Dauerfeuer auf allen Kanälen: Das Griechen-Bashing geht inzwischen so weit, dass man meinen könnte, es wäre bereits zum Volkssport erhoben worden. Kann sich eigentlich noch wer an den Ukraine-Krieg oder die Umtriebe des sogenannten "Islamischen Staates" erinnern?

Von Marcello Dallapiccola

Es ist eine seltsame Ruhe eingekehrt in der Berichterstattung (lies: Propaganda) über den Ukraine-Konflikt. Dabei war doch vor Kurzem noch der russische Präsident Wladimir Putin – verziert mit Teufelshörnern und untertitelt mit an Peinlichkeit kaum noch zu überbietenden, künstlich dramatisierten Schlagzeilen – eines der beliebtesten Motive wenn es darum ging, dem Publikum ein Gesicht als Symbol für das absolut Böse zu verkaufen. Was ist los, dass seit geraumer Zeit nichts mehr aus dieser Richtung zu hören ist?

Im Osten der Ukraine wird nach wie vor gekämpft, ist denn das keine Schlagzeile mehr wert? Kann man da nicht ein paar reißerische Fotos von russischen Barbaren machen, die arglos Hosianna singende Ukrainer mit bloßen Händen zerreißen, um die so mühsam geschürte Russophobie weiter anzufachen? Oder warum zeigt man uns nicht wenigstens – zur Beruhigung – die Fotos der vielen amerikanischen Panzer, die kreuz und quer durch Europa in Richtung Osten rollen, um dort zu unser aller Sicherheit vor den bösen Invasoren stationiert zu werden?

Auch der Islamische Staat taucht in den Medien kaum noch auf, obwohl nach wie vor die gesamte Region den nahen und mittleren Ostens lichterloh in Flammen steht; mit dem Jemen ist sogar ein neuer Kriegsschauplatz hinzugekommen, in den wie immer viele Parteien mitmischen, die auf so undurchsichtige Weise miteinander verstrickt sind, dass eigentlich keiner mehr genau weiß, weshalb man sich gegenseitig ins Paradies bombt. Jahrelang war das Dauerschlachten in Syrien und im Irak beliebtes Motiv, um die Abendsendungen mit ein wenig Grusel zu erfüllen; Enthauptungen, Steinigungen, dieser Touch von Barbarei – wo kriegt man sowas sonst schon zu sehen?

Doch auch hier auf einmal: gähnende Leere bei der Berichterstattung, eine geradezu beredte Stille herrscht im Blätterwald. Sind die Gotteskrieger vom IS auf einmal wahrhaftig fromm geworden? Haben sie ihre Sklavenmärkte für geraubte Mädchen geschlossen, führen sie keine Massenerschießungen mehr durch, hängen sie keine Homosexuellen mehr auf, zwingen sie Nicht-Muslime nicht weiter, entweder zu konvertieren oder zu sterben? Oder sind sie nur im Moment durch das harte Fasten im Ramadan einfach zu geschwächt, um weiter ihren Schandtaten nachzugehen?

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Man ahnt, das wäre zu schön, um wahr zu sein. Selbstverständlich mordet der IS weiterhin in einem Ausmaß und mit einer Bestialität, die den Vergleich mit Hitlers SS nicht zu scheuen braucht. Insofern fällt einem schwer zu glauben, dass sich die Bilder einfach abgenutzt haben… Natürlich geht auch der Krieg im ehemaligen Osten der Ukraine weiter – die Bevölkerung der unabhängigen Republiken dort leisten den faschistischen Truppen der Kiewer Putsch-Regierung nach wie vor erbitterten Widerstand.

Doch in den Medien wird mit faszinierender Beharrlichkeit die ewig gleiche mediale Sau durchs Dorf getrieben: Griechenland, immer wieder Griechenland. Tsipras statt Jihadi John, Schäuble statt Putin. Das "Schuldendrama" (lies: organisierter Raubzug vor den Augen der Weltöffentlichkeit) scheint in seiner Wichtigkeit eindeutig zu überwiegen. Zeigt sich hier nur ein weiteres Mal, dass Geld mehr zählt als Menschenleben? Oder ist diese übertriebene Fokussierung auf dieses eine Thema eine bewusste und willkommene Abwechslung für das nichtsahnende Publikum, dass sich da hinter den Kulissen etwas Größeres zusammenbraut?
Die kommenden Wochen werden es zeigen.

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4 thoughts on “Mediales Sauentreiben: Griechenland frisst Ukraine und IS”

  1. Psst nicht so laut… sonst fängt es wieder von vorne an. Evtl haben sie aber auch eingesehen, dass man sich lieber nicht mit SOZ anlegt und halten deshalb den Ball flach.

  2. Und hier ist Schluß mit lustig. Zitat:
    „Selbstverständlich mordet der IS weiterhin in einem Ausmaß und mit einer Bestialität, die den Vergleich mit Hitlers SS nicht zu scheuen braucht.“
    So? Um Eure (nicht schlechten) Argumente zu versträrken, macht Ihr den grandiosen Fehler, doch bitte auch mit der Nazi-Keule zu hauen. Schade. Für sich genommen sind Eure Argumente gut. Da Ihr aber diese mit Propaganda aus WK II versetzt, habt Ihr Euch selbst kastriert. Sehr schade.

    1. Nun, in jedem Krieg werden von allen teilnehmenden Parteien Verbrechen begangen und besonders Himmlers SS hat sich da nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert. Insofern scheint der Vergleiche doch durchaus passend zu sein. Das heißt allerdings nicht, dass automatisch jedes SS-Mitglied ein Verbrecher war/ist, genauso wie nicht zwangsläufig jeder Anhänger des IS gleich zum Massenmörder mutiert. Auch trotz diverser Gräueltaten der Roten Armee (Paradebeispiel Nemmersdorf) war/ist nicht jeder Rotarmist ein Vergewaltiger und Sadist. Etwas mehr Entspanntheit bei diesem Thema würde Ihnen sicher nicht schaden.

      PS: Sämtliche Artikel unserer Autoren spiegeln selbstverständlich auch vorrangig deren Meinungen und Ansichten wider. Den Meinungspluralismus zu fördern zählt zu unseren Kernanliegen. Insofern werden unsere Autoren auch nicht zensiert (sofern die Aussagen nicht juristisch bedenklich sind). Sollten Sie erwarten, hier irgendwelche NS-Verherrlichungsartikel zu finden, werden Sie allerdings nicht fündig werden. Da müssen Sie wohl schon auf einschlägige Webseiten zurückgreifen.

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