Bild: WikiLeaks

Vor einer Woche veröffentlichte WikiLeaks über 60.000 geheime Dokumente des Wüstenstaates. Da vorwiegend in arabischer Sprache berichtet wurde und es nicht unbedingt wenig an Informationen war, die man verarbeiten musste, musste man abwarten, was dabei herauskam. Ein kleiner Überblick.

Von Christian Saarländer

Vorweg: Die beste Arbeit leisteten die internationalen Medien, wo es unter anderem auch in derem Mainstream noch Journalisten gibt, die sich mit den Dokumenten noch ernsthaft befassen dürfen. Contra berichtete letzte Woche bereits, dass die internationalen Leitmedien mit Geld zum Schweigen gebracht worden sind. Weiterhin muss anfangs festgehalten werden, dass nicht alleine nur auf die jetzigen SaudiCables hingewiesen werden muss, um die negative Staatsentwicklung, die sich um Wüstenstaat in diesen Jahren abzeichnete.

Auf dem unteren Tweet hat WikiLeaks ein US-Dokument aus den CarterCables herausgepickt, welches aus der damaligen US-Sicht beschreibt, warum dem streng konservativ islamischen Staat in ihrer Staatsführung freie Hand gelassen wird. Natürlich geht es um Öl und die damalige Öl-Krise mit dem die OPEC-Staaten massiv Druck auf die westlichen Industrieländer ausübten.

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Von den Carter-Cables zu den Saudi-Cables

Die australischen Medien sind dafür bekannt, dass diese sich den WikiLeaks-Veröffentlichungen annehmen, wobei offen gelassen werden kann, ob dies der Tatsache geschuldet ist, dass WikiLeaks-Chefredakteur Julian Assange Australier ist. Die australischen Medien berichten, dass die arabische Welt ein besonderes Interesse an dem Kontinent hat, der auch eine große muslimische Diaspora aufweist. Heraus kam neben der Tatsache, dass die australischen Diplomaten es nicht immer so einfach hatten, ein Treffen mit dem saudischen Prinzen zu bekommen. Unter anderem auch die Tatsache, dass man in Sachen „Anti-Terror“ eine Zusammenarbeit aufbauen wollte und der Wüstenstaat bereits seinen Einfluss auf den dem Westen zugeschriebenen Kontinent hatte, trug dazu bei.

Das Australische Magazin „The Age“ berichtete darüber und betonte zudem den Einfluss durch die Medien. Schecks zwischen 10 und 40.000 Dollar sollen immer wieder geflossen sein. Zudem weiteten die saudischen Diplomaten die kulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten aus. Und: Anscheinend hat sich das Geld recht gut gelohnt, wenn man sieht, was erst mal um den Gloubus herum über die WikiLeaks-Veröffentlichung geschrieben wurde. Primär schrieb man anscheinend um die Warnung die „gefälschten Leaks“ zu publizieren, die von Saudi-Arabien verlautbart wurde. Der Staat im Nahen Osten liebt normalerweise Leaks, natürlich nur die über andere Staaten.

Zurück zu den Dokumenten: Die Cables, so umgangssprachlich zu von Diplomaten und deren Bediensteten verfassten Schriftstücke. Diese sind natürlich anders als beispielsweise die TPP oder TISA-Leaks in erster Linie Dokumente, die über einen längeren Zeitraum hinweg verfasste Schriftstücke, die entweder einen streitigen Fakt in der Gegenwart entweder bestätigen oder als falsch darstellen lassen, deswegen so interessant, weil sie bereits lange vor WikiLeaks verfasst wurden. Über Amerika beispielsweise sind diese deswegen so relevant, weil man dort Fakten gegenliest, die durch die Amerika sonst nach dem Prinzip der Glaubhaften Abstreitbarkeit geleugnet und vertuscht wurden.

