Japan: Das Ende der pazifistischen Politik ist da

Nun ist es beschlossene Sache: Japan darf künftig wieder Krieg führen – dieses Mal als Verbündete der USA. Gegen den Willen des Volkes beschloss das Unterhaus entsprechende Gesetze. Der Rest ist Formsache.

Von Marco Maier

Japans Nachkriegsverfassung sollte das Land nach den militärischen Expansionswellen zuvor auf einen friedlichen Weg in die Zukunft führen. Doch damit ist es nun endgültig vorbei. Das Unterhaus verabschiedete mehrere Sicherheitsgesetze, die zu einem Ende der bislang geltenden pazifistischen Doktrin führen. Nun muss noch das von Premierminister Shinzo Abes Regierungskoalition ebenfalls dominierte Oberhaus zustimmen. Dort könnte das Gesetzespaket zwar abgelehnt oder abgeändert werden, doch das Unterhaus kann die Vorlagen dennoch mit einer Zweidrittelmehrheit durchpeitschen.

Eigentlich dürfte Japan – nach dem ursprünglichen Willen der Siegermacht USA – gar keine Land-, See- und Luftstreitkräfte besitzen. Doch mit dem Ausbruch des Koreakriegs 1950 änderte sich dies schnell wieder und die Japaner begannen sich von da an – wie die Westdeutschen – den Amerikanern anzubiedern, die hüben wie drüben auch ein Netz von Militärstützpunkten errichteten. Inzwischen besitzt das japanische Militär rund 240.000 Soldaten, 700 Panzer, 500 Kampfflugzeuge, 47 Zerstörer und 16 U-Boote.

Mit der Verfassungsänderung und den neuen Gesetzen erhalten die USA nun einen militärisch starken Verbündeten in der ostasiatischen Region, die angesichts der Dominanz Chinas und der US-Interessen (Siehe auch TPP) für Washington immer wichtiger wird. Gemeinsam mit Südkorea und Taiwan soll hier eine maritime Hauptkampflinie entstehen, mit der die Volksrepublik China nach Osten hin abgeblockt wird. Die historisch bedingte Abneigung zwischen Japanern und Chinesen spielt dabei den Amerikanern in die Hände.

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Indessen lehnen Umfragen zufolge bis zu zwei Drittel der Japaner die Gesetzesänderungen ab, was jedoch vom japanischen Premierminister ignoriert wird. Dieser verlautbarte, dass die Menschen nur deshalb dagegen seien, weil sie die Gesetze nicht ausreichend verstanden hätten. Dabei, so scheint es, haben die Japaner die Tragweite dieser Entscheidungen durchaus erkannt und sich deshalb dagegen ausgesprochen.

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6 Kommentare

  1. und die japaner sind so blöde sich in einem waffengang gegen die Chinesen verheizen zu lassen.
    Und das NUR für amerikanische interessen.
    Unfassbar

    1. Die Kritik ist nicht fair angesichts der Milliarden die wir schon heute unwiederbringlich in die Front der Ukraine stecken. Wir finanzieren den Krieg gegen Russland für die USA und schaden und doppelt und dreifach. Wir spalten Europa mit der Göbbelsdoktrien einer Merkel und eines Schäuble. Merkel wird alles vernichten was unsere Väter aufgenbaut haben und 70 % schreien wie im Olympiastadion, wir wollen verecken und in den Dreck, verbluten und unsere Kinder verbrennen für Merkel und die CDU.

    2. Als Deutscher sollte man sich selber an die Nase fassen bevor man auf andere zeigt , die Deutschem sind dabei die Ukraine mit Russland im Krieg zu hetzen . Das Europa was man sich aufgebaut hat und was so friedlich ist wird es nicht mehr lange geben .

  2. Scheinbar haben die von ihrem Busenfreund USA seinerzeit auf Zivilisten abgeworfenen Atombomben noch schwere Langzeitwirkungen betreffs des Denkvermögens hinterlassen. Da bin ich ja als Deutscher schwer beruhigt, daß nicht nur wir im Feuersturm unserer Städte Gedächtnisschäden hinnehmen mußten!

  3. Parallelen zu Deutschland und der NATO die sich seit 1999 systematisch von einem Verteidigungsbündnis in ein Angriffsbündnis mit bis heute geltendem „Bündnisfall“, also Krieg für US Interessen, gewandelt hat.
    Ähnliche Konstellation bezüglich der US Besatzung von Japan und Deutschland bis heute (50 000-60 000 US Besatzer) und das Wahlvolk wollte und will z.B. mehrheitlich (mehr als 70 %) den Krieg in AFG nicht, trotzdem drückten die regierenden Parteien das ohne Wählerstimmen zu verlieren durch.
    Ein Grossteil des Volkes wird fehlinformiert („Einsatz für Freiheit,Demokratie“ und ähnlichem Unfug) , lernt nichts aus der Vergangenheit ( 2.Weltkriege auf europäischen Boden) und lässt sich munter in einen Krieg mit Russland (das dämonisert wird) ziehen zum Wohle der unipolaren US Kriegs und Expansions bzw. Hegemonial Politik.

  4. Japan hat wie eine Perlenschnur seine Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke für einen potentiellen Angreifer aufgereiht. 2 dutzend moderner Mittelstreckenraketen, konventionell ,vernichten die Wirtschaft innerhalb von einer Stunde.

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