Kapitalismus ad absurdum: Willkommen in der Ukraine

Seit der Nummer auf dem Maidan ist die Ukraine nicht mehr aus den Medien wegzudenken. Ständig hört man vom Mainstream die „Mär vom bösen Russen“ und vom „Amerikaner, der nur Frieden will“, aber die Tatsache, dass der Kapitalismus mit seinen Freiheiten dort extrem seit dem Maidan vollzogen wird, liest man nicht immer. Dabei sind die Anzeichen dafür schnell zu erkennen.

Von Lennox Linz

Das EU-Assoziierungsabkommen war der Auslöser für die Maidan-Revolution. Diese Tatsache kennt der Freund des Mainstreams und auch der Leser des alternativen Gegenparts. Grob gesagt, wollte und will der Westen die Ukraine näher an sich binden. Aus einem Staat, der wie Österreich oder auch die Schweiz, nun nicht eindeutig einem Lager zuzuorden ist, wurde ein gespaltener Staat. Während der Westen des Landes sich – auch mit Verständnis – mehr dem Westen zugehörig fühlt, wehrt sich der Donbass mit Händen und Füßen gegen diese Westanbindung.

Mögen auch pro-russische Befindlichkeiten hierfür eine Rolle spielen, so kann man die Gründe aber auch aus wirtschaftlicher Sicht sehen: In der Ukraine findet eine sehr brutale Form des Kapitalismus statt. Es gibt sehr viele Beispiele,die diese Tatsache untermauern. Alle in einem Artikel zu nennen und zu durchleuchten würde freilich den Rahmen sprengen. Deswegen werden zunächst einige Beispiel aufgezeigt, woran man das erkennt.

Seit der Westanbindung findet man in den Supermärkten in Kiew oder in anderen westlichen ukrainischen Städten vermehrt Produkte aus dem Westen, was an sich nun noch keine schlimme Tatsache erscheint. Allerdings sind dort viele Produkte aus der Landwirtschaft wie Joghurt oder andere Milchprodukte zu sehen. Dabei hatte die Ukraine eine sehr gut funktionierende Landwirtschaft, die als „Kornkammer der Sowjetunion“ galt. Den Landwirten wird durch verbilligte West-Produkte allerdings das Leben sehr schwer gemacht, vor allem deswegen weil verbilligte West-Produkte in Zeiten der Renten- und Gehaltskürzung nun nicht gerade selten gekauft werden.

Zudem will bekannterweise auch Monsanto sein Geschäftsgebiet in Richtung Ukraine überweisen. Der Saatgut-Konzern ist schon für viele Landwirte in der Europäischen Union ein Konzern, der wohl mehr Sorgen bereitet als durch seine Gentechnik einen Nutzen bringt. Im Internet kursieren etliche Beiträge über Monsanto. Zudem gehen in gewissen Zeitabschnitten die Menschen immer wieder explizit gegen Monsanto und TTIP auf die Straße. Wer sich über Monsanto kundig machen möchte, der findet etliche kritische Beiträge in jeder westlichen Sprache.

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Ein weiterer Anknüpfungspunkt sind die vielen Privatarmeen in der Ukraine. Vor allem das rechte Azov-Bataillon macht den friedvollen Bürgern in der Ukraine sehr zu schaffen. Warum solche Armeen nicht bekämpft werden, sondern anscheinend noch von der US-Söldnertruppe Academi (zuvor Blackwater) ausgebildet werden erscheint sehr befremdlich. Möglicherweise möchte man durch solche Privatarmeen den Staat Ukraine exkulpieren, falls mal unerwartet der Fall eintreten würde, dass ein internationales Gericht – wie beispielsweise der Völkerstrafgerichtshof zu Den Haag – über die vielen Kriegsverbrechen aburteilen muss. Hier könnte sich die Ukraine auf den Verweis „private Armee“ vor bitteren Strafen noch exkulpieren.

Auch die Tatsache, dass eine US-Bürgerin und Investmentbankerin auf einmal Finanzministerin der Ukraine wird, lässt nicht gerade darauf schließen, dass man eine zumindest soziale Marktwirtschaft in der Ukraine aufbauen will, sondern vielmehr den extremen Kapitalismus vorantreiben möchte. Vor allem klopfen neben Monsanto auch viele andere US-Konzerne an Kiews Tür und wollen Geschäfte mit maximalen Gewinn machen. In Deutschland gingen über 30.000 Menschen am vergangenen Donnerstag auf die Straße und protestierten gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Vor allem aus Angst, dass man vor den mächtigen US-Konzernen nicht mithalten kann.

