Wir befinden uns im Jahr 2015. Ganz Europa ist von den Schergen der internationalen Finanz-Terrororganisationen besetzt. Ganz Europa? – Nein, ein von unbeugsamen Griechen bevölkertes Land hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten…

Von Marcello Dallapiccola

Gewiss, diese Einleitung ist etwas übertrieben und romantisch idealisiert. Dennoch lassen sich gewisse Parallelen nicht von der Hand weisen. Wie einst die unbeugsamen Gallier sich nicht dem römischen Diktat unterwerfen wollten, so haben auch die Griechen wenig bis keine Lust, ihren Sirtaki nach der Pfeife eines Usurpators zu tanzen. Zu lange schon haben sie dieses Spiel mitgespielt, dessen Folgen sie tagtäglich auf dramatische Art am eigenen Leib erfahren müssen.

Syriza wurde im Jänner gewählt, um endlich Schluss zu machen mit dem Unsinn der Austeritätspolitik. Sämtliche Regierungen davor waren nicht in der Lage, das Schuldenproblem zu lösen – ihre einzige "Politik" bestand darin, die Sparvorhaben der organisierten Räuberbanden von IWF, EZB und EU-Kommission umzusetzen. Mit gnadenloser Härte gegen das griechische Volk sollte wieder geradegebogen werden, was der jetzige EZB-Häuptling Draghi in seiner vorigen Funktion als Chef von Goldmann-Sachs verbockt hatte: Nämlich dass Griechenland niemals die Kriterien für einen Euro-Beitritt erfüllte und deshalb die Zahlen durch eben diese US-Großbank schöngerechnet wurden. Da standen die privaten Gläubiger (dt., frz. u. niederl. Banken sowie einige Heuschrecken Spekulanten) auf einmal ganz schön blöd da – doch wie immer, wenn sich kriminelle Bankster verzocken, springen ihnen sofort Politiker zur Seite und helfen großzügig.

In diesem Fall wurde die Troika nach Griechenland gesandt, um den von Herrn Draghi angerichteten Sauhaufen wieder in Ordnung zu bringen. Wie praktisch, dass Super-Mario inzwischen eine der "Institutionen" leitet … auf die Idee, diesen Herrn mal zur Verantwortung zu ziehen, kam indes noch keiner der "Volksvertreter".
Und wie die gewütet hat, die Troika: Gesundheit, Pensionen, Bildung – überall musste gespart werden. Die Selbstmordrate schnellte seit 2011 um 40 Prozent in die Höhe, junge Eltern geben ihre Kinder im Kinderdorf ab, weil sie sie selber nicht mehr ernähren können – ABER der Erfolg der Troika lässt sich nicht leugnen: Hafteten 2011 noch die oben genannten Banken und Fonds für das verschuldete Land, sind es mittlerweile die Steuerzahler der Euro-Zone, die diese zweifelhafte Ehre für sich in Anspruch nehmen dürfen. Da kann man sich nur bedanken für die tolle Arbeit, die die Technokraten in Brüssel da geleistet haben. Inzwischen sprach sogar Wirtschafts-Nobelpreistäger Joseph Stiglitz offen aus, was viele EU-Bürger schon lange denken: Die Troika hat auf ganzer Linie versagt.

Doch Syriza versucht seit Jänner alles menschenmögliche, um das griechische Volk aus dem Würgegriff der Finanzmafia zu befreien. Das Problem der Regierung Tsipras ist jedoch, dass sie auf zuvielen "Altlasten" sitzt, dass die (sozialdemokratischen und konservativen) Vorgänger in braver Untertänigkeit gegenüber den "Geldgebern" ein beispielloses Chaos hinterlassen haben; es gibt keinen Spielraum, keinen Platz für Gestaltung.Monatelang musste man das unwürdige Schauspiel verfolgen, wie sich die feinen Herren immer wieder mit den Vertretern Griechenlands trafen und dem griechischen Volk weitere Frondienste abzupressen und das eine oder andere zusätzliche Joch aufzuzwingen versuchten. Tsipras indes blieb standhaft und erinnerte sich an die Wahlversprechen, die er seinem Volk gegeben hatte. Natürlich musste er taktieren und teilweise vollkommen neue Winkelzüge vollziehen, um die Aasgeier davon abzuhalten, weitere Brocken aus seinem geschundenen Land herauszupicken; doch was er auch tat, von Anfang an wurde er in Misskredit gebracht.

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Da wagt es doch glatt einer, das System in Frage zu stellen – das geht ja gar nicht! Noch dazu will er Geld, um es für sein Volk auszugeben, für Bildung, Krankenhäuser und Renten – wenn er wenigstens Waffen kaufen wollte, wie der nette Herr Poroschenko aus der Ukraine, dem konnte man ohne mit Wimper zu zucken schnell 300 Mio. über den Tisch schieben.

