Recep Tayyip Erdogan. Bild: Flickr / open Democracy CC BY-SA 2.0

Der syrische Präsident gerät immer weiter in die Defensive. Laut seinem türkischen Amtskollegen Erdogan scheint Russlands Präsident Putin nicht mehr gewillt zu sein, ihn zu unterstützen.

Von Marco Maier

Baschar al-Assad steht mit dem Rücken zur Wand. Große Teile Syriens stehen unter Kontrolle oppositioneller und fremder Gruppen, die Türkei mischt sich jetzt auch aktiv in den Konflikt ein und die USA wollen zum Schutz der "gemäßigten" Rebellen auch syrische Regierungstruppen angreifen. Der syrischen Führung fehlt es inzwischen an fast allem: Soldaten, Waffen, Material – und zunehmend an Verbündeten.

Denn wie Recep Tayyip Erdogan, der Präsident der Türkei, Medienberichten zufolge mitteilte, dürfte Assads wichtigster Verbündeter – Russlands Präsident Wladimir Putin – keine große Lust mehr haben, auf dessen Karte zu setzen. Putin "teile nicht länger die Meinung, dass Russland Assad bis zum Ende unterstützen muss. Ich denke, er kann Assad fallen lassen", sagte Erdogan auf dem Rückflug von einer Reise nach China und Indonesien.

Erst im Juni bei der Eröffnung der Europaspiele in Baku sprach Erdogan mit Putin. In Bezug auf Syrien und Russlands weitere Position zeichnet sich laut dem türkischen Präsidenten eine Kursänderung ab. "Unser Treffen in Baku und das nachfolgende Telefongespräch haben mir den Eindruck gegeben, dass er dabei ist, seine Haltung zu ändern", so Erdogan nach türkischen Medienberichten.

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Russland, welches seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat stets dafür nutzte, die syrische Regierung mittels Vetos zu schützen, scheint die sich ändernden Bedingungen zu akzeptieren. Angesichts des massiv zunehmenden Drucks tickt die Uhr für Assad ohnehin immer weiter. Er ist inzwischen ein "Diktator mit Ablaufzeit". Will er nicht so enden wie Saddam Hussein oder Muammar al-Gadaffi, wird ihm ein Exil im Iran oder in Russland nicht erspart bleiben.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow verhandelt währenddessen in Doha mit den Amerikanern, den Saudis und den Katarern über eine Friedensregelung in Syrien, im Jemen und in Libyen. Dabei dürfte der pragmatische russische Politiker vor allem darauf aus sein, für alle Seiten akzeptable Lösungen auszuarbeiten. Da die Verhandlungspartner jedoch kompromisslos an einem Sturz Assads festhalten werden, könnte Lawrow durchaus versuchen, gemeinsam mit Präsident Putin auf den syrischen Staatschef einzuwirken.

Ein brutales Ende für Baschar al-Assad, wie es sowohl Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi erlitten, wird der Kreml wohl kaum zulassen. Insofern könnten die Gespräche durchaus zu einem verbalen Abkommen führen, wonach Moskau der Führung in Damaskus eine Exit-Strategie anbietet, um so eine Befriedung Syriens zu ermöglichen.

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32 KOMMENTARE

  1. Wenn Syrien fällt, werden zu Hauf Amerikanische Truppen das Land als weiteren Aufmaschplatz für den Krieg gegen Russland nutzen.

  2. So, so, mal sehen, was passiert. Allerdings würde es mich nicht wundern, wenn Putin nun auch den Assad fallen läßt und den Wölfen zum Fraß überläßt. Er braucht Erdogan. Seine heilige strategische Kartoffel „Turk Stream“ steht oder fällt mit dem Wohlwollen Erdogans.
    Denn das eherne Prinzip russischer Politik ist seit hundert Jahren die völlige Prinzipienlosigkeit.
    Russland hat jeden verraten, der so blöd war, mit ihnen einen Vertrag zu schließen; oder sich auf Russland zu verlassen.

      • heilkräuter sind schon eine angebrachte empfehlung aber so ganz unproblematisch scheint die situation nicht zu sein. der plötzliche sinneswandel Erdogans bzgl. des vorenthalts türkischer flughäfen für nato oder us-bomber ist schlimm genug, spätestens seit diesen worten jedoch darf man von Erdogan alles erwarten – u.U. auch die nichtrealisation des blue stream projekts. 

    • "Russland hat jeden verraten, der so blöd war, mit ihnen einen Vertrag zu schließen; oder sich auf Russland zu verlassen."

      Könnten Sie mal die Verträge, an die Sie denken bei dieser Aussage, namentlich erwähnen.