Steigende Grundnahrungspreise, weniger bis gar keinen Lohn, fehlende Rentenzahlungen deuten ebenfalls auf die negative Entwicklung in der Ukraine an. Grundsätzlich ist es ja bekannt, dass Konflikte und Kriege immer einen politischen Vorwand haben. Der Westen schürt mit der Gefahr vor einem aggressiven und revisionistischen Russland seit Jahren Antipathien gegen den Kreml. Wenn in Russland die Justiz über das Ziel hinausschießt, dann wird darüber monatelang berichtet, gefilmt, gesprochen und wenig recherchiert. Oder hat mal eine große Zeitung den Wortlaut der „homophoben Gesetze“ gezeigt? Während man über Gesetze hierzulande zehn Rechtsexperten fragt und sich am Ende nichts sehnlicher wünscht als einen „rechtsfreien Raum“, so reicht hier oftmals ein Verweis auf eine westliche Nichtregierungsorganisation.

Wie bereits gesagt, lassen sich nicht alle Beispiele in einen gewöhnlichen Artikel einbauen. Zudem ist man hier angehalten, die genannten Fakten mal zu recherchieren und kritisch zu hinterfragen. Am Ende sei aber besonders darauf hingewiesen, dass hier nicht der Kapitalismus als solcher hinterfragt werden soll, sondern einfach zeigen, dass man ein umstrittenes System auch extrem in einem Land, was seit Jahren Probleme in beängstigender Weise in nur einem Jahr durchboxen kann und weiter, unter anderem mit Gewalt durchboxen wird.

Probleme wie im Westen – z.B. Hartz IV oder der Niedriglohnsektor – wären dort die geringsten Probleme. Im Winter nahen wieder Kälte, Hunger und Obdachlosigkeit. Menschen denen die Grundbedürfnisse derart entzogen werden, sind leicht manipulierbar und werden dann weiter für das „demokratische , westliche kapitalistische System“ missbraucht. Die bisherigen Gewinner in diesem Konflikt sind offenkundig die Investoren und Spekulanten. Wer das nicht glaubt, der kann gerne mal den Finanzmarkt beobachten.

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9 Kommentare

  1. Die EHRENWERTE GESELLSCHAFT sitzt zusammen

    Alle informierten Bürger wissen, dass die G/ nichts anderes als eine MAFIA auf Staatsebene ist.

    Sie planen welches Land mal wieder überfallen und ausgeraubt werden soll….wo man einen neuen Vasallen als Präsident installiert werden muss um sich dann dort zu bereichern.

    All diese Machenschaften sind HOCH MAFIÖS und gefährlicher als die private Mafia.

    Präsident Putin hat ganz sicherlich keine Lust an solchen Plänen teilzunehmen….zumal er ja ganz hoch als OPFER auf deren Liste steht !!!

  2. Putin: "Nur ein Verrückter würde die Nato angreifen"
    Samstag, 06. Juni, 07.30 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin schickt eine klare Botschaft gen Westen. Gegenüber der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" sagte Putin: "Ich denke, dass sich nur eine verrückte Person – und die auch nur im Traum – vorstellen kann, dass Russland einen Blitzschlag gegen die Nato führt. Es gibt keinen Grund, vor Russland Angst zu haben. Ich denke, dass einige Länder aus den Ängsten der Menschen gegenüber Russland Kapital schlagen wollen. Die Länder an den Grenzen zu Russland wollen die Situation nutzen, um militärische, ökonomische oder andere Hilfe zu bekommen."
    Mit Blick auf die anhaltenden Kämpfe in der Ostukraine beschuldigte Putin die Regierung in Kiew, keinen Willen zur Umsetzung des Friedensabkommens von Minsk zu zeigen. Die ukrainische Seite verweigere sich Gesprächen mit den prorussischen Rebellen, sagte der russische Staatschef in dem Interview. "Das Problem ist, dass sich die Vertreter der Kiewer Regierung nicht einmal mit ihnen an einen Tisch setzen wollen."
    Russland gibt Westen Mitschuld an erneutem Gewaltausbruch im Donbass
    19.17 Uhr: Russland hat dem Westen eine Mitschuld an den jüngsten Gewaltexzessen im Kriegsgebiet Ostukraine gegeben. Die westlichen Staaten würden nicht nur Waffen, darunter Panzertechnik, in die Ukraine liefern, sagte der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin der Agentur Interfax zufolge am Freitag in New York. Es würden auch Hunderte Militärausbilder geschickt, um ukrainische Soldaten für die Kämpfe auszubilden. Die Ukraine setzt auf Instrukteure aus den USA, Großbritannien, Polen und Kanada. Die Lage im Donbass drohe "außer Kontrolle zu geraten – mit unvorhersehbaren Folgen", sagte Tschurkin. Er forderte die EU und die USA auf, Druck auf die Ukraine auszuüben, den Mitte Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarten Friedensplan umzusetzen. 
    Russland sei verwundert, dass der "gewöhnlich so von humanitären Themen angetane" Westen angesichts der Katastrophe im Donbass keine Reaktion zeige, sagte Tschurkin. Er sprach auch von einer Vielzahl von Söldnern und privaten Kampfverbänden im Kriegsgebiet.

