Umschuldung: Kiew verhandelt mit Gläubigern

Die katastrophale Wirtschaftslage der Ukraine führt dazu, dass das osteuropäische Land die Schulden nicht mehr bedienen kann. Nun wird mit privaten Gläubigern über eine Restrukturierung verhandelt. Diese wissen genau, dass der Westen das Regime finanziell stützen wird.

Von Marco Maier

Zumindest mit den privaten Gläubigern scheint Kiew eine Einigung zu erreichen. Ab nächster Woche wollen beide Seiten Verhandlungen "ohne Vorbedingungen" führen, wie Vertreter der Verhandlungspartner nach einem Treffen am Sitz des Internationalen Währungsfonds (IWF) mitteilten. Dabei wolle man "so bald wie möglich" eine Einigung erzielen.

Unter den privaten Geldgebern finden sich auch vier große US-Investment- und Hedgefonds, die auf die vergleichsweise üppigen Zinssätze ansprangen und nun – im Falle eines Staatsbankrotts – vor einem Totalausfall der Forderungen stehen. Zwar wurde in der Zwischenzeit Dank der hohen Zinssätze wohl schon ein Großteil des verliehenen Geldes wieder in die Kassen gespült, doch einen Verlust der Forderungen will man dennoch vermeiden.

Während Kiew auf einen Schuldenschnitt spekuliert, um somit wieder etwas mehr finanziellen Handlungsspielraum zu haben, wollen die US-Fonds über eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist sprechen. So müssen sie ihren Kunden zumindest für die nächste Zeit keine Kursverluste verrechnen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Ukraine in absehbarer Zeit wieder liquide sein wird, ist angesichts des nach wie vor tobenden Krieg im Osten des Landes und der verheerenden Wirtschafts- und Finanzpolitik der von Oligarchen dominierten Regierung verschwindend gering.

Selbst wenn es zu einer Einigung mit den privaten Geldgebern kommen sollte, bleiben da immer noch die Forderungen Russlands, welches dem schon seit Jahren finanziell maroden Land immer wieder mit Krediten unter die Arme griff. Nun sprang zwar der IWF ein und gewährte der Ukraine eine Kreditlinie in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar, allerdings nur unter sehr restriktiven Auflagen, die von Kiew kaum erfüllt werden können. Da man das Regime jedoch auf Wunsch der US-Oligarchie nicht fallen lassen wird, dürfte das Geld wohl dennoch fließen. Auch Deutschland und die EU schießen stets neue Finanzmittel nach, so dass die Oligarchenriege zumindest die nächste Zeit nicht den Staatsbankrott anmelden muss. Und das wissen auch die privaten Gläubiger.

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