Es ist ein Anblick an den man sich nicht gewöhnen kann, obwohl er sich jedes Jahr wiederholt und fast schon „normal“ ist. Die Rede ist von Waldbränden, die in Zeiten großer Hitze und Trockenheit infernale Ausmaße annehmen. Doch das Land brennt auch an anderer Stelle. Die „soziale Friedenstaube“ ist schon knusperig gebraten und so haben die über 2 Millionen (20 Prozent der Bevölkerung) hungernden, unter der Armutsgrenze vegetierenden Portugiesen etwas zu essen, wenn sie einen Platz in einer der überfüllten Einrichtungen bekommen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Menschen haben Angst um ihre Habe und selbst um ihr Leben. Zumindest die, die noch etwas besitzen und denen die Banken oder das Finanzamt noch nicht alles genommen haben. Zu allem Übel stehen Portugals Wälder jetzt auch noch in Flammen. Nicht nur die Hitze, große Trockenheit und starken Winde erschweren die Arbeit der Feuerwehr. Der heißeste Sommer dieses Jahrtausends trifft auch noch ein Land in Mitten einer Krise. Es mangelt an Geld und somit auch an Mitteln zu einer erfolgreichen und schnellen Brandbekämpfung, wie zum Beispiel Löschflugzeuge und Hubschrauber. Zwar wurden einige Feuerwehren vor zwei Jahren mit brandfester Bekleidung ausgestattet, aber es fehlt immer noch an Ausrüstung und gut ausgebildetem Personal.

Die Prävention wurde ebenso vernachlässigt. Die Menschen haben kein Geld und keine Kraft um ihre Grundstücke von Müll und Gestrüpp freizuhalten. Der Staat tut auch nicht das Nötige und die wenigen Arbeitslosen die diese Aufgabe aufgezwungen bekommen haben, sind nicht sonderlich motiviert, da sie noch nicht einmal den Mindestlohn bekommen. Die Brandstiftung ist ebenso ein Problem, hinter dem nicht selten Spekulanten stecken, die sich die Baugenehmigung hinterher mit einem kleinem Geschenk für den zuständigen Bürgermeister erkaufen. Doch meistens ist es Fahrlässigkeit wie Feuerwerk, dass zu den Dorffesten trotz Verbote und Einschränkungen unachtsam gehandhabt wird oder die übliche Zigarettenkippe.

Nicht außer Acht zu lassen ist die „Plage de Mittelmeeres“ – der Eukalyptus. Landwirtschaftsministerin Assunção Cristas hat dem Druck der Papierindustrie nachgegeben und das Anpflanzen der aus Australien stammenden Baumart wieder gestattet. Dies ist an Unvernunft nicht zu überbieten. An dieser Stelle frage ich mich, wo die EU ist, die doch sonst so viele Umweltauflagen vorschreibt? Der Eukalyptus entzieht dem Boden Wasser und senkt den Grundwasserspiegel. Die Öle, die wir so gerne verwenden weil sie gut riechen und uns frei durchatmen lassen, fachen das Feuer an und drei Tage nach einem Brand sprießt wieder das erste Grün unter der verkohlten Rinde des Eukalyptus hervor, der jetzt keine Konkurrenz mehr hat.

Schön wäre es, wenn sich Portugal genauso schnell erholen würde. Doch auch wenn die Regierung mit Unterstützung aus Brüssel und Berlin einen Aufschwung propagiert, die Realität sieht anders aus. Die Proteste machen seit über vier Jahren keine Pause und warten nicht geduldig auf die Wahlen im Oktober. Im Gegenteil, sie werden immer lauter und aggressiver. Allen voran die geprellten Kunden der Pleitebank BES, die jetzt wieder verkauft werden soll. Noch kam es nur zu kleineren Zwischenfällen, da die meisten BES-Kunden Rentner sind oder zumindest über 50 Jahre alt. Das war, neben den Emigranten die jetzt ihren Urlaub mit protestieren verbringen, die bevorzugte Zielgruppe eines riesigen Bankenbetrugs. Die Menschen fordern jetzt Gerechtigkeit und sie werden zu anderen Mitteln greifen, wenn die chinesische Anbang die Bank übernehmen sollte, ohne den Leuten ihr Geld zurückzugeben. Die Polizei ist jedenfalls darauf vorbereitet, dass es zu Gewaltausbrüchen kommt.

Nun ja, wenn die Polizei nicht einfach zusieht, da sie selbst in Protest ist. Die Sicherheitsdienste wurden nicht geschont als die Regierung die Auflagen der Troika, die Staatsbediensteten betreffend, voller Tatendrang noch übertraf. Seit der Großdemo 2013, bei der sich Polizisten ihren Kollegen widersetzten und die Treppe zum Parlament stürmten (als Warnung, das nächste mal einen Schritt weiter zu gehen), sind die meisten Zusagen des Innenministeriums noch nicht erfüllt worden. Doch die Lage in dem Land, dass traditionell im August „für Ferien geschlossen“ hat, ist alles andere als rosig. Auf den ersten Blick sieht der Urlauber – und wenigstens die sorgen für einen positiven Anstoß der Wirtschaftsleistung – ein Land, dass den Urlaub geniest, feiert und Spaß hat. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig.

