Griechenland und die “pubertäre Aufmüpfigkeit”

Pubertäre Aufmüpfigkeit – so bezeichnen unsere Vertreter der Presseorgane die vergangene Episode vom griechischen Regierungschef Tsipras, als er noch die Interessen seines Volkes durchsetzen wollte. Die Interessen, die er verteidigen wollte und die ihm schlussendlich an die Macht in Griechenland brachten.

Von Marcel Grasnick

Das Volk hatte die Nase voll von den aufgezwungenen und scheinheiligen sowie desaströsen Sparprogrammen der Troika. Ein Wechsel musste her und wurde auch vollzogen. Es wurde jemand gewählt, der versprochen hat, den gnadenlosen Raubbau an Griechenland zu beenden, die Zerstörung der Wirtschaft und den Abbau der Sozialsysteme. Hallo Griechenland, willkommen in den Fesseln Europas, willkommen in der Realität des Kapitalismus, willkommen in der Diktatur der Banken und Börsen.

Auch der griechische Regierungschef musste diese Lektion lernen. Die Lektion, dass man als einzelner Staat ohne Rückendeckung nicht gegen den Moloch Europa, gegen die Herrschaft des Kapitals antreten kann. Insofern kann man durchaus von einer pubertären Aufmüpfigkeit reden. Aber nun von einem Sommer der Anarchie zu reden (2014) ist doch etwas arg übertrieben, wie es ein Schreiberling der "Welt" tat. Ist es eine Anarchie, wenn ein Volk meint, genug ist genug?

Gewiss, Griechenland mag viele Jahre auf Pump gelebt haben. Die Griechen selbst mögen nicht den Fleiß und die Moral von uns Deutschen haben – doch das wäre ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Jedoch die Axt im Walde, im Namen der Troika geschwungen, richtet mehr Chaos und Schaden an als die Griechen selbst es in den letzten Jahrzehnten vermocht hätten. Man kann nicht in wenigen Jahren Jahrzehnte der Misswirtschaft rückgängig machen, ändern. Diese Lektion mussten wir Deutschen auf die gleiche harte Tour nach der Wiedervereinigung lernen.

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Die Frage ist nur, was hat den Gesinnungswechsel der Regierung Tsipras, trotz eines erfolgreichen Votums durch das Volk binnen weniger Tage ausgelöst? Welche fadenscheinigen Gründe gab es dafür oder war es am Ende doch Erpressung? Denn niemand ändert einfach so innerhalb weniger Tage die Richtung, auch keine Regierung.

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Die gleiche Frage stellt sich für uns Deutsche ebenso. Sollte es uns gelingen, die herrschende Koalition der Wirtschaftsinteressen-Vertreter in einer Wahl abzuwatschen und vom Thron zu stoßen, eine alternative Regierung, von welcher Seite auch immer, von welcher Art auch immer an die Spitze zu stellen. So ist dann immer noch nicht gesagt, dass diese sich dann nicht auch in den Wind der Eurokraten und Lobbyverbände drehen würden. Niemand kann vorher wissen, ob der gewählte Regierungschef, sofern einmal vorerst sicher im Sattel sitzend, dann nicht auch von der pubertären Aufmüpfigkeit abweichen würde, wie die Pressefritzen einen Wandel gerne bezeichnen.

Griechenland ist nicht nach Europa zurückgekehrt. Griechenland wurden hineingezwungen, gepresst, an Ketten liegend. Ohne jegliche Chance auf Gegenwehr. Tsipras mag da sein, wo ihn die Eurokraten (EU) haben wollen, doch gewiss nicht da, wo er sein wollte – wo die Griechen sein wollten.

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Ein Kommentar

  1. es ist nicht nachvollziehbar das alexis tsipras und seine syriza/anel regierung jetzt bemitleidet werden,den sie haben das 70 zu 30 angebot ausgeschlagen-ein angebot das es ihm ermöglicht hätte für 2,16 milliarden euro sozial und strukturprogramme zu beschliessen,er verfolgte aber nur die diktatur griechenlands über europa-er wollte die regelung das ihm das geld ohne bedinungen gegeben wird um seine unabhängigkeit innerhalb der gemeinschaft zu erlangen,aber man kann nur unabhängig sein wenn man keiner gemeinschaft angehört-es muss einmal gesagt werden das dies steuergelder sind und wenn sie für griechenland verwendet werden dann fehlen sie an anderer stelle,wenn man schulen oder strassen nicht reparieren kann weil das geld bedinungslos an griechenland vergeben wurde dann wäre es verantwortungslos auf zusagen zu verzichten-

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