Bereits am Montag kam es in Brüssel unter Vermittlung von EU-Außenbeauftragten Frederica Mogherini zwischen Serbien und dem Kosovo zu Gesprächen. Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ist noch immer nicht in Sicht. Auch die deutsche Kanzlerin Merkel fordert mit Nachdruck eine Einigung. 

Von Andre Eric Keller

Die Voraussetzungen für einen Beitritt zur Europäischen Union sind für beide Länder gleich. Serbien und Kosovo müssen ihren Streit beilegen. Versuche gab es schon öfters, ein Erfolg mag sich jedoch nicht so richtig einstellen. Die Gräben sind immer noch tief. Pristina hatte sich 2008 von Belgrad unabhängig erklärt, Serbien will dies aber nicht anerkennen. Die Differenzen liegen in der gemeinsamen Historie, sind vielschichtig und ohne Gesichtsverluste vor der eigenen Bevölkerung nicht zu lösen. Hier wird aber auf Zeit gespielt, da immer wieder überzogene Forderungen gestellt werden. Da der einzige Grund die Streitigkeiten beizulegen eigentlich nur darin besteht, dass beide Staaten in die Europäische Union aufgenommen werden wollen, müssen irgendwann die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen. 

Der Premierminister des Kosovo, Isa Mustafa, besuchte anschließend an das Treffen in Brüssel die deutsche Kanzlerin Merkel. Bei diesem Besuch ging es natürlich auch um die oben genannten Zwistigkeiten. Weiters erhofft sich Mustafa eine Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft. Insbesonders beim Energiesektor soll dem Balkanland geholfen werden, aber auch in der Landwirtschaft. Bildung, Infrastruktur und die hohe Arbeitslosgkeit im Kosovo waren ebenso Teil der Gespräche. Hinsichtlich der stark gestiegenen Asylanträge von Kosovaren in Deutschland machte Merkel klar, dass es hier zu keinen Anerkennungen kommen wird. Worauf Mustafa versicherte, der Kosovo sei ein sicheres Land und deshalb müsse niemand flüchten. 

Für Serbien geht es nun darum, die Integration der verbliebenen Serben im Kosovo sicherzustellen. Bei einer Übereinkunft mit dem Kosovo lockt ein Beitrittsdatum und Aufnahme der Beitritssverhandlungen zur Europäischen Union. Der Kosovo ist vorerst noch von Serbiens Energiewirtschaft abhängig und kaum ohne die Auslandskosovaren überlebensfähig. Kann eine Einigung mit Serbien herbeigeführt werden, winkt ein Assoziierungsabkommen mit der EU und die damit verbundene Visafreiheit. 

Für die Vorbereitungen zum Balkangipfel im August in Wien reist die deutsche Kanzlerin nächste Woche nach Serbien und anschließend nach Albanien weiter. Hier werden wieder vertiefende Gespräche geführt und eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit in Angriff genommen. Auch ein Thema soll sein: die Rückkehr der IS-Kämpfer in die zu großen Teilen muslimischen Balkanländer, welche eine Bedrohung für die Stabilität des Balkans darstellen können.

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