Der Bund der Steuerzahler hat berechnet, dass die Deutschen seit heute um 06:14 Uhr wieder für ihre eigene Brieftasche arbeiten. Bis dahin war rechnerisch alles für den Staat. Doch die Rechnung hat einen Fehler.

Von Marco Maier

Auch wenn sich der Bund der Steuerzahler gerne als "Anwalt der Steuerzahler" aufspielt und dabei vergisst, dass schlussendlich alle Menschen zusammen "der Staat" sind, so spricht er dennoch immer wieder Themen an, die diskutiert gehören. Denn nur Teilaspekte anzusprechen und andere zu verschweigen, ist gerade in Sachen Steuern und Abgaben ein falsches Spiel. Dies wird anhand der folgenden Zahlen deutlich.

So schreibt der Verein: Von jedem Euro aus dem Einkommen gehen statistisch 52,4 Cent in Form von Einkommensteuern und Sozialversicherungen an den Staat. Nur 47,6 Cent bleiben damit netto übrig. Was der Steuerzahlerbund dabei jedoch vergisst, sind die Konsumsteuern. Denn rein rechnerisch machen Lohn- und Einkommenssteuern rund 34 Prozent des Steueraufkommens aus. Konsumsteuern (USt, EUSt, TabSt, Energiesteuer usw.) hingegen schlagen mit rund 41 Prozent zu Buche.

Bedenkt man, dass bei einer gesamten Abgabenbelastung von 39,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 22,7 Prozent auf die Steuern entfallen, wird das schlussendliche Ergebnis deutlich: die Hauptlast der gesamten Abgaben tragen nicht die Unternehmen, sondern die Bürger. Denn im Endeffekt ist die Belastung durch die Lohnsteuer gleich hoch wie jene durch die Umsatzsteuer.

Deutlich wird die tatsächliche Steuer- und Abgabenbelastung, wenn man einfach nur einen Monat lang jede Rechnung aufbehält und dann die dort ausgewiesenen Steuern notiert, dazu noch anteilig die Grundsteuer, KfZ-Steuer und dergleichen hinzurechnet. Denn, gehen wir einmal davon aus, dass einem Normalverdiener (inkl. Arbeitgeberanteil) etwa 45 Prozent der Lohnkosten abgezogen werden, dann bleiben noch 55 Prozent übrig. Davon gehen (je nach Lebensstil) in etwa noch einmal ein Fünftel an diversen Steuern und Abgaben (Umsatzsteuer, Energiesteuer, Tabaksteuer, Versicherungssteuer, Kraftfahrzeugsteuer…) weg. Bleiben also noch 44 Prozent übrig.

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Das heißt: Während die gesamte Volkswirtschaft inklusive Unternehmen eine durchschnittliche Belastung von 39,3 Prozent trägt, haben die Erwerbstätigen selbst eine deutlich höhere Belastung zu tragen. Der Arbeitnehmer selbst wie auch eigentlich alle klein- und mittelständischen Unternehmer, die dem Fiskus voll ausgeliefert sind, während die großen Konzerne (eigentlich wettbewerbsverzerrend) ihre Steuer- und Abgabenlast durch abenteuerliche Firmenkonstruktionen und Steueroasen dramatisch reduzieren. Ein gerechtes Steuersystem sieht jedenfalls anders aus.

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2 thoughts on “Abgabenquote: Was der Bund der Steuerzahler nicht benennt”

  1. Danke für diesen Zusatz. Dies zeigt, dass Menschen, die nahezu ihr gesamtes Einkommen mehrwertsteuerbehaftet ausgeben müssen (Familien mit Kindern!) die höchste Steuerlast zu tragen haben. Besserverdiener und Kinderlose haben hingegen mehr übrig, um z.B. steuerfreie Spekulationsgewinne einfahren zu können; die Letztgenannten sind dann sogar noch Nutznießer, dass anderer abgezwockter Leute Kinder ihnen später die Rente erwirtschaften. Ach ja, jetzt kommt wieder die leidige Kindergelddiskusion – KiGe reicht gerade für den Kindergarten und später für den Schulbus!

  2. Ob es sich irgendwann herumgesprochen hat, wieviele Milliarden Euro durch die gigantische Umverteilungsbürokratie verschlungen werden? Steuervorteile und Subventionen sind volkswirtschaftlich grober Unfug!

    Statt vieler Erhebungsformen kann das Endziel eine einzige Steuer sein, was im Laufe von 30 Jahren machbar ist. Die Fachleute für diesen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel haben wir. Und das Steuervieh würde sofort zustimmen, weil es dann nämlich einkommensteuerfrei lebt.

    Wenn am Ende der Reform nur noch Umsatzsteuer gezahlt wird, sind die meisten der heutigen wirtschaftlichen Probleme in diesem unserem Lande gelöst. Nur wer Geld ausgibt, zahlt auch Steuern, sonst niemand. Eine solche Steuerreform ist mehrheitsfähig, weil ALLE davon profitieren, auch die, die heute “steuerfrei” sind.

    Hans Kolpak

    Goldige Zeiten

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