  3. Deutsche Wirtschafts Nachrichten

    Top-Banker ist sich sicher: Russland und China gewinnen gegen die USA

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 06.06.15 10:39 Uhr |

    Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, hat keine Zweifel über die Zukunft des Weltwirtschaftssystems: Die Achse Moskau – Peking BRICS wird sich gegen den alten Hegemon USA durchsetzen. Diese Länder hätten die Nase voll vom Westen, weil sie eine langfristige Strategie wollen und keinen Opportunismus. Die EU dürfte wegen ihres blinden Sanktions-Gehorsams zu den Verlierern gehören.
    ——————————————-Meinung———————————————
    Heller Kopf, dieser Folker Hellmeyer.

    “DWN: Was muss geschehen, bis wir wieder eine eigenständige Außen- und Wirtschaftspolitik in Deutschland sehen?
    Folker Hellmeyer: Bei dieser Frage passe ich. Ich bitte um Ihr Verständnis.”

    Will sagen: Was soll die naive Frage, ist doch klar: Nur ein souveräner Staat kann seine Politik souverän gestalten. Gewisse, geheimen Verträge verbieten es uns Deutschen aber über die Souveränität Deutschlands auch nur offen zu diskutieren… Sprechen wir lieber vom Wetter.

  4. was haben staatlich subventionierte lebensmittel aus dem westen mit kapitalismus zu tun? nichts. das steigen der grundnahrungspreise geht auf die inflationierung der währung zurück, die für die kriegsfinanzierung notwendig ist.

    1. Steht doch im Artikel: "Den Landwirten wird durch verbilligte West-Produkte allerdings das Leben sehr schwer gemacht, vor allem deswegen weil verbilligte West-Produkte in Zeiten der Renten- und Gehaltskürzung nun nicht gerade selten gekauft werden. "

      Dasselbe System, nach dem europ. Schlachtabfälle in Afrika verschleudert werden und so den dort einheimischen Bauern die Existenz unmöglich machen. Das hat Methode, Ziel ist, die Bevölkerung von den Produkten der Konzerne abhängig zu machen.

  5. Zu empfehlen ist hier das Buch Schock-Strategie vom Naome Klein aus dem Jahr 2007. Dort wird am Beispiel Latteinamerika Ostblock (nach 1990), Irak und New Orleans 2005, beschrieben wie man Kriesen, tatsächliche oder gefühlte, dazu Benutzt um mit Gesetze die in normalen Zeiten abgelehnt werden, die Freiheit einschränkt und den Neoliberalismus einführt. Die USA und ihre Helfer befolgen diesen Weg des Milton friedmann und seiner Jünger genau.

  6. Verdeckte Kriegsführung – Ein Blick hinter die Kulissen der Machtpolitik (Dr. Daniele Ganser)
    https://www.youtube.com/watch?v=cF-PVmCv8eM

    Andreas von Bülow – “Covert operation“ und deren Erahnung durch den Laien
    https://www.youtube.com/watch?v=NUEv4yx51nY

    Andreas von Bülow Terrorismus im Auftrag des Staates
    https://www.youtube.com/watch?v=q2vcmIkHdu4

    Andreas von Bülow über den Terrorstaat USA und seine Verbrechen
    https://www.youtube.com/watch?v=xMScxFcVhcM

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