Gewitter über der Akropolis: Ausschreitungen in Athen

Gestern Abend kam es wieder zu schweren Ausschreitungen in Athen. Wir erinnern uns noch an die langanhaltenden Straßenkämpfe im letzten Jahr. Ist es angesichts der momentanen Lage eigentlich verwunderlich, wenn griechische Bürger nicht vor Gewalt zurückschrecken? Gibt es einen Punkt an dem Gewalt gegenüber dem Staat gerechtfertigt ist?

Von Andre Eric Keller

Grundsätzlich wollen wir alle nur das Eine: Wir wollen eine Familie, einen halbwegs guten Arbeitsplatz und wir wollen in Frieden leben. Ob wir in Frieden leben, können wir nicht immer beeinflussen. Dank der Europäischen Union, die zugleich auch die Friedensunion ist – ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis – leben wir in einem Hort des Friedens, der Freude und in Harmonie bis ans Ende unserer Tage. Die Brathühner fliegen uns in die Mäuler, Bier fließt in den Bächen, warum sonst will Gott und die Welt Europa erreichen?

Nachdem wir wieder aufgewacht sind müssen wir feststellen, dass es das Europa welches uns versprochen wurde niemals gab und nie geben wird. Die meisten Staaten die in den Euro gelogen wurden, haben mit diesem Fehlkonstrukt massive Probleme – die Wirtschaft kollabierte und die Menschen mussten verstärkt Lohneinbußen und Arbeitslosigkeit hinnehmen. Prosperität schaut anders aus. Nur eine Hand voll Staaten konnten sich durch Krise und Börsencrash halbwegs gut durchwursteln, dazu gehören Deutschland und auch Österreich. Wer das Pech hat im Süden Europas auf die Welt gekommen zu sein, muss zusehen wie es dem Norden gut geht – sie selbst müssen aber für wenig Geld schuften. Viele Menschen wissen nicht einmal wo sie die nächste Mahlzeit herbekommen. Nein, wir reden nicht von Afrika, sondern von der Europäischen Union.

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Im Falle Griechenlands, welches jetzt schon gut 7 Jahre unter der Krise leidet, selbst verschuldet und auch dank der Toika und der massiven Sparpolitik, muss man verstehen wie es den Menschen dort geschieht. Gerade als sie doch noch der Politik Vertrauen entgegenbrachten und die Syriza stärkten, wurden sie – wie so viele Male zuvor – erst wieder äußerst brutal hinters Licht geführt. Wozu hat man sich von den Parteien der Mitte abgewandt, wenn die gleichen Verräter auch links und rechts von ihnen sitzen? Und jetzt haben es die Menschen einfach satt. Denn zuerst auf Demokratie machen, gleich darauf der Finanzdiktatur in den Allerwertesten zu kriechen, das versteht der Hellene nicht, das versteht auch das übrige Europa nicht. Wen wundert es, dass radikale Kräfte die Situation ausnutzen und sich auf Straßenschlachten einlassen. Die Wut der Bevölkerung muss auf die Straße, auch wenn wir friedliche Demonstrationen bevorzugen. Doch irgendwann ist genug geredet, dann folgen eben Taten. In Griechenland dürfte es wieder einmal so weit sein.

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4 Kommentare

  1. Jetzt geht’s loo-os : „Friede den Hütten, Kampf den Palästen“. Das Volk hat lange genug, die Augen vor den Zockerbanden und den Eierlosen- Diätenschmarotzern verschlossen. Das sind erst die Anfänge-, der Süden der Eurozone wird nachkommen. Zocker und Steuerhinterzieher gehören einteignet, damit würde ein Exempel für eine bessere Welt statuiert. Die Macht muss von dem Geld, und das Geld von der Macht getrennt werden-, zumindest- so gut es möglich ist. Aber man macht einfach nichts. Man trifft zusammen- dafür gibt man Millionen aus – und nichts geschieht. Nur ein Zirkus der Pappnasen !

  2. Wie weit ist die Gesellschaft gekommen?! Als gr. Exektive würde ich sie machen lassen.
    Gewalt löst zwar nie Probleme, aber was hat all das vorher den Griechen gebracht?
    NICHTS!
    Gewalt ruft die radikalen auf den Plan und das muss immer verhindert werden.
    Es ist traurig, einfach nur noch traurig.

  3. Auch die Unruhen könnten ebenso wie zuvor Tsipras Inszenierung als Volkstribun Teil eines zuvor gefassten Plans sein. Für die USA wäre sicherlich eine „ägyptische Lösung“ für Athen zu favorisieren, bei der eine Militär-Junta ihre Weisungen direkt aus der US-Botschaft bzw. in Wirtschaftsfragen von der Troika erhält. Der EU-Öffentlichkeit werden die Medien den Putsch dann als präventive Maßnahme gegen die Auflösung staatlicher Strukturen und selbstverständlich ganz zum Wohl des griechischen Volkes verkaufen, was alle dann im Einklang mit den Prinzipien der Westlichen Wertegemeinschaft verstehen, derweil das Land von Finanzinvestoren ausgeplündert wird.

  4. Die Menschen verteidigen ihr Land vor drohendem Ausverkauf des Landes bei der "Privatisierung". Wie das geht müssten die Deutsche  aus der DDR am besten wissen, wo man  85% der Betriebe und Kombinate, die am Boden Lagen, für ein Appel und ein Ei  an Wessis gGeschäftemacher  verscherbelte. Die haben anschließend Milliarden Gelder für "beabsichtigte" Sannierung  kassiert und.. Menschen zum Arbeitsamt geschickt… Insolvenz angemeldet.. DAS wissen die Griechen was auf sie zukommt. Die Heuschrecken aus USA und aus  D-EUtschland scharren schon mit Füßen. Warum WIR alle andere Menschen für denkunfähig halten ! Letztendlich geht es um die Eroberung Griechenlands  mit Mitteln der TROIKA. 

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