Diesmal ist die private Schnüffelfirma HackingTeam aus Mailand im Visier der Whistleblower. Mehr als eine Million E-Mails dieser Firma sind nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Menschenrechtsorganisationen fordern Konsequenzen, da die Firma auch an Diktaturen wie den Sudan ihre Software bereitstellte.

Von Christian Saarländer

Wieder einmal wird klar, dass nicht nur staatliche Agenturen wie NSA, BND oder die amerikanische Drogenbehörde DEA die Zivilbevölkerung ausspioniert, sondern auch private Firmen daran beteilligt sind. Auf WikiLeaks sind nun weit über eine Million E-Mails der Schnüffelfirma zugänglich.

„Totale Kontrolle über ihre Ziele“, so wirbt das italienische Unternehmen auf seiner Website. Neben den USA, wo beispielsweise auch das FBI ein Großkunde ist, werden die Dienste auch an den Sudan verkauft. Der CEO der Firma nimmt die Leaks anscheinend noch gelassen.

Von solchen Unternehmen gibt es auch genügend in Deutschland und es ist auch kein Novum, dass diese ihre Dienste seit jahren weltweit anbieten. Eine Spiegel-Reportage aus dem Jahre 2011 dokumentiert es treffend.

WikiLeaks veröffentlichte letztes Jahre zudem den vierten Teil der SpyFiles (https://wikileaks.org/the-spyfiles.html), wo man die die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und privaten Firmen einsehen konnte. Whistleblower Edward Snowden arbeitete vor seinen Enthüllungen ebenfalls für eine private Firma.

Im Fokus stand damals die Firma Gamma aus München, die mit der Spionagesoftware FinFisher von sich reden machte. Mittels Trojaner wurden Computer und Handys überwacht, ausgehorcht und Datensätze an den Softwarebesitzer gesendet.

Die Firma HackingTeam hat nach den Leaks ihren Kunden empfohlen, die Überwachungssoftware vorerst nicht mehr zu nutzen. Die Firma könnte wie Reporter ohne Grenzen vermeldet auch gegen das UN-Waffenembargo verstoßen haben. Grund hierfür ist die Lieferung von Spyware an den Geheimdienst Sudans.

Zudem sind die E-Mails möglicherweise auch im Hinblick auf die Saudi-Cables, welche WikiLeaks vor drei Wochen veröffentlichte, interessant. Insgesamt lassen sich ohnehin die verschiedenen Leaks miteinander verknüpfen, weil sich Zusammenhänge immer wieder ergeben. Wer wundert sich noch, dass der Special Collection Service (SCS) ausgerechnet in Deutschland und Italien einen Sitz hat?

Hier bieten sich die genannten SpyFiles an, welche ab 2011 veröffentlicht wurden. Einen Überblick über die vierteilige Serie bietet diese Seite (https://wikileaks.silk.co) an, welche die WikiLeaks-Enthüllung analysierte. Nicht-kommerzielle Hacker begrüßen die Leaks, da die Firma nun so gläsern wurde wie ihre Ziele.

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