Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie (l.) und Peter Altmaier, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes, vor einer Kabinettssitzung. © 2015 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Innerhalb der Eurozone ist ein Streit um die Schulden Griechenlands ausgebrochen. Deutschland spielt dabei den Oberlehrer. Doch die deutschen Staatsfinanzen stehen selbst auf wackligen Beinen. Die Zeitbombe tickt auch hier.

Von Marco Maier

Ja es stimmt, Griechenland ist hoffnungslos überschuldet. Und ja, es stimmt auch, dass sowohl "die Griechen" (im Sinne der griechischen Kleptokratie) und vor allem die ganzen Renditegeier der Finanzmärkte eine große Verantwortung dafür tragen. Aber auch die EU-Politiker sind nicht unschuldig an der Entwicklung, die das Land seit 2008 im finanziellen Würgegriff hält. Denn sie haben vor allem seit dem Euro-Beitritt Griechenlands jene Rahmenbedingungen geschaffen, die zum Bail-out der Finanzindustrie durch die Steuerzahler führte. Die harte Linie der "Troika" ist somit lediglich ein Austruck des Frustes über das eigene politische Versagen.

Doch nicht nur Griechenland oder die anderen "Sorgenkinder" der Eurozone wie Italien, Frankreich, Irland, Spanien oder Portugal erweisen sich als Sollbruchstellen des Euro-Regimes. Faktisch alle EU-Staaten (bis auf jene Osteuropas) hatten schon vor 2008 gewaltige Schuldenberge, die im Zuge der "Eurorettung" (besser: Rettung der Finanzindustrie) der letzten Jahre immer größer wurden. Auch Deutschland ist da gar keine Ausnahme.

Der deutsche Staat (Bund, Länder & Gemeinden) hatte beispielsweise im Jahr 2012 laut Bundesbank Zinsausgaben in Höhe von 69 Milliarden Euro zu tragen. Bei einer damaligen Gesamtverschuldung von 2.166 Milliarden Euro macht dies einen durchschnittlichen Zinssatz 3,19 Prozent aus. Die gesamten öffentlichen Ausgaben beliefen sich 2012 auf 774,7 Milliarden Euro, wodurch allein der Zinsdienst 8,91 Prozent der öffentlichen Ausgaben beanspruchte. Bis zum heutigen Tag hat sich daran trotz des historisch gesehen extrem niedrigen Zinsniveaus zur Refinanzierung der auslaufender Anleihen und Kredite nicht wesentlich etwas geändert.

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Denn auch wenn der Gesamthaushalt von Bund, Ländern und Kommunen im Jahr 2014 einen Überschuss von 3,3 Milliarden Euro (bei Ausgaben von 792,7 und Einnahmen von 795,9 Milliarden Euro) lag, so hätte dieser ohne Zinskosten bei über 70 Milliarden Euro liegen können. Das heißt: Ohne diese Schuldenlast von 2,2 Billionen Euro wären sogar umfangreiche Investitionen in die zerfallende Infrastruktur und eine Sicherung des sozialen Netzes möglich gewesen.

Zwar sorgen lange Laufzeiten von bis zu 10 Jahren bei den Anleihen und Krediten dafür, dass der Schuldendienst an und für sich recht überschaubar bleibt, doch das Zinsniveau wird wieder ansteigen. Das heißt: Über kurz oder lang werden die Zinskosten auch für Deutschland wieder steigen und damit – außer man kompensiert dies über Einsparungen in den Ministerien oder über höhere Steuereinnahmen – auch die Steuerzahler belasten.

Deutschland spielt sich zwar als "Musterschüler" auf, doch im Prinzip ist dies nur eine goldene Fassade, die das morsche Gebälk hinter beschönigenden Zahlen versteckt. Andere Länder wie Österreich oder die Niederlande versuchen das gleiche Spiel, wobei deren Fundamentaldaten noch schlechter sind. Im Endeffekt sitzen wir alle nur auf einer tickenden finanziellen Zeitbombe, die uns irgendwann um die Ohren fliegt. Ein paar Milliarden Euro mehr oder weniger führ Griechenland ändern daran auch nichts mehr. Auch wenn das ein Wolfgang Schäuble oder eine Angela Merkel nicht wahrhaben wollen.