Aber nein – der Querulant Tsipras hatte eine andere Idee: Er will sein Volk befragen, ob es sich weiter erpressen lassen oder doch lieber den Schritt in ein komplett unerforschtes Territorium wagen will. Dieser Bastard wagt es doch tatsächlich, mittels des ur-demokratischen Instruments einer Volksabstimmung die Bürger in eine wichtige Entscheidung mit einzubeziehen! Die Bürger sollen sich aussuchen dürfen, ob sie weiterhin wie Leibeigene leben wollen oder nicht! – Ab diesem Zeitpunkt stürzten sich die Presstituierten der Mainshit-Medien auf die Tsipras wie Bluthunde auf ein Rehkitz.

Und es dauerte nicht lange, bis die Schreibtischtäter in Brüssel ebenfalls vom Lamentieren zum Drohen übergingen: "Ein NEIN würde die griechische Position entscheidend schwächen", sprach Gauleiter EU-Kommissionspräsident Juncker gestern mit ernster Miene in die Kameras. Gefährliche Drohung und Erpressung in einem Satz. Soviel hält man in Brüssel von der Demokratie. Auch das mediale Dauer-Bombardement mit apokalyptischen Endzeit-Szenarien für den Fall eines GREXIT zeigt bereits Wirkung: Innerhalb einer Woche hat sich das Kräfteverhältnis zwischen OXI und NAI beinahe ausgeglichen. Jeder Grieche, der noch ein bisschen was hat, lebt in der Angst, auch bald zu denen zu gehören, die sich nicht mal mehr die täglichen Lebensmittel leisten können.

Natürlich weiß niemand, was im Falle eines Nein der Griechen zum Sparkurs passieren würde; marschiert dann der IWF ein und klebt überall den Kuckuck drauf, oder was? Eines ist gewiss: Die Regierung Tsipras, die den Mut hatte, ihr Volk allen Widerständen zum Trotz gegen die Gier der globalen Finanzeliten zu verteidigen, wird auf keinen Fall mehr lange im Amt bleiben. Dafür wird gesorgt werden, denn wo kämen wir da hin, wenn dieses Beispiel Schule machen würde?

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5 thoughts on “#Greferendum: Das letzte Gefecht?”

  1. ein sehr treffender Artikel, zu den "westl. Werten" gehört es natürlich nicht, den "Pöbel" zu wichtigen Entscheidungen zu befragen, siehe u.a. auch "germany".

    1. Trotzdem verstehe ich eines nicht, vielleicht kann mir das ein schlauer Kopf hier erklären. Warum lässt es die griechische Regierung zu, dass die Auszählung morgen von einer US-Firma mit engster Goldman Sachs Verbindung durchgeführt wird: Die Firma Singular Logic, sie gehört zur MARFIN Investment Group. Und zwar über den Computer. Warum stehen nicht überall Wahlbeobachter?
      So ist einer Manipulation durch EU und Amerika doch Tür und Tor geöffnet. Da verstehe ich Tsipras nicht.

  2. Trotzdem verstehe ich eines nicht, vielleicht kann mir das ein schlauer Kopf erklären. Warum lässt die griechische Regierung es zu, dass die Auszählung morgen von einer US-Firma mit engster Goldman Sachs Verbindung durchgeführt wird: Die Firma Singular Logic, sie gehört zur MARFIN Investment Group. Und zwar über den Computer? Warum werden nicht überall Wahlbeobachter bei den Auszählungen hingestellt, um genau das zu vermeiden?
    Denn so sollte Tsipras doch klar sein, dass der Ausgang wahrscheinlich manipuliert wird. Kapier ich nicht.

  3. Trotzdem verstehe ich eines nicht, vielleicht kann mir das ein schlauer Kopf hier erklären. Warum lässt es die griechische Regierung zu, dass die Auszählung morgen von einer US-Firma mit engster Goldman Sachs Verbindung durchgeführt wird: Die Firma Singular Logic, sie gehört zur MARFIN Investment Group. Und zwar über den Computer. Warum stehen nicht überall Wahlbeobachter?
    So ist einer Manipulation durch EU und Amerika doch Tür und Tor geöffnet. Da verstehe ich Tsipras nicht.

  4. die politik der geldgeber hat auch ihre fehler aber die syriza/anel regierung hat auch keine vorschläge unterbreitet wie sie die krise angehen will.jedenfalls hat sie keine vorschläge gemacht in der die einnahmen gesteigert werden-auch haben sie die liste von christine lagarde von 23 zu prüfende personen auf gerade einmal um 20 personen auf jetzt gerade einmal 43 erhöht,auch will man die reichensteuer einführen und gleichzeitig hat man die steuerbefreiung der reeder verlängert-weil sie nicht zu den reichen zählen?auch ist nicht zu verstehen das die syriza/anel regierung das 70 zu 30 angebot abgelehnt haben,den damit hätten sie für zwei milliarden euro sozialprogramme beschliessen können-und da griechenland ab dem 1.7. kein programm land mehr ist ist das referendum sinnlos,den egal wie es ausgeht es muss ein neues programm ausgehandelt werden-

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