Die konservativen Politiker Europas üben sich derzeit gemeinsam mit den Leitmedien in einer propagandistischen Kampagne gegen Griechenland und die Linksparteien in den Krisenstaaten. Es sei ein "Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei". Doch die wahre Barbarei kommt von den Finanzoligarchen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Niemand weiß was der "Grexit" – der Austritt Griechenlands aus dem Euro – wirklich für Konsequenzen mit sich bringt. Das Einzige was so ziemlich sicher ist, ist dass es nicht spurlos an den anderen Krisenstaaten vorbei geht. Immer mehr Spekulanten wetten jetzt auf fallende Kurse bei den Staatsanleihen Portugals, Spaniens und den anderen Krisenstaaten. Daran ändern auch die beschwichtigenden Worte Portugals Premierministers Pedro Passos Coelho nichts, der im Vorwahlkampf davon spricht, dass Portugal auf einen Austritt Griechenlands vorbereitet wäre…

Während in der Eurogruppe munter diskutiert und die Auszahlung der letzten Tranche des eigentlich längst beschlossenen Hilfspakets auf die lange Bank geschoben wird, gibt es Menschen die mit dieser Situation der Ungewissheit und Angst viel Geld machen. Unter ihnen sind auch Spekulanten, die auf fallende Kurse bei den Staatsanleihen der Krisenstaaten und damit auf den Dominoeffekt eines griechischen Staatsbankrotts setzen.

Viele Menschen die den Austritt Griechenland fordern, spielen das Spiel dieser skrupellosen Bankster mit und wissen oft gar nicht was da von Tsipras, Varoufakis und den Griechen verlangt wird. Ganz zu schweigen von den üblichen "ihr müsst die Renten kürzen, die Mehrwertsteuer erhöhen und dürft nicht in die Staatsunternehmen investieren (damit diese billig von den privaten Aasgeiern gekauft werden können)", haben wir die Auflage, Griechenland möge 2015 – 1 Prozent,  2016 – 2 Prozent,  2017 – 3,5 Prozent Primärüberschuss erwirtschaften.

Nun war das Land auf den neuen Weg der Syriza-Regierung eingeschwenkt und es kam bei vielen Griechen eine Aufschwungstimmung auf. Ganz nach dem Motto, jetzt werden wir ihnen zeigen was in uns steckt. Doch wurde schnell klar, dass die Griechen ihre Rechnung ohne Merkel, Schäuble und vor allem ohne die übermächtigen Märkte gemacht. Verschiedene Interessengruppen wollen ein Versagen dieser Verhandlungen und ob sich die Griechen, wie von Lagarde angedeutet, wie kleine Kinder benehmen oder ob es wohl eher der Herr Schäuble ist, der sich wie ein Dreijähriger in einer Trotzphase benimmt, ist hier die Frage. Aber nachdem der gute Mann wieder einmal Portugal, Spanien und andere in große Armut gestürzte Länder als Beispiel für den Erfolg seiner Austeritätspolitik genannt hat, ist klar wer hier kindisch ist.

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Man wirft Schäuble ja nicht umsonst vor, ein Sturkopf zu sein. Die Schwarze Null sagte gestern: "Dort wo in Europa Reformen nicht nur beschlossen sondern auch umgesetzt wurden, hat unsere Stabilisierungspolitik den letzten Jahren funktioniert. In Irland, in Portugal, in Zypern, in Spanien und in Griechenland auch, so lange wie dort Reformen umgesetzt worden sind. Wenn wir uns auf das was wir vereinbart haben gar nicht verlassen können, dann (…) werden wir das nicht schaffen."

Auf der anderen Seite haben wir die Hellenen, die wieder einen neuen Vorschlag unterbreitet haben. Doch hat der aufmerksame Beobachter immer mehr das Gefühl, dass es hier längst nicht mehr um Zahlen geht. Der Steuerzahler jedenfalls, ist das letzte woran ein Schäuble oder eine Merkel denken. Wenn es um Geld für die Ukraine geht, die Sanktionen gegen Russland oder irgend ein Mega-Millionengrab wie den Berliner Flughafen, dann sitzt das Geld der hart arbeitenden Bürger, welches den Weg in den Staatssäckel gefunden hat, locker.

Eigentlich ist es aber auch der sogenannte Steuerzahler, der bei einer Pleite Griechenlands die Zeche zahlt. Längst haben Staaten wie Deutschland, Frankreich, aber auch die EZB und der IWF die griechischen Staatsanleihen aufgekauft und damit stehen auch Deutschlands Steuern auf dem Spiel. Doch merkt der deutsche Bürger nicht wirklich etwas von den Milliarden, die ihre Regierung täglich zum Fenster raus wirft. Griechenlands Unter- und Mittelschicht hingegen hat die, mit der Pleite der Lehman-Brothers verursachte globale Krise deutlich zu spüren bekommen. Man muss ja nur mal die Augen öffnen und hinsehen.

Doch ist unsere RTL-Gesellschaft schon völlig abgestumpft und das populistische Gesabber der Bild, Kronen Zeitung und der nicht umsonst inzwischen als Lügenpresse bezeichneten Schmierfinken, tut ein Übriges. Bei denen, deren Selbstwertgefühl so tief gesunken ist, dass sie es nötig haben auf jenen herumzutrampeln denen es noch schlechter geht als ihnen, kommen Sprüche wie "die faulen Griechen wollen unser sauer verdientes Geld" oder "die Linksextremisten der Syriza erpressen ihre EU-Partner", natürlich gut an. Dass das mit der Realität nur wenig zu tun hat, ist den meisten Leuten dabei egal. Es fühlt sich einfach gut an, als "fleißig", "produktiv" und "zuverlässig" zu gelten und im Urlaub in den Krisenländern Preise vorzufinden die kaum oder gar nicht gestiegen sind.

