Wenn man den veröffentlichten Umfragen Glauben schenken darf, so haben sowohl Syriza-Chef Tsipras als auch Finanzminister Schäuble (CDU) alles richtig gemacht. Beide Parteien legen nämlich zu.

Von Marco Maier

So seltsam es auch klingen mag: Das ganze Griechenland-Drama der letzten Wochen führte Umfragen zufolge zu einer Stärkung jener beiden Parteien, die wohl am stärksten in den Konflikt involviert sind: Die Regierungsparteien Syriza und CDU. Offenbar konnten Tsipras und Schäuble den Griechen bzw. Deutschen ihre Strategie so "verkaufen", dass die Sympathien wuchsen.

So kann die Syriza derzeit trotz der innerparteilichen Differenzen zwischen dem linksaußen-Flügel und den Tsipras-Anhängern offenbar von den aktuellen Entwicklungen profitieren. Die erste Umfrage nach der Parlamentsabstimmung über das von der EU aufoktroyierte Maßnahmenpaket zeigt ganze 43,5 Prozent der Stimmen für die Syriza auf. Die zweitstärkste Partei, die konservative Nea Dimokratia kommt hierbei lediglich auf 21,5 Prozent. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Januar dieses Jahres erzielte Tsipras' Parteienbündnis noch 36,34 Prozent, während Samaras' Konservative mit leichten Verlusten noch 27,81 Prozent schafften.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland. Dort kommen die konservativen Parteien CDU und CSU in der jüngsten Umfrage auf 43 Prozent, was einem leichten Plus von 1 Prozentpunkt entspricht. Statistisch mag dies angesichts der Schwankungsbreite zwar eigentlich vernachlässigbar sein, doch wenn die Deutschen mit Schäubles hartem Kurs nicht einverstanden gewesen wären, gäbe es wohl deutliche Verluste. Dass diese Politik jedoch überhaupt zu diesem Ergebnis führte, darf man getrost der allgegenwärtigen Griechenland-Hetze der deutschen Medien – privat und öffentlich-rechtlich – zuschreiben. Billiger Populismus zieht eben immer, auch wenn das Ergebnis schlussendlich weder Deutschland noch Griechenland hilft.

Was bleibt ist die Frage, ob da – insbesondere in Deutschland – einfach bei den Umfragen manipuliert wird, oder ob sich die Menschen tatsächlich von Politik und Medien in die Irre führen lassen. Vielleicht sind die von namhaften Ökonomen wie Heiner Flassbeck angeführten Argumente einfach nur zu kompliziert für den Durchschnittsdeutschen, der ja oftmals schon an der Unterscheidung von Prozent und Prozentpunkt scheitert, oder mit Begriffen wie Bruttoinlandsprodukt oder Giralgeldschöpfung hoffnungslos überfordert ist. Vom Zinseszins ganz zu schweigen. Hilft da wirklich nur billigstes Stammtischniveau?

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3 thoughts on “Griechenland-Krise stärkt offenbar Syriza und CDU/CSU”

  1. Wer glaubt denn noch diesen sogenannten „Meinungsumfragen“? Und die erscheinen erstaunlicherweise immer dann, wenn Politik und Medien Zahlen brauchen, die ihren Lügenkurs unterstützen!
    Selten bis nie werden diese „Meinungsumfragen“ hinterfragt – man kann allein durch die Fragestellung bestimmte Zahlen erzeugen und natürlich durch den Kreis der Befragten. „Repräsentativ“ für die ganze Bevölkerung sind diese Umfragen nie!

  2. Die Sache ist die, dass die meisten Leute in Deutschland noch immer glauben, mit diesem Hilfspaket werden die Griechen gerettet und nicht die Banken. Hatte viele solcher Sprüche von Leuten auf Facebook gelesen. „Wenn wir Geld für Smartphones ausgeben können, können wir doch auch die Griechen retten, Angie hat sich wacker geschlagen.“ „Ich mag unsere Angie.“ „In Anbetracht der Lage hat Frau Merkel einen grandiosen Job gemacht.“ „Frau Merkel schuftet 18 Stunden am Tag für einen Hungerlohn, jetzt wird es für uns mal langsam Zeit ihr ein wenig Respekt für ihre Arbeit zu zollen.“
    Das sind nur einige der postings.

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