Vor allem deckten die internationalen Medien viele Beispiele für die These auf, dass der Staat auf der Arabischen Halbinsel versuchte, die Berichterstattung im Nahen Osten zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Der Aufstand in Bahrain, wie oben gesehen Australien, der Libanon, Libyen und so weiter. Besonders interessant ist auch, wie sich ein Fakt, den man aus den US-Dokumenten bereits kennt – Contra Magazin berichtete – dass die Spitzen des saudischen Imperiums den Koran nicht so ernst nehmen, wie man es selbst von den Untergebenen erwartet. Auf den Aufstand in Bahrain sei hingewiesen, dass dort lediglich Al-Jazeera selbst vor Ort war. Al-Jazeera war unter anderem auch treibende Kraft, was die Fehlberichterstattung im Hinblick auf den arabischen Frühling betrifft. Es war selbst unseren westlichen Leitmedien schon zu viel. Im Hinblick auf die WikiLeaks-Enthüllung plapperte der internationale Fernsehsender lediglich die Warnung vor „gefälschten Leaks“ aus, welche von offizieller saudischer Seite ausging.

Der Online-Auftritt der Basler Zeitung widmet in ihrem Artikel in einem Absatz über die „Durstigen Diplomaten“. Im Januar wurden anlässlich des Todes von König Abdullah Tatsachen bekannt, dass in den US-Dokumenten von einer schlüpfrigen Parallelwelt in Saudi-Arabien die Rede war, wo von Alkohol bis käuflichen Sex alles ging. Den Wink mit dem Zaunpfahl zu den US-Dokumenten im Hinblick auf die Diplomatischen Beziehungen gab im Januar die Whistleblower-Plattform selbst.

Weiter geht aus den SaudiCables hervor, dass der Wüstenstaat mit der Waffe des Wahabismus, eine zusammen mit dem Salafismus erzkonservative Ausübung des Islams, seinen Einfluss in Indien zu sichern versucht. Indien wird in Asien zusammen mit China zu den Staaten gezählt, die am stärksten wachsen werden. Indien soll China nach einhelliger Expertenmeinung auf jeden Fall überholen. In einem Interview mit dem Aktivisten Syed Ashraf Babar auf dem indischen Portal OneIndia wird über diese Beeinflussung gesprochen. Unter anderem wird dort auch die bekannte Unterstützung von al-Quaida und ISIS in den Nachbarstaaten angesprochen.

Es aber weiterhin spannend. Gerade nun, wo in Frankreich, Tunesien und Kuwait eine Terrorwelle startete und auch in Kobane wieder weit über hundert Zivilisten ermordet wurden, ist besonders jetzt ein weiteres Augenmerk auf die Dokumente zu setzen. Vor allem wird die in den westlichen Medien herrschende Ansicht immer mehr widerlegt, dass der Iran und Syrien der Aggressor im Nahen Osten sein sollen.

Im Folgenden wird nun gezeigt, dass die Dokumente durch die Fakten auch Fragen aufwerfen. Fragen auf die man – weshalb auch immer – schon eine eindeutige Antwort parat haben vermag. Stichwort „Arabischer Frühling“: Das oben angeführte Dokument, welches ausnahmsweise mal in englischer Sprache verfasst wurde, enthüllt dass in Libyen auf einmal chemische Waffen entdeckt worden sind, die man zunächst nicht zu identifizieren wusste. Im Oktober des gleichen Jahres wurde der einst auch von den westlichen Staatsmännern geachtete und geschätzte libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi auf brutalste Art und Weise ermordet. Über Gaddafi wurde in dieser Zeit sehr viel Unsinn berichtet und vieles was man in den Leitmedien damals lesen konnte, war nicht mehr als eine Kopie, die der westlichen und gerade der französischen Staatspropaganda entnommen wurde, die damals angeblich im Auftrag der Freiheit und Demokratie Bomben auf Libyen warfen. Aber das Wort Giftgas und deren Verwendung ist aber die Mär, die man über den syrischen Präsidenten Assad verbreiten wollte, damit der Westen dort wiederum für „Freiheit“ und „Demokratie“ einen souveränen Staat überfallen konnte.