      In der jüngsten Geschichte halten sich vor allem die Amerikaner an null Gesetze, sie benehmen sich, als ob es nichts, aber auch gar nichts davon gäbe. Entsprechend verhält sich der verlängerte US-Politarm EU.

      2013 war ein Jahr des Rechtsbruchs
      http://www.geolitico.de/2013/12/27/2013-war-ein-jahr-des-rechtsbruchs/

      Es gilt für die USA kein Menschenrecht, kein Völkerrecht, keine vertraglichen Einschränkungen des Waffengebrauchs (Streubomben, atomare Waffeneinsätze, Giftgaseinsätze usw.), Einmischung in innerstaatliche Angelegenheiten usw.

      Ausserdem sehen andere Seiten das Verhältnis Türkei/Russland in einem ganz anderen Licht und haben dazu auch Anderes zu berichten:

      Yildiz: Politische Gegensätze mit Moskau werden Turkish Stream nicht beeinflussen
      http://de.sputniknews.com/wirtschaft/20150804/303637740.html#ixzz3i29jxJmn
       

  3. Für Deutschland würde das die Flüchtlingswelle noch weiter verstärken. Wenn Asad fällt werden die Amerikaner einen weiteren gescheiterten Staat produzieren, in dem es weder Sicherheit noch Perspektive gibt.

  4. Reines Wunschdenken Erdogans! Fällt die syrische Front, werden die IS-Terroristen als nächstes zu Zehntausenden im Nordkaukasus auftauchen und gegen Russland kämpfen, mit aktiver Unterstützung von Erdogan versteht sich. Erdogan wird sich an Syrien noch die Zähne ausbeißen. Kritischer ist die Haltung des Irans anzusehen, der sich vom Westen hat über den Tische ziehen lassen.

  5. Erdogan ist die US-Figur mit folgender Rolle:

    „Russland an die Quelle führen und kein Wasser geben“

    Meines Erachtens:
    Turkish Stream ist von Anfang an eine Finte, um russische Ressourcen zu verbrauchen

  6. Der Autor ist der neuesten Westpropaganda voll auf den Leim gegangen. Erdogan ist in den Augen der NATO Strategen ein Hasardeur. Er plante mit den Russen Gasleitungen durch sein Land und wollte sogar unlängst in China Waffen kaufen – das ging nun den Pfeffersäcken in Washington wirklich zu weit. Deshalb wurde ihm gesagt, dass er die Wahl hätte: a) den türkischen Luftraum für amerikanische Kampfflugzeuge zu öffnen und b) das Projekt >turkish stream< nicht zu realisieren. Wenn er nicht brav täte was man ihm sagt, würde man ihn aus der NATO werfen. – Das will er nun aber auch wieder nicht, denn er weiß, dass das sogar für ihn persönlich lebensgefährlich wäre.

    Der Artikel hat den Horizont einer knienden Ameise. – Wie sich der Krieg in Syrien weiter entwickelt, kann man heute noch gar nicht erahnen. Russland kann seine Interessen in Syrien zur Zeit gar nicht aufgeben. Im Gegenteil – Erdogans Position ist eher unbestimmt.

    • @Eckart

      Das denke ich auch.

      Erdogan wurde von den USA gezwungen, eine Kehrtwende seiner Politik gegenüber den Kurden und den Russen zu machen. Denn Erdogan gleitete so langsam bewusst in die russische Macht- und Einflussspäre hinein, in der er wohl auch eine prosperierende Zukunft der Türkei sah.

      "Es überrascht nicht, dass Recep Tayyip Erdoğan am 24. Juli ein Ultimatum von Präsident Obama erhielt, das ihm vorschreibt
       auf die russische Pipeline sofort zu verzichten;
       seine Unterstützung für Daesh (ISIS) – dessen Chef er hinter dem Kalifen Abou Bakr al-Baghdadi ist – einzustellen und gegen ihn in den Krieg zu ziehen."

      Clinton, Juppé, Erdoğan, Daesh und die PKK
      http://www.voltairenet.org/article188340.html

      Das Türkisch-Stream-Projekt unterbrochen
      http://www.voltairenet.org/article188357.html

       

       

       

      • wenn man also für das nichtstun bzw. blosse gasdurchfliessen mehrere mio. euronen / anno bekommt, gleitet man in die macht- bzw. einflussphäre des russischen agressors ein. ganz anders, als wenn man bspw. die us-externen military bases aus seiner eigenen tasche finanziert, denn das geschieht ja aus der eigenen, freien entscheidung heraus und zeugt damit umso mehr von vollständiger souveränität – bravo! 

        mit voltairenet bzw. dem oder denen, die dahinterstehen, sollte man sich aber einen kleinen tick länger auseinandersetzen – möglichst vor dem verbreiten der links dieser plattform.  