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4 KOMMENTARE

  1. Jedes Zinseszins Schuldgeld System (Fiat Mony) ist von Beginn ein Systemfehler, und muss aus mathematischen Gruenden implodieren. Der Zins ist das toetliche Gift, egal wie hoch dieser ist….
    Offenkundig haben alle Politiker diese naturgesetzliche Gegebenheit nicht verstanden, oder stehen z.Zt. in der Phase der Erkenntnis, und haben nicht den Arsch in der Hose, die Konsequenzen auszusprechen.

    Jeder Euro, egal durch wen geschoepft, ob Regierungen, Industrie, Handwerk, Handel oder Privat sind ohne Deckung ( ohne Gegenwert) geschoepft, also Luftgeld. Damit ist die Tatsache erfuellt, dass vor der Unterschrift unter dem Kreditvertrag keine Geschaeftsbank Geld hatte. Im Gegenteil, die Geschaeftsbank stellt dem Kreditnehmer Nullen auf sein Girokonto. Banken haben nur Schulden, der Wert ist ausschliesslich der Mensch….nur dass darf der Mensch nicht wissen.

    Bei Nichtzahlung von Zins und Tilgung hat sich der Kreditnehmer auch noch verpflichtet, seine Sicherheiten an die Geschaeftsbank abzutreten.
    Damit ist das Geschaeftsmodell der Zwangsenteignung mit Luftgeld ( Geld aus dem N I C H T S ) zum perfeckten Sklavensystem mit juristischer Deckung erfuellt. Perverser geht es nicht mehr.

    Weiter ist zu erkennen, dass zu jeder sogenannte „Schuldenuhr“, deren Gegenbuchung fehlt, denn Schulden und Guthaben sind rein mathematisch = N U L L.

    Also, was soll die Dummschwaetzerei von Seiten der Banken und Politik…..

  2. Seit der Zeit des Deutschen Wirtschaftswunders hat sich die Anzahl der Gesetze VERHUNDERTFACHT! Unter solchen Rahmenbedingungen haette es das Wirtschaftswunder nie gegeben und ohne Ludwig Erhart waere es nach WW2 direkt in das naechste Sozi-Vonfleissauffaulheit Umverteilungssystem hinausgelaufen. Nun haben wir die Internationalsozialisten am Ruder mit allen Begleiterscheinungen.Die „Intersozi’s“ haben haben sich sooo gut festschmarotzt im System, das wieder ueber 50% der Bevoelkerung irgendwie aus der Staatskasse lebt. Waehrend Deutschland frueher eine Nation war, die ohne eigene Rohstoffe nur durch Kompetenz, Fleiss und Innovationskraft zu einer der groessten Volkswirtschaften der Welt wurde sind also heute ueber 50% von allen Experten darin sich auf Kosten anderer ein schoenes Leben zu machen. Das wird solange gut gehen, bis den Sozialisten mal wieder das Geld der anderen Leute ausgeht. Dieser Zeitpunkt scheint nicht mehr fern zu sein.

  3. Das ist dann der „Erfolg“, wenn ein Staat auf sein UREIGENSTES Recht, nämlich die Geldschöpfung verzichtet und diese an Privatiers ( Banken ) „voll Vertrauen“ weiterreicht, ja sogar noch dafür zahlt und sich dem Teufelskreis des höllischen Zinseszinssystems willig und blauäugig ( ??? ) unterwirft ! Unser „Geldsystem“ ist komplett satanistisch angelegt und kann nur in den Abgrund führen ! Das Recht der Geldschöpfung gehört den „Privaten“ komplett entzogen !

  4. Noch gigantischer ist der Schuldenberg der USA! Aber das interessiert niemanden – die drucken sich dann eben wieder ein paar Milliarden Dollar.
    An Griechenland sollte nur ein Exempel gegen eine „linke“ Regierung in der EU vollführt werden. Und da waren Merkel und Schwarzgeld-Schäuble keine Mittel zu dreckig, keine Erpressung zu schäbig!
    Für die Faschisten in der Ukraine z.B. kann man aber immer locker Gelder aufbringen!

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