Griechenlands Banken schränken die Bargeldausgabe ein, weil nicht genügend Scheine vorhanden sind. Dabei müsste den Griechen der Druck genehmigt werden. Oder ist Bargeld vielleicht doch mehr Wert als das Giralgeld in den Computern der Banken?

Von Marco Maier

Ganze 60 Euro pro Tag gibt es derzeit noch an den Geldautomaten der Banken, die diese Woche ihre Schalter geschlossen hielten. Doch die Banknoten werden knapp, so dass man das Limit schon auf 20 Euro senken möchte. Denn wie in jedem anderen Land auch entspricht der Bargeldumlauf nur einem Bruchteil dessen, was als Giralgeld im Finanzsystem herumgeistert. Ein Betrugssystem das nur so lange funktioniert, wie die Leute ihre Guthaben nicht ausbezahlt bekommen wollen.

Doch anstatt der Griechischen Nationalbank zu erlauben, die Geschäftsbanken mit entsprechend vielen Banknoten zu versorgen, gewährt die Europäische Zentralbank (EZB) der Griechischen Nationalbank lediglich sogenannte "Notkredite" aus dem Emergency Liquidity Assistance (ELA) Programm. Allerdings wurde erst am Sonntag beschlossen, diese Kredite bei einer Obergrenze von 89 Milliarden Euro einzufrieren. Dennoch werden weiterhin "Nothilfen" gewährt, weil EZB-Direktor Mario Draghi angeblich nicht für den Gexit verantwortlich sein will.

Damit zeigt sich jedoch eine deutliche Zwei-Klassen-Gesellschaft in Sachen Geld: Bargeld ist deutlich mehr Wert als Buchgeld. Ist es die Angst vor einer Hyperinflation, welche die europäischen Währungshüter daran hindert, den Griechen die Versorgung mit Bargeld zu erlauben? Wohl kaum. Immerhin ist es ja gerade die EZB, die derzeit die Märkte mit zig Milliarden an Buchgeld-Euros flutet. Ohne wirkliche inflationäre Konsequenzen für die Realwirtschaft des Euroraums.

Dieses perfide Spiel der Zentralbanker zeigt uns doch deutlich auf, dass in Zeiten wie diesen Bargeld eine entscheidende Rolle spielt. Konten kann man einfrieren, Guthaben nach Belieben entwerten und Kapitalverkehrskontrollen nach Gutdünken einführen. Beim Bargeld fällt das nicht so leicht. Genau davor scheinen sie auch Angst zu haben. Nicht zu vergessen, dass das ganze Giralgeldsystem damit einen Offenbarungseid leisten muss. Immerhin schaffen die Geschäftsbanken mit ihren Krediten Buchgeld aus dem Nichts, aber wenn die Zentralbank ein paar Scheinchen mehr druckt, soll dies angeblich zu mehr Inflation führen (als bei auf Knopfdruck geschaffenem Geld).

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Gerade um den Menschen diese Scharade vor Augen zu führen sollte die Griechische Zentralbank damit beginnen, die Geschäftsbanken mit ausreichend Bargeld zu versorgen, damit die Griechen nicht mehr täglich für ein paar Euro an die Geldautomaten gehen müssen. Was schert sich die EZB überhaupt um den Bargeldumlauf, wenn ihr die ganze Giralgeldblase ohnehin am Allerwertesten vorbei geht? Auch die Griechen haben ein Recht auf Bargeld!

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6 thoughts on “Griechenland: Die EZB, der Giralgeldbetrug und das Recht auf Bargeld”

  1. Wie kann man die Geschäftsbanken überhaupt dazu zwingen nur bestimmte Mengen an Bargeld auszuzahlen? Welche Verpflichtungen hat eine Bank gegenüber der „Troika“ oder der EZB sich Anweisungen von denen erteilen zulassen?

  2. Es sind die richtigen Fragen die Marco Maier da in den Raum stelllt. Eine der weitern Betrachtungen ist sicher auch, die Geostrategie des griechischen Standortes im Mittelmeer. Es zeigt das Kaphorn des Balkans, unweit der Krim und Russland. So wird einem recht schell klar, was der ganze Stress eingentlich so und ist.

