Vor 239 Jahren verabschiedete der zweite Kontinentalkongress die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, verfasst von Thomas Jefferson, unterzeichnet von den 56 Delegierten der dreizehn Bundesstaaten. Somit berufen sich die Vereinigten Staaten seit diesem Tag auf ihr Recht der Unabhängigkeit, vorrangig von der britischen Krone.

Von Marcel Grasnick

Seit 239 Jahren feiern die USA ihren Independence Day. Ihre Freiheit von der Joch der Monarchie. Dabei überlesen die meisten jedoch den wahrscheinlich wichtigsten Satz dieses einmaligen Dokuments, vornehmlich die Vertreter der Regierung, aber auch alle Wähler, die dieser die Legitimation verleihen:

"Wenn aber eine lange Reihe von Misshandlungen und gewaltsamen Eingriffen, auf einen und eben den Gegenstand unablässig gerichtet, einen Anschlag an den Tag legt sie unter unumschränkte Herrschaft zu bringen, so ist es ihr Recht, ja ihre Pflicht, solche Regierung abzuwerfen, und sich für ihre künftige Sicherheit neue Gewähren zu verschaffen.“

Die Vereinigten Staaten treten seit Jahren, Jahrzehnten – wenn nicht gar seit Jahrhunderten – ihre eigene Verfassung mit Füßen. Sie feiern ihren Unabhängigkeitstag und machen dafür die Welt von sich abhängig. Welch blanker Hohn doch ihre eigene Verfassung, ihr ureigenstes Grundsatzpapier doch geworden ist. 1776 in gutem Glauben verfasst, man mag gar hehre Absichten unterstellen. Es geht um die grundsätzliche Freiheit der Menschen, natürlich in erster Linie um die Freiheit der Amerikaner vor der Herrschaft der englischen Krone.

Und doch, gute 200 Jahre später, können wir den Amerikanern die gleichen Unrechtmäßigkeiten vorwerfen, die diese damals dem englischen König (Georg III. Wilhelm Friedrich) vorwarfen. Unrechtmäßigkeiten in der Form wie unter anderem:

– die Rechtsprechung zu behindern und zu korrumpieren,
– die Bürokratie zu vergrößern,
– ohne gesetzliche Grundlage stehende Heere in Friedenszeiten zu unterhalten,
– ungesetzlich die Einquartierungen von Truppen befohlen zu haben
– ausländische Söldner ins Land gebracht, um „die Werke des Todes, der Zerstörung und Tyranney zu vollführen, die bereits mit solchen Umständen von Grausamkeit und Treulosigkeit angefangen worden, welche selbst in den barbarischen Zeiten ihres Gleichen nicht finden, und dem Haupt einer gesitteten Nation gänzlich unanständig sind“.

Es ist traurig zu sehen, zu lesen und zu erleben, dass die Werte, auf deren Grundlage die Vereinigten Staaten gegründet wurden, eben von dieser nicht nur mit Nichtbeachtung bestraft werden, sondern sogar in vollem Bewusstsein ignoriert, für null und nichtig erklärt und mit den Füßen getreten werden. Werte, deren Wert nicht mehr bewusst ist, verdienen diese Bezeichnung einfach nicht. Es sind keine Werte mehr, die verteidigt werden. Zumindest keine mitmenschlichen Werte. Man kann den USA und ihren Vertretern nicht einmal mehr vorwerfen, nur ihre wirtschaftlichen Werte verteidigen zu wollen. Wo nichts ist, kann auch nichts verteidigt werden. Was die USA jetzt um treibt, ist ein offen provozierter Konflikt und zwar weltweit. So etwas hat einfach nichts mehr mit Werten zu tun.

Es wird Zeit, dass eine neue Unabhängigkeitserklärung geschrieben wird und zwar diese von allen Nationen dieser Erde. Der Wortlaut könnte ungefähr der gleiche bleiben, so falsch sind die Anschuldigungen auch heute nicht. Leider. Nur die Namen sind auszutauschen. Ich persönlich würde ungefähr so formulieren: "Wir, die freien Völker dieser Erde … " Und als Beschuldigter nicht mehr die englische Krone, obwohl so unschuldig diese auch nicht ist, sondern in erster Linie die Regierungen der USA. Es wird Zeit, dass sich das amerikanische Volk wieder an ihre Unabhängigkeitserklärung erinnert, an den Wortlaut dieser und sie nicht mehr als das betrachtet, was sie heute nur noch wert ist: als eine Touristenattraktion.

3 KOMMENTARE

  1. In 90 Prozent des heutigen USA-Territoriums ist die Feier der „Unabhängigkeit“ dieses Sklavenhalterstaates völlig sinnlos, denn alle diese zusammengeraubten Ländereien, seien es nun Florida, Texas, Kalifonien, Colorado, Nebraska, Utah usw., waren ja am 4. Juli 1776 bereits unabhängig – sie gehörten den Indianern. Ich habe im Internet einmal gelesen, daß der eigentliche Grund für die „Unabhängigkeitserklärung“ der gewesen sein soll, daß England seinen amerikanischen Kolonien eine weitere Ausdehnung und Kolonisation nach Westen untersagt hatte.

    Bei all den Einschränkungen, die USA-Reisenden aus Europa heutzutage zugemutet werden, wäre es daher sicher mehr als angemessen, von jedem nichtindianischen USA-Bürger, der nach Europa einreisen möchte, ein durch entsprechende Urkunden beweiskräftig untermauertes Zertifikat zu verlangen, daß der Grund und Boden, den er bewohnt, auf rechtmäßige Art und Weise von den Indianern erworben wurde.

  2. Ich hätte einen Vorschlag für eine Neudeutung und einer neuen Sinngebung für den 4.Juli. Die USA machen sich unabhängig von Europa und lassen uns endlich in Ruhe. Dann könnten wir auch unsere Unabhängigkeit von den USA feiern und wir hätten eine positive Gemeinsamkeit. Die Unabhängigkeitsfeier voneinander. Könnte der gleiche Tag sein. Da würd ich sogar mal tiefer ins Glas schauen, und über den Durst trinken, was ich sonst vermeide.

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