Die iranische Nachrichtenagentur PressTV erinnert in ihrer Analyse um die WikiLeaks-Publikation unter anderem, dass Saudi-Arabien ohne ein UN-Mandat seit dem 26 März Luftangriffe gegen den Jemen fährt. Zudem ist laut dem Portal noch nicht die Frage geklärt ob nun 70.000 oder weit über eine halbe Million Dokumente publiziert wurden. Das Contra Magazin wählte letzte Woche auch die restriktivere Variante. Dieser Disput ist insoweit interessant, weil man alleine durch die streitige Anzahl von einer zunächst inhaltlichen Analyse ablenken möchte. Die Echtheit der Dokumente soll – laut PressTV – aber durch offizielle von WikiLeaks bestätigt worden sein.

Unter anderem betonte WikiLeaks-Pressesprecher Kristinn Hrafnsson, dass eine umfassende Analyse etwas länger andauern kann, aufgrund ihrer Anzahl sowie der Tatsache, dass diese überwiegend in arabischer Sprache verfasst wurden. Wer diese Sprache beherrscht und sich mit dieser Materie auseinandersetzen will, kann diese auf WikiLeaks abrufen und dort auch eine ausführliche formulierte Presseerklärung in englischer und arabischer Sprache finden.

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3 KOMMENTARE

  1. Wen wundert’s…?

    Warum sollten sich die selbsternannten Gralshüter des angeblich einzig wahren Glaubens anders verhalten, als alle anderen Gestalten, die es sich erlauben können, zu tun oder zu lassen was sie wollen.

    Ein Verhalten, simpel gedacht, wie auch nicht anders schon im dekadenten altrömischen Reich zu finden. Wenn Wein da war, wurde hemmungslos gesoffen und wenn Weiber da waren, wurden genderkorrekte Kochrezepte ausgetausch. Oder so ähnlich.

    Selbst menschenschindende Gesellschaftsschmarotzer haben schließlich auch gewisse Bedürfnisse. Maßlos, beiweilen pervers, aber es ist alles schonb mal da gewesen.

    Schließlich ändert sich in den läppischen zwei Jahrtausenden seit Rom ganz bestimmt weder das Genom noch die Unreife dieser erbärmlichen Lebensform, die nach wie vor als unweürdiger Parasit diesen Planeten bevölkert.

  2. Eine freundliche Anmerkung:

    Nur wenn ich als Brückenplaner zu Beginn 2 + 2 richtig berechnet habe, wird am Ende auch meine Brücke halten. So ist es doch auch mit politischen Einschätzungen, oder?

    „…Saudi-Arabien…streng konservativ islamischen Staat…“

    Warum das sogenannte „Saudi-Arabien“ kein islamischer Staat ist, sondern ein damals vom britischen Kolonialismus für die Herrschaft über die Region mit dem unvorstellbaren Terrorismus der Massaker an der arabisch-islamischen Zivilbevölkerung einer von den Sauds und Anhängern der vom Islam als Irrlehre abgelehnten Wahhabi-Sekte angeführten Wüstengangsterbande durchgesetztes islamfeindliches Besatzungsregime in Arabien; heute die giftige Quelle der weltweiten faschistisch-menschenhasserischen Zombisierung von Muslimen zu religionslos nihlistischen Amokläufern, streng westverbündet und mit Schutzmacht Washington:

    https://www.youtube.com/watch?v=x3zEBwqAEPk

    https://www.youtube.com/watch?v=6s0rIAvQTuY

    Sie beschuldigen Menschen als Ungläubige und damit automatisch auch den heiligen Propheten des Islam. Also, wie können sie islamisch sein? Terrorismus hat keine Religion – weder der Terrorismus des Ku-Klux-Klan eine christliche noch der Terrorismus von Al Kaida/IS eine islamische.

    Die gefälscht-islamischen Lohnterroristen ermorden fast ausschließlich Muslime:

    https://www.iraqbodycount.org

    Also, wie könnten sie Muslime sein.

