BES-Kunden – Portugalurlaub zwischen Strand, Grillabend und Protestaktionen

Im August ist in Portugals Tourismushochburgen Hauptsaison. Traditionell legen viele Portugiesen ihren Urlaub in diese Zeit, so dass sich die Familien mit ihren im Ausland tätigen Angehörigen treffen können. Viele haben in ihrem Urlaub aber eine eher ungewöhnliche Agenda. Sie nutzen die Zeit zum protestieren und fordern gemeinsam mit ihren in Portugal ansässigen Leidensgenossen das Geld zurück, welches ihnen gestohlen wurde.

Von Rui Filipe Gutschmied

Die Leute haben die Schnauze voll und ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Lügen und Betrügereien der Mächtigen hat sich in den Köpfen der Betrugsopfer installiert. Doch würden sie nicht protestieren, wenn es sich um einen reinen Betrugsfall handeln würde. Aber wenn tausende von ihrer Hausbank über den Tisch gezogen werden, die Portugiesische Zentralbank, die Regierung und andere Institutionen den Betrügern den Rücken stärken, dann reicht der Kampf vor Gericht nicht aus. Es ist ein politisches Problem und in Zeiten des Vorwahlkampfes kann der Protest tatsächlich zum Erfolg führen. Was sollen die Menschen denn sonst machen, um ihre Ersparnisse zurückzuerhalten?

Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als so lautstark wie möglich zu protestieren. Sie hoffen so nicht nur den Wahlkampf zu stören, sondern auch den Wiederprivatisierungsprozess zu verzögern. Gegenüber den drei Konsortien, der US-Amerikanischen Apollo, den Chinesen der Fosun und der ebenfalls chinesischem Anbang, die bislang das beste Angebot machte, geben sich die Protestierenden kämpferisch. Sie stellen klar, dass sie das Geld auch von einem neuem Eigentümer einfordern werden, da diese „das uns geschuldete Geld mit kaufen“.  So sind die etwa 3.000 Menschen die dort protestieren Politikern wie Geschäftsleuten ein ziemlicher Klotz am Bein.

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Doch es scheint so, als würden noch andere Interessen eine Rolle spielen, die dafür sorgen, dass Druck auf die Banco de Portugal und die Regierung ausgeübt wird. Das beste Angebot – wie gesagt der chinesischen Versicherungsgesellschaft Anbang – liegt bei 3,5 Milliarden Euro und damit 1,4 Milliarden Euro unter dem, was der portugiesische Staat in die Rettung der BES gesteckt hat. Ein Fonds, in den die übrigen portugiesischen Banken anteilig eingezahlt haben, soll für diese Differenz herhalten, was das eh schon labile Bankensystem des Landes in Schieflage bringt und somit eine Kettenreaktion zur Folge hätte. Das viel zu niedrige Angebot wird unter anderem auch den Protesten und dem schlechtem Ruf der Angestellten zugeschrieben, die laut Protestorganisationen wie den „Indignados do BES“ oder den „Lesados do Novo Banco“, „…uns absichtlich und mit Weisung von oben belogen und betrogen haben!“, nicht das Vertrauen der Kunden verdienen.

So machen Portugals und auch Europas Banker Druck, das Problem mit diesen gut organisierten Demonstranten zu lösen und den Privatisierungsprozess auf die nächste Legislaturperiode zu verschieben. Die Regierung Passos Coelho ist natürlich dagegen, und wird alles tun, um diese heiße Kartoffel weiterzureichen, aber die „Kommissionen“ noch schnell einzustreichen bevor womöglich noch die Sozialisten an die Macht kommen. Die Eile der verantwortlichen, allen voran dem Gouverneur der Banco de Portugal, Carlos Costa, und dem Regierungschef, Passos Coelho, ist laut „Lesados“ dem Schmiergeld und den bevorstehenden Wahlen zu verdanken.

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Doch wollen sich die Geschädigten nicht nur auf die Proteste verlassen und gehen auch den Weg über die Justiz. In Portugal mahlen die Mühlen der Justiz recht langsam und so hat man neben den hiesigen Klagen und Einstweiligen Verfügungen auch den Europäischen Gerichtshof bemüht. Die im Ausland lebenden Portugiesen, die ihre Ersparnisse der BES anvertraut hatten, haben ebenso in ihren Gastländern Klage eingereicht. Doch die Banker haben eine Heerschar von Anwälten, die diese Bemühungen sehr erschweren. Hätte Portugal eine vernünftige Regierung, so hätten die Menschen schon längst ihr Geld zurück bekommen.

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Aber es ist ein korrupter Haufen, der nur die Interessen der Banker vertritt und dessen Inkompetenz Konsortien wie die Anbang nutzen, um ein Schnäppchen zu machen. Das geht natürlich auf Kosten des Steuerzahlers, der ja ursprünglich nicht dafür gerade stehen sollte, denn die Banken holen sich die 1,4 Millarden Euro von ihren Kunden und die Caixa Geral de Depositos ist als staatliche Bank Hauptträger des Bankenfonds. Bleiben noch die Betrogenen, die weiter protestieren werden und deren Geduld bald ein Ende hat. Eine Frage der Zeit bis die BEStohlenen BES Kunden Gewalt anwenden, da ihnen die Ersparnisse eines harten Arbeitslebens geraubt wurden. Ich hoffe natürlich, dass dies nicht nötig sein wird.

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