        • Sie reden in Rätseln. Werden Sie präziser und deutlicher mit ihren verschwommenen Angaben. Andeutungen und Seitenhiebe sind keine guten Argumente.

  7. für so ein Komentar,habe ich ich keine Interesse zu lesen,aber gehe mal zurück von 1956 bis Heute was Syrien und UDSSR auch nun klar heute Rusland miteinandern auf die Weltpolitik zu tun hatten.es ist nichts neues was da heute passiert.

    • Es geht nur um die Information, dass Erdogan (immerhin ein wichtiger Mitspieler in dieser Region) solche Äußerungen getätigt hat. Soll man dies verschweigen, oder aufzeigen, wie sehr Erdogans Äußerungen dann doch nicht der Realität entsprechen? Auf entsprechende Äußerungen Lawrows bin ich in einem nachfolgenden Artikel eingegangen.

      • Wenn Sie nur eine Seite in diesem Machtpoker darstellen und die dazugehörigen provokativen Äusserungen noch unterstrichen im Titel nach aussen verbreiten, dann berichten Sie tendenziös. Dazu hätten Sie auch die russische Seite bringen müssen. Das haben Sie aber bewusst nicht getan, nicht einmal diese eventuelle Haltung fragend eingeflochten. Solches Verhalten sind Sie als Journalist einem Thema und der Leserschaft schuldig.  

        • "hören sie auf das zu schreiben, was nicht in user zionistisch geprägtes weltbild passt". again – bravo! nein – standing ovations!

          • Wieder so eine angedeutete Aussage! Was soll das? Wenn Sie sich nicht klar und präzise ausdrücken wollen und sich gerne hinter Ihren erklärungsbedürftigen Satzkonstrukten verstecken, dann lassen Sie doch das Kommentieren. So wird ja keine schlau aus Ihrem Geschreibe, das zum Schluss nichts als Energie- und Zeitverschwendung darstellt.

          • nicht ganz aus meiner schreibe, mehr aus ihren anschuldigungen, forderungen und erinnerungen daran, was man seinem auditorium schudig ist. aber gut – ich präziere:

            -wer ist wo eingeritten, wer hst wen umzingelt, wer setzt einseitig grundlegende verträge ausserkraft und – letztendlich – wer korrumpiert fortlaufend in aller welt seine komplizen?

            -wer ist GEZWUNGEN seine (im ausland lebenden) staatsangehörigen zu valutaresidenten zu machen, sobald sie ins inland einreisen, da / weil / unabhängig davon, dass im ausland rechtswidrig kapital eingefrorenen (im hinblick auf die "tragfähigkeit" der währung – irrelevant) wird? 

            -wer hebt das rentenalter der inländer erst nach beginn der "russlandisolation" an?

            -wer davor?

            -und – wie viele jahre davor? 

            -versucht irgend jemand uncle sam sich irgendwas, was ihm gehört wegzunehmen? oder seine verbündeten gegen ihn aufzuhetzen? versucht irgendwer überhaupt irgendeine art der einflussnahme auf us-seits in irgendeiner form (bereits) "erschlossene" interessefelder? 

            was für ein machtpoker?

            gegen wen pokert der russe? 

            und, bitte, was soll es im jackpot so grossartiges zu gewinnen geben? 

            unklar ist einzig, was genau konkret sie vom autor wollen oder erwarten.

            sofern also eine reaktion auf ihre implementierte forderung seine arbeit ordentlich zu machen keine – und insbesondere die ihrerseits erwünschte – ausbleibt, so muss es nicht unbedingt daran liegen, dass autorseits nicht erwünscht ist. es fehlt möglicherweise nur die ihrerseits vorenthaltene möglichkeit, sinnvoll auf ihre kritik einzugehen. 

    • Sie sollten nicht nur klarer schreiben, sondern auch besseres Deutsch lernen. Ihre Texte sind schwer leserlich, weil sie auch oft grammatikalisch unsauber sind.

      • immerhin habe ich es geschafft, ihre wertvolle aufmerksamkeit von der "schlechten recherche" zum "syrienkrieg" auf meine geringfügigkeit zu lenken. 

        dass das dahingehende verständnis gen 0 tendiert basiert zum einen auf hinweisen, die nicht in ihr bild passen, zum anderen auf der fehlenden möglichkeit meine fragen zu beantworten, ohne dabei sich selbst zu widersprechen. auch wenn meinerseits stellenweise grammatisch unsauber – durch originalität konnten sie sich hier von der grossen masse der lohnschreiber und -kommentatoren nicht hervorheben.

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