Politiker und Medienverantwortliche, sie wachen zwar nicht auf aus ihrem Dornröschenschlaf mit den bunten Träumen, dennoch mischen sich langsam Alpträume darunter. Der Alptraum für Politiker in Form der Politikverdrossenheit, der Alptraum für die Medienverantwortlichen in Form des Vertrauensentzugs der Konsumenten.

Von Marcel Grasnick

Politikverdrossenheit

Seit einiger Zeit geht es schon um, das Gespenst der Politikverdrossenheit. Im Grunde wäre diese den Politikern egal, haben sie doch ihre eigenen Mittel und Wege um an der Macht zu bleiben oder unliebsame Kollegen zu schaßen. Doch was ihnen fehlt, ist der Glanz im Ruhm, ein Volk zu regieren, das sie liebt und verehrt. Oder wenigstens ordentlich gehasst zu werden. Doch nicht einmal das ist der Fall. Nein, wir einfachen Bürger haben einfach nur noch Mitleid mit ihnen. Mit ihnen, die in ihrer eigenen Welt leben und Träumen nachjagen, die utopischer nicht sein könnten.

Merkel sagte einmal auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hamburg sinngemäß: "Es wäre für uns alle einfacher, wenn wir einander zuhören würden". Meine persönliche Reaktion bei diesem Satz war ein herzhaftes Gelächter. Der Witz war schlicht weg besser, als einer in jeder möglichen Komödie. Doch genau darin liegt das Problem. Denn zuhören gilt immer für 2 Seiten, nicht nur für eine. Wenn die Politiker glauben, wir würden nur zuhören, was sie sagen und nicht sagen, was wir wollen, dann haben sie das Prinzip der Demokratie nicht verstanden, eben sowenig das Prinzip der Meinungsfreiheit.

Für die Politiker sind die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit verschoben. Sie leben in ihrer eigenen Welt und glauben tatsächlich an das, was sie den ganzen Tag schwafeln. Und an ihren Taten und Worten wollen sie gemessen werden. Genau das passiert doch! Und dann glauben sie tatsächlich, wir einfachen Bürger würden die Politik nicht verstehen. Dem ist nicht so. Wir verstehen ihre Lügen nicht und wie sie gegen unseren Willen handeln können, das ist auch alles. Für den Rest haben wir tatsächlich Verstand genug, um uns darüber Gedanken machen zu können. Aber dass sie tatsächlich glauben, sie hätten die Mehrheit und handeln im Auftrag des Volkes, nur weil ein Drittel der Ansicht war, lieber Pest als Cholera zu wollen – das entbehrt jedweder Realität, jedes gesunden Menschenverstandes.

Ein Vorschlag in Güte wäre, dass sie alle einmal aus ihren Büros aus dem Bundestag herauskommen, einschließlich ihrer "Führer" und sich dem Volk auf offener Straße stellen, in Augenhöhe, von Angesicht zu Angesicht – ohne Abschirmung durch Bodyguards und nicht nur für ausgesuchte Personen. Und sich dann einmal anhören, was das Volk zu sagen hat, vorurteilsfrei. Doch das ist eine Utopie, genau wie jene, die sie antreibt. Sie würden nie von ihrem hohen Ross herunter kommen. Und zuhören, das haben sie schon lange verlernt.

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Medienschelte

Im Grunde könnten obige Zeilen auch hier stehen. Gleiches gilt selbstnörgelnd für die Vertreter der Medien – für die Vertreter voranging in den Chefetagen und Redaktionsbüros. Die Medien wundern sich, warum die Zuschauerzahlen der Nachrichtensendungen stetig rückläufig sind? Solche Sätze wie „Die Menschen fliehen vor komplexen Themen“ von ZDF-Nachrichtenchef Elmar Theveßen sind doch genau der Stein des Anstoßes. Mal ehrlich, wer möchte als Zuschauer für blöd gehalten werden? Wenn besagter Herr Theveßen von seinem hohen Ross herunterkäme und sich auf eine niveauvolle Diskussion mit Vertretern der alternativen Medien einlassen würde, auf Augenhöhe und mit Anstand, wenn er sich nur die Leserzahlen der alternativen Medien ansehen würde sowie deren inhaltliche Auseinandersetzung mit komplexen Themen, dann würde er vielleicht verstehen – WARUM.

Viele Medienvertreter leben ebenfalls in ihrer eigenen Welt. In einer Welt der Thinktanks, der regierungsnahen Nichtregierungsorganisationen wie die Trans-Atlantik-Brücke und alles andere als unabhängig, dafür aber abgehoben, realitätsfern. Die wenigen Autoren und Redakteure, die wirklich noch neutral und kritisch berichten würden, werden geknebelt durch Arbeitsverträge. Mal ehrlich, wenn im Arbeitsvertrag der Passus enthalten ist, ja nicht kritisch gegen die amerikanischen Freunde zu berichten, wie soll man da von den Medien eine neutrale und differenzierte Berichterstattung erwarten? Wen wundert es also, wenn immer mehr Konsumenten von Nachrichten sich von den öffentlich-rechtlichen Medien abwenden? Und Schlussendlich führte auch die staatliche Gebührenzwangsabgabe dazu, dass sich immer mehr Bürger betrogen fühlen. Viele sind bereit, die Medien zu bezahlen – auf freiwilliger Basis und für die, die sie tatsächlich konsumieren.

60% der Deutschen haben kein Vertrauen mehr in die Medien. Wenn man sich die Medien ansieht, ist es absolut kein Wunder. Wenn sich die Medien in er Opferrolle sehen, ungerechtfertigt abgewatscht und gedemütigt vom Konsumenten – bitte gern. Dann aber auch nur, weil sie es verdient haben. Um es einmal mit den Worten eines Vertreters der Medien, Harald Schumann, geschaßt vom Spiegel, auszudrücken:

"Diejenigen, die man kritisiert und deren öffentliche Aussagen man in Frage stellt, haben die Möglichkeit, sich bei Vorgesetzten und Chefredakteuren zu beschweren. Hinzu kommt: Wer kritisch Position bezieht, exponiert sich persönlich. Auch das ist nicht jedermanns Sache. Wer das tut, macht sich angreifbar – was natürlich viele Leute vermeiden wollen. Jedenfalls führt all das dazu, dass die große Mehrheit der Journalisten diesen beschwerlichen Weg scheuen, und das erst recht, wenn sie von ihren Vorgesetzten mit Gegenwind rechnen müssen. […] Hinzu kommt noch das, was meine Kollegin Ulrike Hermann mal als implizite Korruption bezeichnet hat. Es ist doch so, wenn man, um es mal alt-links auszudrücken, den Mächtigen nach dem Maul schreibt, wird man auch eher eingeladen, dann kriegt man die besseren Moderations- und Vortragsangebote, die höheren Honorare. Man gehört dazu. Das ist nicht zu unterschätzen." (Zitat)

Medienschelte und Politikverdrossenheit, sie gehören so zusammen wie die Medien und Politik zusammengehören. Im Normalfall sollten das zwei verschiedene Welten sein – doch was ist heute schon normal?

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One thought on “Medien und Politik im Kreuzfeuer der Kritik”

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