Eine Portion Realismus gefällig?

Wenn man sich das Geschwafel und Verhalten unserer "Interessenvertreter" in Berlin anhört und ansieht, entsteht durchaus der gelegentliche Eindruck, sie würden in einer Scheinwelt, fernab jedweder Realität leben und bräuchten einen kleinen Anstoß, um wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Ein wenig Abstand von ihrer heilen und abgeschirmten Welt in Berlin. Aber auch die Abgeordneten diverser Städte- und Länderparlamente bräuchten diese Kur.

Von Marcel Grasnick

Als Anfang wäre in dem Sinne ein kleiner Ausflug in die Arbeitswelt zu nennen. Nicht viel, nicht lange. Für jeden Abgeordneten ein zweiwöchiges Betriebspraktikum. Und zwar nicht in irgendeiner Verwaltung, Versicherung oder Bank (wo sie sich schon eh ständig rumtreiben), sondern so richtig und wahrhaftig in einem kleineren, mittelständischen Handwerksbetrieb. Als Handlanger vom Dienst, ohne jedwede Rücksicht auf den Status, ohne jedwede Schonung – mit allen Pflichten. Ich persönlich würde den Job einer Küchenhilfe favorisieren. Oder Pflegekraft im Altersheim. Dann würden sie zumindest zwei Wochen im Jahr was wirklich sinnvolles tun. Natürlich wäre das auch möglich im Sinne ihrer Spezifikation, das heisst, ein Sozialminister eben in diesem Bereich.

Als weiterer Anreiz waren die Bezüge zu nennen. Die Abgeordneten wurden für die Zeit ihres Praktikums eben auch die Bezüge der jeweiligen Arbeit entsprechend verdienen und müssten mit diesen auskommen. So einmal im Rahmen des hochgelobten gesetzlichen Mindestlohnes zu arbeiten dürfte sicherlich einigen die Augen öffnen. Selbstredend natürlich unabhängig vom Alter – schließlich haben die meisten ja für die Rente ab 67 gestimmt.

Für diese Zeit angemessen wäre natürlich die entsprechende Wohnung in entsprechender Lage, ein sozialer Brennpunkt wäre ein passender Vorschlag. Zu den gleichen Konditionen, die jeder normale Mensch ertragen muss.

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Eine Kur in Form des Lebens der einfachen Menschen, über die selbstgefällig geherrscht wird, fern jedweder Realität. Bei einigen mag es durchaus anschlagen, beim Grossteil jedoch nicht. Zu schnell würden sie wieder in die alten Verhaltensmuster fallen, die Beziehungen zu Konzernen und Think Tanks pflegen, wo wieder in ewiger Gleichtönigkeit die alte Leier gespielt wird.

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Manches Mal hat man wirklich das Bedürfnis, sie für einen Augenblick von ihrem hohem Ross aus ihrer Scheinwelt zu holen.

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2 Kommentare

  1. Die Idee gefällt mir sehr gut! Man sollte sogar einen Schritt weiter gehen: Politiker darf nur werden, wer mindestens 4 Jahre lang einen “Normalen” Job zu üblichen Konditionen gemacht hat.
    Politiker auf Lebenszeit abschafffen! Maximal 2 Legislaturperioden und danach 10 Jahre lang absolutes Verbot einen Job anzunehmen, der auch nur im entferntesten was mit staatl. Aufträgen zu tun hat!
    Bevölkerung hat über Gehalt und Pensionsansprüche von Politikern zu entscheiden! Immerhin sind das unsere Angestellten.
    Wer Mist baut, korrupt ist oder freunderlwirtschaftet, muss sich von einem Volkstribunal verantworten – selbstverständlich haften Politiker mit ihrem Privatvermögen.
    usw….
    Wunschkonzert, korrupte Drecksbande!

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