    Sie zerstören jede heilige Stätte des Islam und beschuldigen Menschen Ungläubige zu sein, damit automatisch auch den Propheten des Islam und zeigen sich somit selbst als die Ungläubigen. Also, wie könnten sie etwas mit der Religion des Islam zu tun haben, hinter der sie sich feige verkleidet verstecken, um – bewusst oder unbewusst – für die Profitinteressen ihrer westlichen Herrschaften jedes noch so schreckliche Verbrechen zu begehen.

    „Sie kämpfen für Geld und ihr Gott heißt Nato“, sagt man in Syrien.

    Rechtsanwälte von „Judical Watch“ haben ein zuvor geheimes Dokumemt der US-Regierung herausgeklagt. Resultat: ISIS/IS ist, wie vormals die Contras, offenbar eine völkerrechtsverbrecherisch aufgestellte US-geführte CIA/Nato-Terrorarmee im Rahmen der verdeckten Kriegsführung, zum genozidalen Abschlachten der Zivilbevölkerung und dem flächendeckenden Verbreiten von Chaos und Vernichten ganzer Staaten. Infos zur Verurteilung der USA durch den Internationalen Strafgerichtshof in den Haag und die Internationale Gemeinschaft in Form der UNO-Vollversammlung hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Contra-Krieg#Verurteilung_der_USA

    und hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Nicaragua#Die_Sandinisten

    Die US-Planungen für eine später als „ISIS“ und dann als „IS“ betitelte Terrorarmee gehen demnach bis ins Jahr 2012 zurück (Klick auf das Bild öffnet das PDF):

    http://www.judicialwatch.org/document-archive/pgs-287-293-291-jw-v-dod-and-state-14-812-2/

    Kompletter Report:

    Pentagon report predicted West’s support for Islamist rebels would create ISIS – Anti-ISIS coalition knowingly sponsored violent extremists to ‘isolate’ Assad, rollback ‘Shia expansion’ – by Nafeez Ahmed

    https://medium.com/insurge-intelligence/secret-pentagon-report-reveals-west-saw-isis-as-strategic-asset-b99ad7a29092

    LUFTPOST bringt zum richtigen Einordnen eine gute Darstellung des großen Rahmens, die zur weiteren Verwendung gut aufgehoben werden könnte: Das Imperium will mit seinen Kriegen keine Siege erringen, sondern nur bleibendes Chaos anrichten. Peter Koenig, ein Wirtschaftswissenschaftler und geopolitischer Analyst aus der Schweiz, hat die Absichten, die das US-Imperium mit seinen ständigen Kriegen verfolgt untersucht und ruft die Weltbevölkerung zum Widerstand auf:

    http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP10115_220515.pdf

    „Die USA fragen sich, warum die Menschen auf der ganzen Welt sie hassen? Vielleicht sollten sie damit aufhören sektiererische Todesschwadronen zu unterstützen.“

    Kommentar in einem Diskussionsforum

    „Des Kapitalismus in der Krise wird aufrechterhalten mit den terroristischen Mitteln des Faschismus. Deshalb soll auch vom Faschismus schweigen, wer nicht vom Kapitalismus reden will.“

    – Professor Max Horkheimer, Mensch jüdischen Glaubens und Verfolgter des nazifaschistischen Hitler-Regimes

    „Faschismus ist als Geschichte bewahrt, als flackernde Filme im Stechschritt marschierender Schwarzhemden, ihre Kriminalität furchtbar und eindeutig. Doch in denselben freiheitlichen Gesellschaften, deren Krieg fabrizierende Oberschichten uns dazu drängen nie zu vergessen, wird die ständig schneller wachsende Gefahr einer zeitgemäßen Art des Faschismus verdrängt; weil es ihr Faschismus ist.“

    – John Pilger, Warum der Aufstieg des Faschismus wieder Thema ist, 2015

    Hauptsache jemand ist einfach ein Mensch.

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