Griechenland-Sondergipfel: Keine Einigung – die Scharade geht weiter

Wie zu erwarten gab es beim Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs in Sachen Griechenland keine Einigung. Mittwoch und Donnerstag soll weiter verhandelt werden. Doch diesen Machtpoker können auf diese Weise nur alle Beteiligten verlieren.

Von Marco Maier

Der "Beratungsgipfel" (O-Ton Angela Merkel) brachte keine wirklichen Fortschritte in Sachen Griechenland mit sich. Während man der ukrainischen Führung Millionen und Milliarden an Euros in den schier unersättlichen Rachen wirft, damit das dortige Regime weiterhin Krieg führen und die eigene Wirtschaft ruinieren kann, lässt man Griechenland finanziell ausbluten.

Die oftmals beschworene "europäische Solidarität" entpuppt sich wieder einmal als Lippenbekenntnis, zumal sich die EU-Staats- und Regierungschefs nicht trauen, der eigenen Bevölkerung ihre Fehler zuzugeben. Denn schon 2010, als die griechischen Staatsschulden noch zu über 80 Prozent in privater Hand waren, hätte man eine Lösung finden können, ohne die Steuerzahler der anderen EU-Länder zu belasten. Allerdings gäbe es dann wohl heute einige Banken, Versicherungsgesellschaften und Hedgefonds weniger.

Und so spielt man auf der politischen Ebene weiterhin ein Affentheater, in dem die Griechen die Bösewichte darstellen sollen, während die Austeritätsfanatiker rund um Schäuble und Merkel sich für die Boulevardpresse in populistischer Manier als "Retter Europas" aufspielen. Dabei sind sie es, die sich für diese Malaise verantwortlich zeichnen. Doch die (zugegebenermaßen teuren) Konsequenzen wollen sie nicht tragen.

Stattdessen lautet die Devise: Griechenland soll die Steuern noch stärker erhöhen (z.B. die Mehrwertsteuer, und das in einem Land, welches fast schon deutsche Preise bei deutlich niedrigeren Löhnen hat), sowie die Ausgaben (z.B. Rentenkürzungen) senken. Ergo: die kollabierende Wirtschaft einfach noch weiter abwürgen, bis wirklich gar nichts mehr geht. Das ist zwar ökonomisch absolut nicht sinnvoll, aber das weiß der Durchschnittsmensch ja auch nicht.

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Dennoch wollen die EU-Finanzminister am Mittwoch, sowie die Staats- und Regierungschefs der EU am Donnerstag weiter "verhandeln". Also auf gut Deutsch: Wenn Athen das Brüsseler Diktat nicht annimmt, wird es zappenduster. Dass diese Taktik schon einmal nicht funktioniert hat (nämlich im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg), interessiert die Politikerclique ohnehin nicht. Hierbei geht es nur um Machtspiele von Menschen, die ohnehin nur Marionetten der Finanzmärkte sind.

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4 Kommentare

  1. Ja die Griechen sind halt pleite. Und nicht nur diese. Ganz Europa ist pleite. Die Südstaaten lauern gespannt darauf, bis die Griechen aus dem Euro aussteigen, die werden sofort das Gleiche machen wollen – Spanien, Italien, Portugal und weitere.
    Auf der anderen Seite lauern die globalen wettfreudigen Investoren. Wenn die sicher sind – und das erfahren sie hinter der Kulisse (Insiderwissen) – dass da wieder Geld nach Griechenland geschoben wird, dann fängt die Wetterei wieder an, und Griechenland ist gleich wieder um Milliarden mehr verschuldet. Das Volk und die griechische Volkswirtschaft hat nichts von diesem Geld. Deshalb wehren sich die Griechen ja so vehement gegen neue Kredite, die nur weitere Verschuldungssummen darstellen. Man kann über die Griechen viel schimpfen, aber an diesem Katastrophenszenario sind sie wirklich nicht alleine schuld, da hat der Westen mit seinen dreckigen Banken an der immensen Verschuldung ordentlich mitgeholfen.

    Und jetzt kommt noch eine dritte Seite ins Spiel, und die hat es für den Westen in sich, das ist Russland. Da wird im Hintergrund ordentlich mit Putin geplant, der sich alle Wege ebnet, sollte es zu einem offiziellen Bankrott kommen. Putin muss nur zuschauen, bis die Firma Griechenland pleite ist, dann kauft er sie günstig auf. Gleich dahinter steht China, das eh schon den Piräus-Hafen unter seinen Fingern hat. Und diese Mächte wollen Infrastruktur aufbauen, nicht einfach nur Geld abziehen und das Land hoffnungslos verschulden. Was solche Entwicklung für den Nahen Osten und Israel bedeutet, ist noch gar nicht abzusehen. In den Nachrichten werden immer nur halbe Wahrheiten verkündet, was die ganze Berichterstattung zu einem Lügensammelsurium werden lässt.

    Was kann das Volk schon gegen solche Machenschaften unternehmen? Schaut doch, was wir gegen unsere Politiker und Konzern-Magnaten machen können – Nichts!!! In diesen Führungssphären wird munter weiter gelogen und betrogen, was das Zeug hält. Nicht einmal die Wahrheit darf man öffentlich sagen. Jeder Whistleblower ist ein Verräter, der vor’s Gericht gezerrt wird und nie mehr einen Job bekommt, auch wenn er/sie die übelsten Machenschaften aufgedeckt hat. Das ist leider die bittere Wahrheit. Die Griechen als Volk sind diesen Dreckspielen wehrlos ausgeliefert, und weitere Völker in Europa werden diesem Schicksal unausweichlich folgen, wenn da keine Änderung eintrifft.

    1. @ Abnonymus,

      dem kann ich nur zustimmen.

      Und es widert einen nur noch an wenn man betrachtet wie unterschiedlich die EU-Politiker mit der Faschistenregierung in der Ukraine und der griechischen Regierung umgehen.

       

      In den MSM, allerdings auch bei der DWN ist verbreitet worden, dass Tsipras eingeknickt sei.

      Dass er den Armen und der Mittelschicht erhebliche Steuererhöhungen und Kürzungen zumuten will. Und es hieß auch es könne sein dass das griechische Parlament dies wahrscheinlich ablehnen werde.

      Ich bin jetzt daher etwas überrascht hier zu lesen, dass die Verhandlungen weiter gehen sollen und noch nichts entschieden bzw. zugesagt worden ist.

       

  2. Hätte die Syriza kein Ass im Ärmel, hätte Griechenland sich schon ergeben. Brüssel hat sich mehrfach verkalkuliert, und daß ein Haufen Kommunisten die Wahl gewinnen könnte, hatten die auch nicht auf dem Schirm.
    Kommunisten kennen sich mit Geld aus. Die wissen, wo der Bartel den Most holt.

    1. Tsipras hat ein Ass im Ärmel, aber das liegt im Zockergewerbe der großen Finanzjonleure, die auf den Grexit gewettet haben. Es sollen Hebel im Spiel sein, daß zwischen 5-7 Billionen € fällig werden!

      Das wäre das AUS für den Euro. Der Zauberlehrling zittert vor den Folgen seines Nichtstuns bei der Finanzkrise im Jahre 2008. 

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