USA: Schieferöl-Kreditblase – wann platzt sie?

Schon seit Monaten kämpfen die Schieferöl-Produzenten in den USA mit den extrem niedrigen Ölpreisen. Die Geldgeber werden zunehmend nervös und verlangen zweistellige Renditen für Anleihen. Platzt die Blase, wird das ein Billionen-Dollar-Desaster.

Von Marco Maier

Es sind Milliardensummen, die inzwischen in Form von Krediten auf den Schieferöl-Produzenten lasten. Die kostenintensive Förderung, die sich anfangs noch wegen der hohen Ölpreise lohnte, verursacht nun schon seit Monaten nur noch eine Anhäufung von Schuldenbergen. Dabei regierte lange Zeit das "Prinzip Hoffnung". Die Hoffnung darauf, dass das Preisniveau wieder anziehen würde.

Doch ein Blick auf den Weltmarkt zeigt: Niemand will die Förderung drosseln, auch wenn sich so massive Verluste ansammeln. Zu groß ist die Angst, dass sich andere Ölproduzenten nicht an einen Deal halten und die Verluste dadurch noch größer werden. Und nun, mit der Einigung im Atomstreit, kommt auch der Iran wieder auf den Weltmarkt zurück, was den Ölpreis wieder nach unten drückt.

Für die Wall Street, die den Schieferöl-Boom jahrelang finanzierte, ist die aktuelle Lage ein schier hoffnungsloses Dilemma. Denn wenn der Geldzufluss ausbleibt, gehen die Produzenten in Konkurs und die vielen Milliarden an Dollar sind verloren. Pumpt man jedoch noch mehr Geld in die Ölfirmen, wird die Blase noch weiter aufgepumpt und die Verluste werden noch größer. Denn ein Anstieg des Ölpreises auf ein rentables Niveau dürfte noch lange Zeit auf sich warten lassen.

Dennoch konnten die Ölfirmen allein im ersten Halbjahr dieses Jahres rund 44 Milliarden Dollar mittels der Ausgabe von Anleihen oder Aktien lukrieren – das ist die höchste Summe seit 2007. Allerdings zahlen sie vor allem für die Anleihen einen hohen Preis: zweistellige Renditen sind keine Seltenheit mehr. Doch wie sollen diese verdient werden, wenn der laufende Betrieb schon mehr kostet als durch den Verkauf erlöst werden kann?

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Insgesamt, so Schätzungen, belaufen sich die Außenstände der Branche in Form von Anleihen und Krediten inzwischen schon in einem hohen dreistelligen Milliardenbereich. Im Grunde genommen ist die Fracking-Industrie damit quasi das "amerikanische Griechenland", welches die Finanzbranche gewaltig in die Bredouille bringt. Platzt die Blase, geht der Schaden wohl – auch Dank der Kreditausfallversicherungen – in die Billionen. Die Frage lautet nun längst nicht mehr, ob diese Blase platzen wird, sondern vielmehr nur noch wann sie platzt. Und das könnte schon in spätestens 1-2 Jahren der Fall sein.

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Ein Kommentar

  1. "USA: Schieferöl-Kreditblase – wann platzt sie?" Spätestens dann, wenn die Russen ihre Staatsschulden in Yuan deklarieren, statt in US-Dollar und die Chinesen die restlichen gewinnbringenden US-Firmen mit dem manipulierten US-$, von dem sie Unmengen haben, aufkaufen, sowie private chinesische Investoren zunehmend die USA aufkaufen.

     

    Russland: Schlag gegen das Dollar-System
    http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/23832-Russland-Schlag-gegen-das-Dollar-System.html

    Chinesischer Investitionsboom in den USA
    http://www.srf.ch/news/international/chinesischer-investitionsboom-in-den-usa

     

     

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