Anti-G7-Protest in Garmisch. Bild: Flickr / Die Linke CC-BY 2.0

Kaum hat er begonnen, schon ist der Spuk wieder vorbei: Nach nur knapp 48 Stunden werden die G7-Regierungschefs plus umfangreicher Entourage das idyllische Schloss Elmau wieder verlassen, um zu ihren "Tagesgeschäften" zurückzukehren. Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen.

von Marcello Dallapiccola

Sinnlose Geldverschwendung


Etwa 360 Millionen Euro hat der G7-Gipfel angeblich gekostet. 90.000 Euro pro Minute. Anfangs wurden von offiziellen Stellen zwar noch weitaus geringere Zahlen veranschlagt, doch es wurde nicht viel unternommen, um diese Schönlügerei aufrecht zu erhalten – wohl, weil es den hohen Damen und Herren ohnehin egal ist, wieviel Steuergeld für ihren Luxus und ihre Sicherheit sinnlos verbrannt wird.

Längst gibt es erste Vergleichsrechnungen – etwa den Vergleich mit Mare Nostrum, der EU-Rettungsaktion für Flüchtlinge im Mittelmeer. Diese Operation wurde ja nach nur einem Jahr aufgrund der exorbitanten Kosten eingestellt. In diesem einen Jahr kostete Mare Nostrum etwa 110 Millionen Euro und rettete ca. 150.000 Menschen vor dem sicheren Tod. Für das Geld, das die feinen Regierungsoberhäupter in zwei Tagen verprassten, hätte man also drei Jahre länger im Mittelmeer patrouillieren und – einfach hochgerechnet – knapp eine halbe Million Menschenleben retten können. Dabei kam das Geld für Mare Nostrum von der EU, während die Gipfel-Kosten weitgehend vom deutschen Steuerzahler allein getragen werden müssen. Doch der ist's ja mittlerweile gewohnt, geschröpft zu werden.

Eine andere Rechnung ergibt, dass man für die Gipfel-Kosten 150.000 Kinder 10 Jahre lang in die KiTa schicken könnte. Ein ähnlich heißer Vergleich, denn wie Finanzier- und Verfügbarkeit von KiTa-Plätzen ist nicht erst seit den Personalstreiks ein Dauerthema.
Das sind nur zwei Beispiele von vielen – über die Sinnhaftigkeit der Kosten für den Gipfel möge sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

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Bautätigkeit im Naturschutzgebiet


Die Region in Südbayern, in der der Gipfel stattfand, gilt als Region mit der höchsten Biodiversität Mitteleuropas. Deshalb sind auch weite Teile der Landschaft zum Naturschutzgebiet erklärt worden – auch um Schloss Elmau herum. Das hinderte jedoch scheinbar niemanden daran, umfangreiche Baumaßnahmen in die Wege zu leiten. Die braucht es ja auch, um ein Luxushotel zur uneinnahmbaren Alpenfestung auszubauen. So wurde die Straße zum Schloss neu asphaltiert (Räumpanzer und dergleichen schweres Gerät braucht eine solide Unterlage, um Blockaden und Camps der Demonstranten niederwalzen zu können).

Für die Asphaltierungsarbeiten musste erst eine Almwiese mit Kies aufgeschüttet werden, damit die Bagger und Laster Platz zum Manövrieren haben. Diese Wiese wird Naturschützern zufolge mehrere Jahre brauchen, bis sie sich von diesem Eingriff wieder erholt haben wird. Um das Schloss herum wurde ein Zaun errichtet, der unterschiedlichen Angaben zufolge mal 9, mal 16 und mal 24 km lang ist.

Man stelle sich das vor: Mitten in einer uralten, geschützten Kulturlandschaft wird über ein Jahr lang gegraben, geteert und mit tonnenschweren Maschinen herumgefuhrwerkt, nur damit sieben Menschen zwei Tage lang in Ruhe Luxusferien verbringen können. Der errichtete Zaun soll dabei als unüberwindbare Grenze zwischen den jeder Vernunft entrückten Feudalherren und dem gegen diesen Irrsinn protestierenden "Pöbel" dienen, man könnte ihn aber durchaus auch als Symbol der Trennung zwischen der herrschenden Kaste und dem weitgehend entrechten Volk verstehen.

8:1


Kein Fußballergebnis, sondern das Verhältnis von Polizisten zu Demonstranten. Die Polizisten sehen ungefähr aus wie "Robocop" oder die imperialen Sturmtruppen aus "Star Wars", nicht mehr wie der Vertrauen erweckende Freund und Helfer, an den man sich in der Stunde der Not vertrauensvoll wenden kann. Am Samstag wurde auch gleich ein wenig draufgekloppt und reingesprayt, als sich die Beamten von einigen Demo-Teilnehmern, die auf Styropor-Platten gemalte Parolen hochhielten, bedroht fühlten.