    Griechenland wird sich nur selber aus der EU oder dem Euro verabschieden. Die EU oder die USA und die Nato können Sich ein auscheinden der Griechen geopolitisch und noch mehr geostrategisch gar nicht leisten. Ist es eine kluge Idee, genau in diesem Gebiet zu zündeln? Was sind da genau die Ziele? Zufall? Glauben Sie an den Weihnachtsmann 🙂 ?

    1. Ich verstehe die angebliche geostrategische Bedeutung Griechenlands im östlichen Mittelmeer nicht so ganz.
      Diese der Türkei ist unvergleichlich viel größer, ist sie doch Eigentümer der beiden Meerengen zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer: diese bei Gelibolu (Gallipoli) und dem Bosporus.

      Und welche Bedeutung Griechenland in Bezug auf die Krim und Russland haben soll, würde ich auch gern verstehen – Griechenland ist doch überhaupt kein Schwarzmeer-Anrainer! Und:
      Distanz Griechenland – Krim ca. 1.200 km Luftlinie – ohne Seeverbindung
      Distanz Griechenland – Russland mindestens ca. 1.500 km – ebenfalls ohne Seeverbindung.

      Ohne die Türkei geht im östlichen Mittelmeer und im Schwarzen Meer gar nichts:
      Das einzige Land, das eine Verbindung des Schwarzen Meers zum Mittelmeer und damit zu den Weltmeeren hat / ermöglicht.

      Geostrategisch ist die Türkei für den Westen von aller größter Bedeutung – Griechenland keineswegs.
       

  3. An Eber:
    Geopolitisch ist Griechenland aufgrund seiner Lage im Mittelmeer in der Nähe zum Nahen Osten Israel, Syrien etc.enorm wichtig.
    Zypern ist halb griechisch und strategisch als auch von ressourcen enorm wichtig in der Region.
    Quasi ein fester Flugzeugträger direkt vor Israel und Syrien. Nicht umsonst versuchen die Russen mir alller Macht Assad zu halten wegen dem russischen Militär-Hafen in Syrien, den einzigen russischen Hafen im kompletten Mittelmeer. Nicht umsonst wollen die Russen und Chinesen den Hafen in Piräus kaufen..

  4. Guter Artikel. Das Thema Buchgeld wird im Mainstream nur ab und an, von echten Experten, angesprochen. Natürlich nicht zur Prime Time, wo sich selbst ernannte „Experten“ mit Sekundärthemen beschäfftigen, sondern eher im Program ab 23:30 Uhr. Ja, es gibt ab und an Berichte darüber. Sogar vom öffentlich rechtlichen Sektor.
    Das Thema wird oft noch verschwiegen und von dem Pseudoökonomen der Regierung und Leitpolitikern nicht verstanden. Diese folgen eher den ideologischen Kurs, der von den Lobbyisten vorgegeben wurde.
    Da stellt man sich die Frage ob diese Leute korrupt oder einfach nur dumm sind.

    1. ja es ist unerhört, wenn man bedenkt, dass alle griechen die auf der bank guthaben haben,

      diesen menschen der unbeschränkte zugang zu ihrem geld verweigert wird. letzteres mit dem

      argument, dass die banken kein geld mehr haben. was haben "die banken" mit dem "fremden

      geld" das ihnen zur "aufbewahrung oder auszahlung" anvertraut wurde gemacht?????

      wo ist es geblieben. die griechische bevölkerung wurde über jahrzehnte von ihren eigenen

      oligarchen, betrogen, haben sich korrupien lassen nach strich + faden. keine ordentliche sozial verwaltung, kein kataster amt, keine anständige steuer behörde usw. usw..

      nun treffen sie auf eine durch + durch missverwaltete, von westlichen oligarchen EU geleitete

      korrupte genossenschaft die ihre felle davon schwimmen sieht. ein einziger trümmer haufen oder ein latrine die seit jahrzehnten am überlaufen ist. der aufschrei dieser beiden gesellschaften ist unüberhörbar. die frage ist wie kann + muss man helfen, wenn zwei total

      unfähige systeme in einer derartigen situation die von ständig "gewünschten schulden" auf

      "allen seiten" immer weiter angeheizt wird. demnächst kommen die usa die "nur" zu 140%

      überschuldet sind + wollen einen "schuldenschnitt" von china??? oder zetteln vorher einen weiteren kriegsschauplatz in ost europa an, neben denen im mittleren osten + nord afrika.

      damit kann man wunderbar ablenken + 1000 neue argumente schaffen um uns noch mehr

      zu regulieren. 

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