EU: Katerstimmung nach dem Volksentscheid

Das überraschend deutliche "OXI" der Griechen zum "Angebot" (lies: Erpressung) der sogenannten Geldgeber sorgt bei weiten Teilen der Brüsseler Eurokraten für eine Art Schreckstarre. Um so mehr und auch entsprechend lauter hingegen erschallt der Jubel von den politischen Rändern.

Von Marcello Dallapiccola

Was haben die deutsche "Linke" und die österreichische FPÖ, was die spanische PODEMOS und die britische UKIP gemeinsam? – Sie alle haben der griechischen Regierung und ihrem Volk nach dem OXI lauthals und enthusiastisch gratuliert. Denn so spinnefeind sich die Apologeten der oben genannten Bewegungen in den meisten weltanschaulichen Punkten auch sein mögen, in einem sind sie sich einig: In ihrem grimmigen Zorn gegenüber der EU.

Die Mitte hält nicht mehr

Und wie alle Umfragen in letzter Zeit übereinstimmend zeigen, können sie sich mit dieser Haltung auf einen stetigen, weiteren Zuwachs ihrer Lager freuen. Während es im Norden eher nationalitische, rechte Bewegungen sind, die den Zulauf erhalten, scheint es die Menschen im Süden eher zu revolutionären, linken Bewegungen hinzuziehen; darüber hinaus gibt es eine wachsende Zahl von alternativen Strömungen, wie etwa Libertäre, Anarchisten, Radikal-Ökos, Islamisten (deren "Import" von der EU massiv gefördert wird) oder einfach Menschen, die die Schnauze gestrichen voll haben und aus Prinzip gar nicht mehr wählen gehen. Nicht wenige von denen organisieren sich allerdings überparteilich und kochen ihr ganz eigenes Süppchen; besonders erfolgreich sind da im Moment die Islamisten, alle anderen haben hier definitiv noch Boden gut zu machen.

Längst sind die Nichtwähler die stärkste "Wähler"gruppe – ein Umstand, der immer dann besonders eklatant zutage tritt, wenn eine EU-Wahl ansteht. Nur die unterwürfigsten und hirngewaschensten Schäflein glauben weiterhin den unverschämten Lügen der Wahlversprechen und machen brav ihr Kreuzchen bei den ewig gleichen Laberköpfen der sogenannten "politischen Mitte" – solchen Hammeln haben wir hauptsächlich den Schlamassel zu verdanken, in dem wir alle stecken. Aber dennoch dünnt die Mitte zusehends aus, die Ränder gewinnen an Stärke.

Widerstand wächst kontinuierlich

"Völker, hört die Signale" hieß es einst; nun, die Völker haben die Signale schon lange vernommen, der Widerstand zieht immer weitere Kreise. Auch der letzte, artige Systemknecht hat inzwischen mitbekommen, was hier gespielt wird: Der monströse Beamtenapparat in Brüssel hat versagt, ist unfähig bis ins Knochenmark hinein. Kein Wunder, wenn man den ausrangierten Beamtenschrott aller Mitgliedsländer dort endlagert, die Typen, die schon daheim in Ungnade gefallen sind oder so grandios Mist bauten, dass man sie aus der Schusslinie nehmen musste. Gut, Inkompetenz auf allen Linien ist man von den einheimischen Regierungen ja schon gewohnt, möchte man meinen – doch Brüssel geht einen Schritt weiter: Sie sind nicht nur dumm, raffgierig und unfähig, sie gängeln und piesacken einen auch noch mit blödsinnigen Verordnungen.

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Nicht wenige haben den Eindruck, dass alles nur mögliche getan wird, um Bürgern und kleinen Unternehmern das Leben so schwer wie möglich zu machen; im Gegenzug wird nichts, aber schon gar nichts unternommen um die Party der amoklaufenden Banken endlich zu beenden, die Finanzmärkte an die Kette zu nehmen und die extremen Vermögen der Superreichen gebührend zu besteuern.

Auch was sonst so in Brüssel getrieben getrieben wird – von den hirnverbrannten Wirtschaftssanktionen gegen Russland über die Finanzierung des faschistischen Putsch-Regimes in Kiew, von der Hilflosigkeit gegenüber den Flüchtlingsströmen über die Auferzwingung des Gender-Schwachsinns in allen Lebensbereichen, vom Kniefall vor dem Einzug des radikalen Islam bis zu den streng geheimen TTIP-Verhandlungen, die weit über 70 Prozent aller (Zwangs-)EU-Bürger offen ablehnen, et cetera pp. – erweckt bei einem großen Teil der Bevölkerung nicht eben den Eindruck, dass die Eurokraten in Brüssel sich auch nur einen Dreck um die Befindlichkeiten der europäischen Bürger scheren.

"OXI" – Ein Fanal?

Wenn man dran denkt, dass wir mit unseren Steuergeldern dieses Monument des sinnentleerten Beamtentums auch noch zwangsweise finanzieren und erhalten müssen, könnte einem doch glatt die Galle hochkommen. Den Griechen ist sie offenbar hochgekommen: Trotzdem Lagarde, Draghi und vor allem Jucker wie üble Schulhofschläger mit dem Springmesser in der Hand vor ihnen herumfuchtelten, haben sie NEIN gesagt. Die Technokraten haben ein Land, eine ganze Volkswirtschaft so sehr an die Wand gedrängt, dass es gar keine andere Möglichkeit mehr sah, als den Schlägern trotzig die Faust entgegenzustrecken.

Jetzt haben die üblen Typen ein Problem: Wenn sie das einem durchgehen lassen, werden andere kommen und dasselbe haben wollen. Dass die Troika in den letzten fünf Jahren über 90% der griechischen Schulden von den Banken auf den europäischen Steuerzahler umgeschichtet hat, könnte jetzt zum Bumerang werden, wenn der Großteil der vielbesungenen "Braven und Anständigen" das erstmal kapiert hat. Deshalb sieht Schäuble auch seit Montag aus, als ob ihm ein Magengeschwür aufgeplatzt wäre.

