Festnahme Meir Ettingers. Bild: Zacharie, Rabbins pour les Droits de l'Homme

Der israelische Inlandsgeheimdienst meldet, am Montag Meir Ettinger festgenommen zu haben. Dem Juden wird vorgeworfen den Umsturz des israelischen Systems geplant zu haben. Kritiker titeln eine "Schauverhaftung".

Von Thomas Schmied

Israel kündigte an verstärkt gegen jüdischen Terrorismus vorzugehen. Nun meldet der israelische Inlandsgeheimdienst Schabak, er habe am Montag Meir Ettinger in dessen Haus in Safed verhaftet. Ettinger galt als meistgesuchter jüdischer Terrorist. Angeblich soll er eine großangelegte "Revolte" gegen Nichtjuden, sowie gegen den Staat Israel geplant haben. Das berichtet die israelische Tageszeitung "Ha’aretz".

Umsturz und eine neue Ordnung

Aus einem Manifest des 24jährigen aus dem Jahr 2013 geht hervor, dass er mittels Gewalt die israelische Regierung und alle Institutionen des Staates stürzen wolle. Zudem kündigte er darin großflächige Selbstmordanschläge gegen Nichtjuden an. In der daraus entstehenden "Anarchie" würde eine neue Ordnung geschaffen werden. Israel verhindere laut Ettinger den Bau eines Tempels. "Das hält uns davon ab, umfassende und wahrhaftige Erlösung zu finden", heißt es in seinem Manifest.

Ettinger selbst ist einer der Enkel des extremistischen Rabbis Meir Kahane. Kahane wurde 1990 bei einem Attentat in New York getötet. Der Rabbi wollte die israelische Demokratie zugunsten einer Theokratie abschaffen. Die eigens dazu gegründete Terror-Organisation "Kach", wurde in Israel verboten. Laut dem israelischen Inlandsgeheimdienst soll Ettinger bereits seit sechs Jahren den "Umsturz des Systems" geplant haben. In dieser Zeit habe er sich immer weiter radikalisiert und sei "zu einer bekannten Figur aufgestiegen", sagt der Schabak. Die Errichtung illegaler Außenposten gehen unter anderem mit auf sein Konto, heißt es. Deswegen war er bereits früher schon einmal sechs Monate inhaftiert gewesen.

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Ettinger weist Vorwurf zurück

Bereits im vergangenen Jahr versuchte der Schabak Ettinger in Verwaltungshaft zu nehmen. Generalstaatsanwalt Schai Nitzan gab dem Ersuch jedoch nicht statt. Im Gegenzug erhielt Ettinger Aufenthaltsverbot für Jerusalem und für das Westjordanland. Daraufhin zog er in die nordisraelische Stadt Safed. Spekulationen von "Ha’aretz" zur Folge droht ihm diesmal Verwaltungshaft. "Je nachdem, ob er mit den Behörden kooperiert."

Ettinger wird konkret zur Last gelegt, als Kopf einer Terrorzelle den Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha geplant zu haben. Am vergangenen Freitag wies Ettinger die Vorwürfe auf einem Blog namens "Jüdische Stimme" zurück: "Der Schabak sollte sich andere Leute suchen, die diese Rolle für die Medien spielen." Auch sein Anwalt Juwal Semer sagte, "dem Inlandsgeheimdienst gehe es mehr um sein Ansehen denn um eine echte Untersuchung."

Israel bemüht sich nach den Gewaltakten durch jüdische Extremisten in den vergangenen Tagen stärker dagegen vorzugehen. Ein orthodoxer Extremist tötete bei einem Anschlag auf eine Schwulenparade in Jerusalem ein Mädchen, ein Kleinkind verbrannte bei lebendigem Leibe durch einen Brandanschlag auf Palästinenser in einem Dorf bei Nablus. Die Regierung verurteilte die Taten scharf und erhöhte die Sicherheitsmaßnahmen. Landesweit kam es zu Kundgebungen gegen Hassverbrechen.

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