Schweiz: Starker Franken schadet Exporten in die EU

Die Schweizer Wirtschaft exportierte im ersten Halbjahr 2015 weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Grund dafür ist vor allem der starke Franken, der vor allem die Ausfuhren in den Euroraum belastet.

Von Marco Maier

Wie die Eidgenössische Zollverwaltung mitteilte, gaben die Exporte insgesamt im ersten Halbjahr dieses Jahres nominal um 2,6 Prozent nach. Besonders groß war der Verlust mit Minus 6 Prozent bei den Exporten in die Europäische Union. Beim Handel mit Nordamerika (+5 Prozent) und Asien (+3 Prozent) konnte die Schweizer Exportwirtschaft hingegen punkten. Real – wegen fallender Preise – sanken die Exporte hingegen um 0,8 Prozent.

Europa ist jedoch weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für die Schweizer Wirtschaft. Ganze 57 Prozent der Exporte fließen in die Region. Doch die Freigabe des Frankenkurses, welche die Schweizer Währung nahe an die Parität zum Euro brachte, erschweren es den eidgenössischen Exporteuren zunehmend, ihre Marktposition auf dem europäischen Markt zu halten.

Auch bei den Importen war nominal ein Minus zu verzeichnen. Dieses belief sich für die ersten sechs Monate des Jahres auf 7,4 Prozent. Da die Güterpreise jedoch stark nachgaben, stiegen die Einfuhren in die Schweiz real um 0,5 Prozent an.

Insgesamt betrachtet ist der starke Franken für die Schweizer Volkswirtschaft zwar nicht sehr hilfreich, hat allerdings auch nicht so starke negative Effekte wie einige Zeit lang befürchtet. Manche Branchen spüren dies zwar durchaus, doch da die Schweiz schon bisher angesichts der höheren Lohnkosten vor allem im etwas hochpreisigeren Segment vertreten war, verkraftet die eidgenössische Wirtschaft die währungstechnische Verteuerung der Produkte durchaus. Immerhin verbilligen sich so auch viele importierte Rohstoffe und Halbfertigwaren, wodurch der Preisdruck nicht so extrem ansteigt.

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5 Kommentare

  1. Der Artikel sollte noch präzisiert werden, weil die meisten Leser anhand der % oder real Angaben in die irre geführt werden.
    1. mit den Ausfuhren von 57 % nach Europa ist nicht die EU gemeint, sondern alle Länder Europas incl. Russland, Belarius usw.

    2. mit % ist die Veränderung des Wertes der ex / oder importierten Güter in Franken gegenüber der Vergleichsperiode gemeint aber mit „REAL“ ist die Menge der Güter, gemeint, die haben im Import um „real“0.5% zugenommen, aber wir haben dafür 6,5 Milliarden weniger bezahlt.

    Aussenhandelsüberschuss 1. Halbjahr 2014 CHF 13,764 Milliarden
    Aussenhandelsüberschuss 1. Halbjahr 2015 CHF 17,683 Milliarden = + CHF 3,92 Milliarden

    Für die Schweizer Wirtschaft sind somit in einem 1/2 Jahr fast 4 Milliarden mehr in der Kasse verblieben.

    Es sieht somit doch sehr gut aus, weil wir in anderen Märkten zulegen konnten, wo für Spitzentechnologie oder Medikamente und Luxusgüter der Preis eine zweitrangige Rolle spielt.

  2. Das ewige Gejammer der Exportlobby und ihrer Pudel im Schweizer-TV über den starken Franken kann ich nicht mehr hören. Die Exporte sinken und werden weiter sinken vor allem weil die Konjunktur weltweit den Bach ab geht. Über die billigen Importe, vor allem der Energie redet niemand.

    1. Absolut richtig Stan ! – So hatt das Schweizer Fernsehen in 10vor10 das Minus von 2,633 Milliarden auch ganz selbstverständlich auf "rund 3 Milliarden" aufgerundet und eben auch den massiv höheren Gewinn für die Wirtschaft verschwiegen.

      So entspricht der Exportüberschuss von 17,683 Milliarden, einem Überschuss von 21,445 % gegenüber den Importen, was fast schon rekordverdächtig ist!

      Darüber könnte man sich ja auch erfreuen, obwohl natürlich einzelne Branchen oder Firmen durch den starken Franken unter Druck geraten sind.

      Letztlich geht es bei der Berichterstattung des SRF nur darum weiter Angst zu schüren, weil man sich mit den Konsequenzen der Abstimmung zur MEI nicht abfinden kann.

      1. Die Presstituten des SRF lecken sich jetzt die Wunden, nach jahrelangen Lobhudelei an die unhaltbare Politik des 1.2 Kurses der SNB und dem anschliessenden Debakel träumen sie weiterhin ihre feuchten Träume über den schweizer Beitritt zu dem EU-Bananistan.

  3. @ Autor
    Neben „unabhängig + unbestechlich + unzensiert“
    gehört auch die Korrektheit der Darstellung zu den unverzichtbaren
    Tugenden, denen man sich zu verpflichten hat, soll die Glaubwürdigkeit
    erhalten bleiben.

    Respekt für die Klarstellungen der vorausgehenden Kommentare.

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