Griechenland: Bankenschließung und Kapitalverkehrskontrollen zerstören die Wirtschaft

Was Zypern im Kleinen zeigte, erweist sich nun in Griechenland im Großen: Die Kapitalverkehrskontrollen verursachen mehr wirtschaftlichen Schaden als finanziellen Nutzen. Die Kosten dafür dürfen dann die Geldgeber tragen.

Von Marco Maier

60 Euro am Tag, das ist das derzeitige Limit zur Behebung von Geld bei den griechischen Banken. Überweisungen? Kaum zu bewerkstelligen. Die Kapitalverkehrskontrollen bei den Banken sorgen vor allem dafür, dass die kleinen und mittleren Unternehmen vor dem wirtschaftlichen Aus stehen.

Wie die griechische Vereinigung der Spezialisten, Handwerker und Geschäftsleute (GSEVE) in einer Umfrage bei kleinen und sehr kleinen Unternehmen zwischen dem 21. und 27. Juli erhoben hat, verbuchten 90 Prozent der befragten Unternehmen Umsatzrückgänge. 30 Prozent der Unternehmen mussten gar bis zu 70 Prozent Umsatzrückgang verkraften. Im Schnitt, so die Erhebung, lag das Minus bei rund 50 Prozent oder 3,8 Milliarden Euro.

Die finanziellen Beschränkungen sorgten dafür, dass viele der kleinen Unternehmen schließen mussten. Das wäre auch in anderen Ländern wie Deutschland oder Österreich der Fall. Jene die es machen konnten, mussten Personal kündigen, was die ohnehin schon extreme Arbeitslosigkeit in Griechenland noch weiter erhöhte. Wenn man die Mitarbeiter weder beschäftigen noch zahlen kann, muss man sie eben entlassen.

Aber auch für den Staat selbst bedeuten diese Maßnahmen erhebliche Verluste. Allein für den eigentlich recht kurzen Zeitraum der Kapitalverkehrskontrollen, die sowohl die Abhebungen als auch die Überweisungen massiv einschränken, berechnete die GSEVE einen Verlust an Einnahmen aus indirekten Steuern in Höhe von 570 Millionen Euro. Geld, welches die Regierung in Form von Krediten bei den Geldgebern holen muss, da die Ausgaben deswegen nicht weniger werden.

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Damit steht vor allem die EZB unter Zugzwang. Werden diese Beschränkungen weiter aufrecht erhalten, müssen die Gelder via Kredite an Athen ausgeglichen werden. Andererseits bleibt der EZB nichts anderes übrig, als die ELA-Kredite an die griechische Notenbank entsprechend zu erhöhen. Doch über kurz oder lang kommt es die Geldgeber billiger, der EZB mehr Spielraum zu geben, als die Zügel straff zu halten. Denn die Superreichen in Griechenland haben ihre Milliönchen und Milliarden ohnehin schon längst in Sicherheit gebracht. Die aktuellen Maßnahmen treffen vielmehr die vielen Unternehmen und somit auch die Mittelschicht.

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3 Kommentare

  1. Das habe ich mir damals schon gedacht:

    Angela Merkel verspricht blühende Landschaften im Süden Europas

    “Die Industrie wird lahm gelegt, und dafür blühen die Wiesen”

    Die Griechen – andere Südeuropäer auch – sollen die Billigheimer für die Industrie im Norden werden. Da sorgt man dafür
    1. dass die Menschen nichts zu fressen haben
    2. dann kommen sie angekrochen und arbeiten “für’ Appel und ‘n Ei”

    Angela Merkel verspricht blühende Landschaften im Süden Europas

    Verschwörungstheorie – es kommt auf die Wortwahl an

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/06/28/angela-merkel-verspricht-bluehende-landschaften-in-europa/

  2. “Kapitalverkehrskontrollen zerstören die Wirtschaft”

    Sorry aber das ist die dümmste Aussage, die ich seit Monaten gelesen habe. Und die Konkurrenz ist wirklich hart, so nebenbei.

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