Man fragt sich, was eigentlich passieren würde, wenn die Polizeigewerkschaft beim nächsten, ähnlichen Ereignis das ansteht, der Politik ein saloppen "Njet" ausrichten ließe. Denn welchen Anlass hat die Polizei eigentlich, sich zwischen die "Demokratisch legitimierten Volksvereter" und eben dieses Volk zu stellen? Der Souverän beider – sowohl der Politik als auch der Exekutive – ist schließlich immer noch das Volk, und aus welchem Anlass sollte sich die Polizei gegen das Volk wenden, das sie eigentlich zu schützen hat?

Und umgekehrt, wie kann es eigentlich angehen, dass eben diese sogenannten Volksvertreter sich hinter Zäunen und Tausendschaften von Polizei verstecken müssen? – Beinahe könnte man den Eindruck gewinnen, dass sie Angst vor einer Begegnung auf Augenhöhe mit dem einfachen Bürger haben …

Peinliche Folklore


Aber halt, da war doch was. Zumindest Merkel und Obama haben sich mit einfachen Bürgern getroffen. Mit einer ganzen Menge sogar, zum Weißwurstfrühstück im idyllischen Örtchen Krün. Das war ein Spektakel!

"Grüß Gott" hat er gesagt, der GRÖDAZ (Größte Drohnenmörder aller Zeiten). Er habe seine Lederhosen vergessen, witzelte er angesichts der ihn umgebenden Dirndln und Trachten. Ort samt Bevölkerung dermaßen provinziell aufmunitioniert und auf Bilderbuch-Bayern getrimmt, dass er sich vorgekommen sein muss wie einst die ersten Missionare, die auf Eingeborene in Baströckchen stießen.

Kinder brachten dem hohen Gast Ständchen dar, Frauen gaben dem "Führer der freien Welt" mit artigem Hofknicks die Hand, im Hintergrund säuselten die Alphörner. Schnell kursierten im Netz die ersten Bilder eines gewissen anderen Führers, eines gescheiterten Kunstmalers, der vor längerer Zeit auch schon mal dort zu Besuch war und mit demselben folkloristischen Pomp willkommen geheißen wurde – ländliche Abgeschiedenheit gepaart mit katholischer Einfältigkeit scheinen stets ein guter Nährboden für unterwürfige Jubelperser zu sein.

Den Vogel schoss jedoch wieder einmal Merkel ab, die in ihrer Ansprache vor den frohgemuten Bajuwaren gebetsmühlenartig das Mantra vom "Freund und Partner" USA wiederkäute. NSA-Affäre, Folter-Skandale, Angriffskriege aufgrund gefälschter Geheimdienstinformationen, Wirtschaftsspionage, permanente Menschenrechtsverletzungen (Guantanamo), Waffenlieferungen an den IS? – "Westliche Wertegemeinschaft".
Applaus, Weißbier zapfen und Prost–Mahlzeit.

Die Liste der Absurditäten ließe sich noch beliebig fortsetzen – von der Nicht-Einladung Russlands über den Schaden für die ortsansässigen Unternehmer und die zur Lächerlichkeit verkommene "Berichterstattung" – Bejubelung wäre wohl das geeignetere Wort – vieler Medien bis hin zur mehr als berechtigten Frage, was das alles eigentlich noch mit Demokratie zu tun hat – doch unterm Strich kann man ganz klar festhalten, was dieser G7-Gipfel wirklich ist: Der Gipfel der Frechheit.

Empfehlenswert zu diesem Thema auch: "Schautanzen der Selbstgefälligen"

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2 KOMMENTARE

  1. 360 Millionen für ein 60 jähriges Kind ! Wenn dieses Kind wüßte wie lächerlich es rüberkommt. Wenn einige Schmeißfliegen in Lederhosen um sie rumschwänzeln-,heißt das noch lange nicht, dass Scheiße, Jedermanns Sache ist. 360 Millionen für Marionetten des Marktes, die nichts machen können, sich aber nach jedem Gesülze, den Mund abputzen. Die sich über uns totlachen, weil sie an unserer Knechtschaft verdienen. 360 Millionen für das Bekenntnis, das „IM LAUFE DES JAHRHUNDERTS“ keine fossilen Schadstoffe mehr in die Luft geblasen werden sollen. Im Laufe des Jahrhunderts sind die meisten Egomanen aus der „360 Millionen Orgie“ tot. Was dann da sitzt und schwätzt, weiß heute noch keiner.

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