So sehen die Menschen wie ihre Nachbarn den Strom abgestellt bekommen, auswandern, die Suppenküchen aufsuchen oder sogar in den Mülltonnen nach Essen suchen. Von der Regierung hören sie im Kontrast dazu, wie gut es doch läuft, was für gute Zahlen sie doch vorweisen können und das alles noch besser wird, sollte man sie für weitere vier Jahre Wählen.

Merkel und Schäuble loben dieses in Flammen stehende Land, als glänzendes Beispiel ihrer Politik und erwähnen dabei nicht die 2 Millionen Portugiesen (20 Prozent), die unter der Armutsgrenze ihr Leben fristen und deren Kinder (jedes dritte) nur mangelhaft ernährt sind. Auch die Medien in Deutschland sehen nur die brennenden Wälder und vergessen auch über die 550.000 Portugiesen zu berichten, die das Land in den letzten 4 Jahren verlassen mussten. Aber die gut ausgebildeten Fachkräfte aus Lusitania sind, im Gegensatz zu den Mittelmeerflüchtlingen, durchaus willkommen. Das diese Leute ihrem Land fehlen scheint Niemanden zu interessieren.

Wenn ich also nachts aus dem Fenster schaue und das leuchtende Flammenmeer auf den umliegenden Hügeln sehe, den Rauch von brennenden Eukalyptus rieche und die Löschzüge Tag und Nacht an mir vorbeirauschen, dann muss ich zwangsläufig auch an die anderen Brände denken. Die Seele der auseinander gerissenen Familien der Auswanderer. Die Wut der um ihr Geld gebrachten, betrogenen BES-Kunden, die fassungslos sind, dass die Bankster sie um die Ersparnisse eines harten Arbeitslebens gebracht haben und die von ihrer Regierung Hilfe erwartet hätten. Doch am größten ist das Feuer, dass in den Herzen der vielen Menschen brennt, die in eine seit 40 Jahren nicht erlebte Armut abgerutscht sind und von einem gut gelauntem Premierminister Pedro Passos Coelho im Urlaub an der Algarve hören, wie gut es Portugal doch wieder geht und sehr sich diese vier Jahre Austerität doch gelohnt haben. Millionen wünschen ihn und die ganze Pro-Austerität Politikergesellschaft in diesem Moment, sie mögen zur Hölle, oder besser noch, Dantes Inferno fahren.

4 KOMMENTARE

  1. Ich hätte mir gewünscht, daß der Verfasser mal die portugiesische Parteienlandschaft vor der Wahl im Oktober durchleuchtet!

  2. Auch wir werden Portugal!
    Wartet, wartet nur ein Weilchen,
    Dann blüht uns das gleiche Glück!
    Das alles fällt nicht vom Himmel. Griechenland und Portugal sind nur Vorreiter. Dabei sind diese Länder prinzipiell besser dran als wir 1945. Aber auch 10 Jahre später wird es dort nicht besser gehen. Woran das bloß liegt?

  3. Ich gebe zu bedenken, was mir der Autor Hans-Joachim Zillmer am 2. August 2015 auf Anfrage geantwortet hat:

    „Methanausgasungen finden andauernd fast überall quasi unbeachtet statt.

    Es gibt verschiedene Ausprägungen, je nachdem ob Methan durch enge bzw. schmale Spalten getrieben wird, was in einer Verpuffung endet oder durch breitere: Dabei kommt es kaum zur Bildung einer Stoßwelle. Bei einer heftigen Explosion, die wie eine Detonation gehört werden kann, werden Explosionsgeschwindigkeiten von vielleicht etwa 1 km/s erreicht. Diese Geschwindigkeit liegt höher als die Schallgeschwindigkeit.

    Begleitet kann diese werden durch elektrische Entladungen, die Blitze oder andere energetische Erscheinungen hervorrufen.

    Falls es im Untergrund „rumpelt“, als wenn eine Decke plötzlich einbricht, dann sind dies Weltenbeben, weil der „Deckel“ einer Stockwerksbereich im Untergrund einbricht, weil diese dem Porendruck im Gefüge über dem Stockwerksbereich nicht mehr standhält, siehe ausführlich Der Energie-Irrtum.

    Für diesen Fall gibt es durchaus unterirdische Entladungen bzw. Blitze.

    Übrigens werden in den USA Waldbrände auch auf diese Art oft verursacht. Man spricht dann oft von Menschen verursacht, weil man es nicht besser wissen will. Auslöser sind eben oft Ausgasungen mit elektrischen Entladungen. Die meisten gro0en Waldbrände liegen in Gebieten mit Kohlenwasserstoffen im Untergrund. Auch die Tunguska-Katastrophe sollte eine Kohlenwasserstoff-Explosion gewesen sein, die sich schon Tage vorher durch atmosphärische Erscheinungen und Blitze ankündigte, was bei einer oberirdischen Explosion gleich welcher Art nicht passieren kann.“

    Ausführliches finden geneigte Leser in seinem Buch „Der Energie-Irrtum“.

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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