortlich, denn die Gründe liegen im Zuwachs beim Arbeitskräfteangebot, im Qualifiaktionsbedarf und immer noch am schleppenden Wirtschaftswachstum. Dass die Bundesregierung hier Einiges verschlafen hat, steht für diese nicht zur Debatte, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Denn viel zu lange ließ man den Wirtschafts- und Produktionsstandort Österreich "versandeln", wie auch schon vor einiger Zeit Wirtschaftskammerpräsident Leitl zornig feststellte.  

Natürlich will niemand darüber reden, aber die Arbeitsmigration durch unsere östlichen EU-Nachbarn legt hier noch ein wenig nach. Nicht genug, denn das AMS bastelt jetzt schon an einer Integration für Flüchtlinge. Nach Absolvierung eines fünfwöchigen Kurses soll feststellen, welche Qualifikationen die Flüchtlinge mitbringen. Aber keine Angst vor zu vielen Flüchtlingen am Arbeitsmarkt, denn Ende Juli waren nur knapp 12.000 Asylberechtigte beim AMS vorgemerkt. Hier kommen die meisten Menschen aus Afghanistan und Syrien, letztere sollen über ein sehr hohes Ausbildungniveau verfügen.

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Neue Wege geht man in der Frage der Qualifikation bei den Asylberechtigten. Zeugnisse sollen nicht mehr wichtig sein. Wichtiger sei die Frage was die neuen Fachkräfte an Können mitbringen. Eine interessante Sichtweise, denn versuchen sie als authochtoner Österreicher ohne Zeugnisse und passende Ausbildung einen höher qualifizierten Job zu bekommen. Wie das ausgehen wird? Sie kennen die Antwort schon.

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6 Kommentare

  1. *ufff* Da kann man echt froh sein, dass der weise Lenker Spindelegger während seiner Regentschaftsbeteiligung die Wirtschaft entfesselt hat – sonst stünden wir noch viel übler da …

  2. Es mag ja sein, daß Österreich im Vergleich mit dem übrigen Europa eine geringe Arbeitslosigkeit aufweist. Die steigenden Zahlen allerdings sind ( genau wie in Deutschland ) bereits die ersten Vorboten auf das Kommende : einheimische Arbeitskräfte werden gegen zugereiste Fachkräfte ausgetauscht .
    Die Zuwanderung nach Österreich/ Deutschland ist in erster Linie für die Industrie und Banken notwendig, denn es werden

    1. billigste Arbeitskräfte = Lohnsklaven gesucht, denn die Wirtschaft hat Nichts zu verschenken.
    2. Irgendeiner muß den Mist doch kaufen, welche die Hersteller in den Industriestaaten herstellen lassen .
    3. neue Schuldner für das Kreditwesen , da überschuldete/arbeitslose Deutsche keine weiteren Kredite kriegen und die, die es geschafft haben, nach 40 Jahren ihr Häuschen abzuzahlen, werden in der Regel keine weiteren Experimente eingehen bzw. sind vom Alter her auch uninteressant.

    Ich denke, die Liste läßt sich noch erweitern

  3. @TRSaddam
    lol…………….und als wirkliche Entfesselung der Wirtschaft, hat Karas in Brüssel den Auftrag
    TTIP durchzuboxen, koste es was es wolle.
    Da wird dann auch die Wirtschaft entfesselt aber anders als die Herrn der ÖVP sich das vorstellen^^

  4. Vorneweg: Es gibt kein vertrottelteres Argument, als zu sagen, woanders gibt es mehr Arbeitslose! Das ist eine klassische Idiotie, einem Proletenhirn entsprungen! Ein intelligenter Mensch orientiert sich nach Ländern mit geringerer Arbeitslosigkeit!
    Aktuell: Heute 4.8.15 9h ZiB: Mit einer Verbesserung der Konjunktur und Sinken der Arbeitslosenzahlen wird erst ab 2019 gerechnet!
    Was höre ich da heraus? Ganz einfach! 2018 sind Nationalratswahlen und die Linken sind dann sicher nicht mehr in der Regierung, bleiben aber bis dahin um jeden Preis auf ihren Sesseln picken, ohne Rücksicht auf die Bürger zu nehmen!
    Vorgezogene Neuwahlen wären ein Segen!

  5. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist in Wirklichkeit auch viel höher als von offiziellen Stellen vermeldet;
    man nimmt in Deutschland Minijobber als Beschäftigte in die Statistik auf und skizziert damit eine starke Verbesserung der Arbeitsmarktlage, was natürlich starker Unfug ist. In Wirklichkeit sieht es noch schlechter als in Österreich aus — Aber die Deutschen Eliten sind eben notorische Angeber, und kein fauler Trick ist denen zu schade. Dabei ertappt wird nur blöd gegrinst – weil öffentlicher Betrug in Deutschland neuerdings als schick und als statusbegründend gilt.

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