Wenn bei den feinen Herren Krawattinger in Brüssel nicht ganz schnell die Vernunft Einzug hält, wird das bereits schwer angeschlagen durch den Ring torkelnde Monstrum EU unter dem ratlosen Gemurmel ihrer Beratschlagungen zusammenfallen. Es stehen noch einige Wahlen an in diesem Jahr: Portugal, Polen, Spanien. In all diesen Ländern stehen Bewegungen bereit, die weit jenseits des neoliberalen, aasfresser-kapitalistischen, US-hörigen Austeritäts-Schmonzens stehen, für den die sogenannte "politische Mitte" steht und den sie sich auch noch erfrecht, als "Politik" zu bezeichnen.

Der "Wind of Change", der den Millionen griechischen Kehlen entwich, als sie im Gleichklang "OXI!" riefen, wird auch in diese Länder hinein wehen. Und es ist höchst an der Zeit, dass die Völker Europas bei der Gestaltung ihrer Lebensumstände ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

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4 Kommentare

  1. In den letzten Tage geht in Griechenland aber auch alles in die Hose. Dass die Idee der Volksabstimmung auch noch vom obersten Gericht freigegeben würde, war schon erstaunlich. Dass die Zählmaschine, an dessen Justierknöpfen ein gewisser David Howell Petraeus vollkommem hilfslos agierte, war auch nicht mit zu rechnen gewesen, denn die Auszählung sollte doch ein „JA“ ergeben.

    Und da der forsche Selbstdarsteller und heimliche Trojaner der Finanzoligarchie Yanis Varoufakis total versagte, macht die Lage nun ganz unübersichlich. – Deshalb mußte Letzterer auch ganz schnell aus dem entstandenen Chaos genommen werden. Er selbst schaut sich das Ganze nun durch die Fenster seines Luxuspenthouses hoch über den Dächern gelassen an. In dieser exquisitesten Lage Athens hat er auch keine Nachstellungen von unbequemen Medienvertretern zu fürchten. Er ist aus dem Spiel genommen.

    Das Militär kann im Moment auch nicht die Lage beeinflussen, denn das sähe zur Zeit wirklich nicht so elegant und geschmeidig aus.

    Tsipras und seine Mitstreiter sollten Ruhe bewahren, denn die Zeit arbeitet im Moment für sie. – Heimlich könnten sie ja mal die alte Druckmaschine im Keller ausprobieren. Vielleicht funktioniert die noch.

    1. Wir wandeln den bekannten Spruch auf den Werbebändern in der ehemaligen DDR etwas ab und sagen:

      VON GRIECHENLAND LERNEN HEISST SIEGEN LERNEN !

  2. Ich bin der Überzeugung, dass dieses „Oxi“ auch der Schlusspunkt dieses Idiotischen Verhandlungsreigens war.
    Der Grexit, sprich die Drachme ist auf Schiene und wird wohl schon nächste Woche ausgegeben.
    Es gibt einen Schuldenerlass und eine Finanzierung dieses holprig werdenden Übergangszeitraums.

    Aus und vorbei.

    Das erste Land ist herausgebrochen, weitere werden folgen.

    Der Euro ist Geschichte. Ein schlechter Tag für die hebräischen Finanzoligarchen. Ein guter Tag für Europa. Ein herzlicher Dank dafür an die Griechen.

  3. „Der monströse Beamtenapparat in Brüssel hat versagt, ist unfähig bis ins Knochenmark hinein“ kann man so nicht sagen. Im Sinne ihrer Auftraggeber haben sie doch schon sehr viel erreicht:
    – Sie haben alle Euro-Länder in die Schulden-Falle getrieben und so die Staaten angekettet.
    – Sie haben den Banken riesige Gewinne beschert und diese mit Gesetzen auch für die Zukunft gesichert.
    – Sie haben sehr viel Geld von unten nach oben verschoben.
    – Sie haben ein Europa geschaffen, in dem der kleine Mann die ganze Last trägt und der grosse Mann die Früchte davon ernten kann.
    – Mit TTIP werden sie alle Sozialstaaten zerstören und Konzern-Justiz einführen
    – Sie haben zugelassen, dass ihre Auftraggeber ganz Osteuropa (ohne Russland, natürlich) aufrüsten können und so die Basis für den Krieg gegen Russland zwecks Plünderung der Bodenschätze gelegt.
    – Sie haben mit den Sanktionen erreicht, dass Europa und Russland wirtschaftlichen Schaden erleiden und so gleich zwei Konkurrenten ihrer Auftraggeber geschwächt.
    – Mit dem ESM haben sie gegen das wohl wichtigste Versprechen zur Euro-Einführung gebrochen (Keine Schuldenunion!) und sind damit durchgekommen.
    – Sie haben dafür gesorgt, dass die Privatsphäre für die Menschen abgeschafft wurde, während sie selber wichtigste Abkommen im Verborgenen aushandeln und abschliessen können.
    – Sie schaffen immer neue Gesetze, welche uns immer mehr einsperren, geniessen selber aber diplomatische Immunität.
    Also insgesamt sind die Leute in Brüssel doch sehr erfolgreich und klug in ihrem Tun. Das ist eben nur eine Frage der Perspektive.
    Leider sind es wir, der Pöbel, der versagt hat. Wir lassen diese Hochverräter gewähren aus Angst, dass das bisschen, was sie uns noch gelassen haben, auch noch zu verlieren. Paradoxerweise wird es genau diese Angst sein, welche genau dazu führen wird.

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