taz: Wasser predigen und Wein saufen?

"Unabhängigen Qualitätsjournalismus" möchte die taz ihren Lesern und Genossen bieten. Weiters gibt man sich gerne als "ökologisch" und "links-rebellisch". Die aktuelle medienspezifische Berichterstattung zeichnet allerdings ein anderes Bild.

Von Lennox Linz

"Wasser predigen und Wein saufen" sagt man, wenn jemand sich selber Tugenden zuschreibt, die man selbst aber gar nicht pflegt. Wenn das linksgrüne Tageblatt taz in die Schlagzeilen anderer Portale kommt, dann scheint diese Phrase zutreffend zu sein. Gestern berichtete die rechtslastige Wochenzeitschrift "Junge Freiheit" über die Anfrage eines Berliner Senatsabgeordneten, welcher im Hinblick auf die Förderung der Berliner taz eine Antwort wollte. Die schriftliche Antwort ist als PDF-Datei hier abrufbar.

Neben der GEZ werden also auch nun die vermeintlich "unabhängigen, staatsfernen" Medien staatlich subventioniert. Das Geld kommt aber – wie bei der Deutschen Welle auch – vom Steuerzahler direkt und wird nicht durch schriftlichen Terror eingetrieben. Die Tatsache, dass die linke Zeitung nun nicht im Geld schwimmt, gibt sie selbst zu. Wer einen Artikel online lesen möchte, der bekommt erst mal den Vorschlag der Zeitung Geld zuzuführen, weil sich der Online-Journalismus anscheinend nicht anders finanzieren lässt. Zudem wird die taz bekanntlich zum größten Teil von ihren Genossenschaftern finanziert, die wiederum überwiegend aus dem Grünen Milieu stammen. Diese müssen trotz angeblich steigender Auflage ständig Kohle nachschießen, damit das Blatt am Leben bleibt.

Erstaunlich ist, dass sich die "Journalistenschule der Republik" dennoch mittels Krediten, Spenden und staatlichen Subventionen ein neues Redaktionsgebäude in der Friedrichstraße leisten kann. Entworfen wurde das Gebäude von einem renommierten Schweizer Architekten mit flippiger Brille, der bereits das Haus der grünlastigen Heinrich-Böll-Stiftung entwarf. Vor allem soll das Haus "ökologisch wertvoll" sein.

Lesen Sie auch:  Berlins Innensenator hält Migrantenquote in der Verwaltung für verfassungswidrig

Stichwort Ökologie: Die Anwohner der Berliner Friedrichstraße finden das neue taz-Gebäude gar nicht so toll. Auf dem Blog der taz selbst wird darüber geschrieben. Von letzten Bäumen in der Friedrichstraße bis zum Raub des Tageslichts der Anwohner ist wohl alles dabei, was nicht unbedingt für ein "ökologisch wertvolles" Bild der taz spricht. Auch vom ständigen Wachstum wird gefaselt und von immer mehr neuen Mitarbeitern. Aber warum braucht man dann staatliche Subventionen, Kredite und bettelt beim Online-Leser nach Spenden, wenn es doch ständig nach oben geht?

Loading...

Und ein langjähriger Mitarbeiter bekam auch die andere Seite der taz zu spüren, nachdem er über zunächst einen Skandal in der Süddeutschen Zeitung aufdeckte, dies auf seinem Blog veröffentlichte und prompt von seinem Arbeitgeber angezeigt wurde, weil er mit einem Keylogger seine Kollegen ausgespäht haben soll. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete ausführlich darüber.

Während der Whistleblower Edward Snowden ständig als Held gefeiert wird und ständig vorne mit dabei ist, wenn es darum gehen soll, die Rechte von Whistleblower zu schützen, so löst man solche Geschichte in den eigenen Reihen dann gerne typisch amerikanisch. Ähnlich ist es anscheinend auch, wenn es darum geht die großen Konzerne wegen schlechter Bezahlung anzuprangern. Die eigenen Mitarbeiter verdienen meist unter dem Durchschnitt und Praktikanten und Volontäre werden noch mehr ausgebeutet. Wer sich zwei Jahre bei der taz sich zum "Superjournalisten" ausbilden lässt, der bekommt den Bafög-Höchstsatz und eine Monatskarte für umme.

"Es gibt kein Schwarz und Weiß", dieser Spruch kann man auf dahingehend interpretieren, dass man nicht unbedingt Tugenden wie Geradlinigkeit gepachtet hat. Es gilt halt immer nur dieses und jenes was gerade passt. So kann man die aktuelle – um es westlich intercool auszudrücken – Policy der hippen taz, die so kulturell-marxistisch oder kultur-marxistisch wertvoll sein soll. Die obigen Geschichten stammen alle aus diesem und letztem Jahr und werden wohl noch weiter geschrieben werden. Ob diese einen guten Ausgang für das streitige Blatt haben wird, liegt in erster Linie am Blatt selbst. Man hofft natürlich das Allerbeste.

Teilen Sie diesen Artikel:

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

6 Kommentare

  1. Ich beobachte den Niedergang der taz jetzt seit 10 Jahren, das fing ziemlich genau mit dem Wechsel in der Chefredaktion an, von da an war die taz plötzlich so ein Berlin-Mitte-Ding, fair gehandelter Eiscafé, Lederstiefel von glücklichen Krokodilen oder so. Bei den klassischen Lackmus-Tests wie 9/11, Georgien-Konflikt oder NSU war nur noch Leitlinie Mainstream. Ab und zu so Alibi-Artikel dazwischen, die man auch im Boulevard finden würde wie „Voll dreist wie eine Kassiererin nach 20 Jahren wegen xy gefeuert wurde“, inzwischen kann man die taz eigentlich nicht mehr von einem x-beliebigem newsportal unterscheiden. das gleiche gilt übrigens für krautreporter, die mich durch ihre sofortige Anbiederung an den Mainstream – insbesondere was die Behandlung von Thilo Jung angeht – entsetzt haben.

  2. Wenn sich ein Betireb nicht rechnet, sollte er schließen. Das gilt auch für Zeitungen! Es ist eine Unverschämtheit, ständig mit Steuergeld etwas zu subventionieren, weil es den Politikern gerade passt.
    Jede andere Firma geht in die Insolvenz.

    Freiwillig bekäme die TAZ von mir keinen einzigen Cent!

    1. Die "Mächtigen" in dem Rinderstall mit der Kuppel, welcher sich in Berlin befindet, brauchen diese Schmierenblätter, um die träge Masse weiter zu regulieren. Da sind die Steuergroschen für die gut nagelegt. Wer für solche Blätter auch nur einen Cent ausgibt, dem ist nicht mehr zu helfen.

  3. Ich würde die taz NICHT als „links“ oder „Linksliberal“ bezeichnen – sie baggern eher am „Rechtsliberalen“ Rand nach Kundschaft! Man muss sich nur die unterirdische Berichterstattung über den Ukraine-Bürgerkrieg anschauen. Da wird offen mit den neuen Faschisten in der Ukraine sympathisiert. Auch den Russland- bzw. Putinhass liest man aus vielen Artikeln heraus.
    Die taz ist inzwischen ebensowenig „links! wie die Grünen! Ich habe die Zensur bei der taz oft genug kennengelernt.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.