Was aber wird aus Spanien und Portugal? Während sich die Vorsitzenden der sozialdemokratischen PSOE und PS sich gestern über eine zukünftige Strategie berieten, die der Austeritätspolitik Einhalt gebieten soll und auch die Griechen unterstützt, trafen sich heute die iberischen Regierungschefs und verteidigten munter eine für ihre Länder mindestens genauso schädliche Politik, wie sie es für die Griechen ist. Doch es ist ihnen egal, denn sie hoffen auf den Grexit und damit ein Versagen der "gefährlichen Linksextremen", um bei den nächsten Wahlen im Herbst die Linkswähler zu verängstigen. Denn es ist die pure Angst vor einer "Abstrafung" aller, die es wagen, sich der von Schäuble entworfenen, von Merkel verteidigten und der Hochfinanz zu Gunsten kommenden Agenda zu widersetzen.

In der Eurogruppe herrscht also das Terrorregime Deutschlands und damit der US-amerikanischen und westeuropäischen Finanzoligarchie, die erst vor kurzem ihre Strategie beim Bilderbergtreffen und dem G7-Gipfel in den Alpen festgelegt hatte. Die Mächtigen aber haben einen neuen heiligen Krieg ausgerufen – gegen den Sozialstaat, die Arbeiterrechte, die Pressefreiheit und sogar gegen die Demokratischen Werte. Und ich meine damit NICHT die Scheindemokratie – und grundlegenden Menschenrechte, wie das Recht auf Privatsphäre. Eine Diktatur der (Finanz-)Märkte, die in Deutschlands Bundesregierung ihren stärksten Vertreter hat, sieht man mal von den USA ab, die seit ihrer Gründung einen Neofeudalismus als Grundlage des Staates hat. Nach diesem Vorbild soll auch die EU in die "Vereinigten Staaten von Europa" umgewandelt werden, welches dann wiederum als Vorbild für andere Regionen dienen könnte. Die Macht aber liegt schon lange nicht mehr beim Volk und überall wo die Wahlen nicht genügend manipuliert werden können und ein Volk eine aufmüpfige Regierung wählt, bekommen die Menschen die Peitsche zu spüren.

Mitten in diesen Kampf, haben wir jetzt also Finanzoligarchen, Politiker die Wahlen schlagen müssen, Interessen der Währungshüter, Russlands Interessen, die Türken und Zyprer und das Ego von Schäuble und Merkel. Auch andere, zweitrangige Interessen spielen noch eine Rolle, wie die Briten, Finnen und so weiter und ein nicht außer Acht zu lassender Spekulationseffekt, bei dem es um viel Geld geht und den Druck auf einen Grexit erhöhen. Auf der anderen Seite ist „nur“ das Volk. Das griechische, aber auch die Völker der anderen sogenannten Krisenstaaten, stehen auf der anderen Waagschale und scheinen nicht genug Gewicht zusammen zu bringen. Denn die Menschen, die für ihre Rechte einstehen, werden als Radikale, Terroristen, Anarchisten und Chaoten bezeichnet. Spaniens Premierminister Rajoy, nannte Podemos "gefährliche Radikale" und sagte: "Es ist ein Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei".

Es ist ein Weg in ein Europa im Bürgerkrieg, in Revolten und Revolutionen. Wer denkt, dass die Mächtigen ihren Platz an der Sonne aufgeben und ihren Plan der Weltherrschaft aufgeben, der sollte sich mal in den freien Medien schlau machen. Ob die Eurogruppe den Grexit verhindert oder nicht: In diesem Jahr müssen die Hellenen jeden Monat, außer November, weiter hohe Summen abzahlen. Der Verhandlungsmarathon geht also weiter und alle Interessierten werden weiter ihre Position verteidigen. In diesem Sinne, schöne Aussichten also, für die Spekulanten.

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2 thoughts on “Schuldenkrise: Konservative Erfüllungsgehilfen der Finanzoligarchie”

  1. Und wieder einmal ist das Contra-Magazin das einzige Medium, das die Dinge so beim Namen nennt, wie sie wirklich sind.
    Von wegen faule Griechen.
    Genau so wie in diesem Artikel beschrieben ist es nämlich in Wirklichkeit – nur in der Konsquenz hätte der Autor ruhig noch einen Schritt weitergehen können: End the Fed!

  2. Auch dies, auf der anderen Seite macht die organisierte Asylmafia Durck auf die Länder, welche nicht Gewehr bei Fuß stehen, wenn die Finanzmafia zum Beistand ruft. Wer frech wird, wird destabilsiert. Ein paar debile Heulbojen werden ins Rennen geschickt, organisieren „Kein Mensch ist illegal Mist“ und währenddessen werden ein paar hundertausend Gesindel ins Land geschleust, schon wächst der Druck der Bevölkerung auf die Politik. Es ist Spannung im Laden. Dann doch lieber jeden Check in Richtung City of London und Wallstreet unterzeichnen. Bevor weiter destabilisert wird (der eigenen Fottertrog geht kaputt = schlecht) oder bei Gegenmaßnahmen „man“ von den Finanzmafiamedien als „NAZI“ (schlotter schlotter schlotter) geortet wird. 😀

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