Hans-Werner Sinn. Bild: Flickr / blu-news.org CC-BY-SA 2.0

Der noch amtierende ifo-Chef Hans-Werner Sinn wirft wieder einmal mit Zahlen um sich und stellt Forderungen auf, die Griechenland endgültig das wirtschaftliche und finanzielle Genick brechen würden.

Von Marco Maier

Besonders bei konservativen und wirtschaftsliberalen Politikern ist er beliebt: Hans-Werner Sinn, derzeit noch amtierender Chef des ifo Instituts. Der Grund dafür sind seine wirtschaftspolitischen Vorschläge, die diesen Ideologen durchaus sehr entgegen – und in Sachen Griechenland auch gelegen – kommen. Dies zeigte sich wieder einmal in einem Interview mit dem Springer-Blatt Bild, in dem er deren Hetzkurs tatkräftig unterstützt.

So sagte Sinn im Hinblick auf die Eckpunkte der aktuellen Verhandlungspositionen: "In den letzten fünf Jahren hat Griechenland pro Jahr mehr als 50 Milliarden Euro, ein Viertel der Wirtschaftsleistung, bekommen beziehungsweise sich durch Selbstdruck von Euros mit Billigung der EZB genommen. Dass man sich nun mit einem Drittel der Summe begnügen wird, wie behauptet, halte ich für äußerst unwahrscheinlich."

Als Lösung schlägt er vor, Griechenland aus dem Euro zu werfen, so dass das Land, welches am Tropf hänge und nicht mehr davon loskomme, sich erholen würde. Dass das (sinnbildlich) in etwa auf dasselbe hinausläuft, wie einem Verdurstenden anstelle von einem Liter Wasser täglich zur Verfügung zu stellen dieses wegzunehmen und zu sagen, er solle halt seinen eigenen Urin trinken um zu überleben, kommt ihm nicht in den Sinn.

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Dementsprechend hält der Ökonom die ohnehin schon überaus weit gehenden Vorschläge Athens, welche so schon einen Verrat am eigenen Programm und den Versprechen den Wählern gegenüber darstellen, für absolut unzureichend: "Die Vorschläge basieren im Wesentlichen auf Steuererhöhungen statt Ausgabenkürzungen. Steuerhöhungen sind bloße Versprechungen, von denen man leider weiß, dass sie in Griechenland nicht umgesetzt werden. Was nützen Steuern, die gar nicht gezahlt werden?"

Was Sinn jedoch nicht sagt: Seit 2009 hat Athen die Staatsausgaben um ganze 32 Prozent reduziert, womit diese wieder auf dem Niveau von 2004 liegen. Die Staatseinnahmen jedoch liegen um 13 Prozent höher als noch im Jahr 2004. Und das, obwohl die Wirtschaftsleistung (nominal) in etwa auf dem selben Niveau wie damals liegt. Das Ergebnis, nämlich das Abwürgen der griechischen Wirtschaft, scheint Sinn jedoch nicht zu interessieren. Hauptsache Athen spart noch mehr Geld ein, wodurch die Binnennachfrage noch weiter sinkt.

Dementsprechend folgt auch eine Lobhudelei auf Bundesfinanzminister Schäuble, der einen 'Grexit auf Zeit' empfahl: "Minister Schäuble hat genau das Richtige empfohlen. Griechenland hat sich per Kredit einen Lebensstandard genehmigt, der weit über seiner Wirtschaftsleistung liegt." Dass dies auch Deutschland jahrzehntelang tat und die Bundesrepublik heute nur deshalb gesamtstaatlich gut dasteht, weil vor allem der Bund wegen der Schuldenkrise Griechenlands (Portugals, Spaniens, usw.) in Sachen Zinsen davon profitiert, ist ihm egal.

Ebenso ignoriert Sinn die Tatsache, dass Griechenland im Gegensatz zu den anderen Krisenstaaten keine nennenswerte Exportindustrie besitzt und vor allem auf den Tourismus und die Binnenwirtschaft angewiesen ist. Denn sein Patentrezept für Griechenland lautet: Währungsabwertung. Denn nur so könne eine Kürzung bei Löhnen und Renten "gleichmäßig und sozialverträglich" (sic!) bewerkstelligt werden. Ergo soll Griechenland auf das Niveau eines afrikanischen Entwicklungslandes geprügelt werden und so zur spottbilligen Urlaubsdestination für deutsche Urlauber avancieren.

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5 KOMMENTARE

  1. Man versteht die Welt nicht mehr . Die Deutschen haben über ihre Verhältnisse gelebt ,die Griechen noch viel schlimmer . Aber die Deutschen , die sich besser organisieren können , sollen jetzt die Griechen , die sich nicht organisieren können und wollen , DURCHSCHLEPPEN . Wie krank ist das ? KEIN WEITERER EURO DAFRF IN DIESER KORRUPTEN EITERBEULE GRIECHENLAND versenkt werden !!!

    • Krank ist was Die EZB macht, die zocken wie im Spielcasino, pressen Länder bis zum

      Letzten Blutstropfen aus, das griechische Volk, hat diese kriminellen Zocker der EZB

      ausgezählt, gut so, denn nicht diese supperreichen Kriminellen, zahlen einen Cent, sondern

      das Volk wird ausgepresst, und wer das nicht kapiert ist total naiv.

      das sagt ein 70 Jähriger junggebliebener Rentner, werft diese Zocker aus Ihren Palästen.

  2. Werter Marco Maier!
    So sehr ich Ihre sonstigen Artikel auch schätze, hier kann ich Ihnen nicht folgen.

    Eigene Währung geht nicht (aka GREXIT), Ausgabenkürzungen geht nicht, Steuererhöhungen geht nicht, die Schulden erhöhen sich von Tag zu Tag, von Monat zu Monat.

    Wie sieht / sähe nun „Ihre Lösung“ aus?

    Ich halte es da mit Oskar Lafontaine. Der EURO ist am Ende und ist maßgeblich Ursache für die europaweiten Verwerfungen. Ohne Abschaffung dieser misslungenen Währungsunion wird das nichts mehr werden.

  3. Hätte, hätte, Fahrradkette. Diese ganzen Diskussionen um Griechenland grenzen an debilen Schwachsinn. Es gibt nun mal den Fakt, dass Griechenland in dem Augenblick zahlungsunfähig war, als es sich nicht mehr am Kapitalmarkt mit neuen Krediten versorgen konnte- wegen Überschuldung. Die folgenden Hilfskredite der Troika waren lediglich eine Verzögerung der schon lange fälligen Bankrotterklärung Griechenlandes und haben die Sache nur verschlimmbessert. Und da die gegenwärtige griechische Regierung vor den Folgen eines Bankrottes zurückschreckt, hat sie schon wieder ein neues Kreditpaket beantragt, was eigentlich keiner will. Und die Euro-Staaten machen da wieder mit- natürlich nicht ohne Hosenträger. Irrsinn zum Erhalt der EU im Sinne der USA.

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