Bild: frenchleaks.fr

Erwartungsgemäß schlugen die French-Leaks bereits einen Tag später hohe Wellen. Frankreich reagierte sofort nach der Publikation von WikiLeaks und am Wochenende wurde Frankreich Opfer eines Terroranschlages. Inzwischen ging aus den Leaks auch hervor, dass Wirtschaftsspionage eine Rolle spielte. Ein Überblick, aber auch viele Fragen.

Von Christian Saarländer

Vorab kündigte WikiLeaks an, dass noch weitere brisante Dokumente auf den Servern veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung war diesmal auch keine Randnotiz in den Leitmedien, sondern wurde durch die Bank weg von den gängigen Medien aufgegriffen. WikiLeaks kündigte aber auch gleichzeitig an, dass die Quellen nicht verraten werden.

Es ist selbstverständlich nicht uninteressant, dass sich nun viele Medien fragen, woher das Material stammt. Demnach sind die Anfragen an WikiLeaks auch verständlich. Noch verständlicher ist es, seit wir das Schicksal von Chelsea Manning, Edward Snowden und Julian Assange kennen, dass die Quellen vor unterschiedlichen Konsequenzen geschützt werden müssen und man sich mit der Tatsache begnügen muss, dass man sich primär mit dem veröffentlichten Material zu befassen hat.

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Während Manning nun für 35 Jahre im Gefängnis sitzt und der investigativen Journalisten und dem CIA-Folterbericht zufolge als US-Soldat bereits vor seiner Verurteilung die Hölle auf Erden erlebte, so könnte sich für Assange und Snowden eine Türe in Frankreich öffnen. Offizielle Stimmen, insbesondere die Justizministerin, sprechen offen von der Möglichkeit, dass beiden Asyl in Frankreich gewährt werden könnte. Fest steht, dass die streitigen Leaks nicht von Edward Snowden stammen sollen.

Es wird deswegen ausgeschlossen, da einige Reporter auf die Dateien von Edward Snowden zugreifen können und man einen solchen Skandal nicht übersehen haben konnten. Journalisten aus Frankreich beginnen nun die Dokumente hinsichtlich der NSA-Aktivitäten zu sichern. Allen voran die französische Internet-Zeitung Mediapart die eine FrenchLeaks-Seite eröffnete.

Das investigative Portal beginnt nun viele Fragen aufzuwerfen und hinterfragt unter anderem auch die offizielle Geschichte des Libyen-Kriegs, welcher vor allem unter der Federführung von Francois Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy mit Bomben auf Tripolis erfolgte.

Allerdings gibt es auf der Seite viele Hinweise, die eine andere Deutung der Realität plausibel machen können. Vor allem könnte Frankreichs Präsident unter anderem von den USA durch – um es mal milde auszudrücken – moralischem Druck in diesen Krieg gezogen worden sein. Die Leaks deuten darauf hin, dass die USA anscheinend wussten, dass Sarkozy von Gaddafi finanziell im Wahlkampf 2007 unterstützt wurde.

Zugegeben: Eine alternative Sicht auf diesen Krieg und alleine nur, wenn man sich die Frage stellt, warum der einst im Westen mehr geschätzte als verhasste Staatsmann auf einmal der Bösewicht Nr. 1 sein soll, so kann man merken, dass hier etwas nicht stimmte. Vor allem aber war die damalige Propaganda Frankreichs schon fast gespielt. Warum nur? Frankreichs Medien geben zumindest Hinweise.

Von der „präventiven Überwachung“ zum real existierenden Terror

Zurück zu den aktuellen Leaks: Die Leaks gaben vor allem tiefe Einblicke wie der NSA Frankreichs Präsidenten nebst weiteren Personen überwachte. Die Leaks wurden in Frankreich viel ernster genommen als in Deutschland und es wurde gleich der Sicherheitsrat einberufen und man wollte von Präsident Obama natürlich ein Statement hören. Überwachen geht halt gar nicht.

Natürlich will man in Washington von alledem nichts gewusst haben und man versucht solche Aktivitäten in Frankreich glaubhaft abzustreiten. WikiLeaks ist da anderer Ansicht: Ähnlich wie in Berlin soll die US-Botschaft in Frankreich ein sicheres und ertragreiches Nest für Schnüffel-Aktivitäten sein. Die Tatsache, dass Obama von alledem nichts wusste lässt sich aus amerikanischer Sicht relativ simpel erklären: Frankreich ist ein Land von etwa fast 200 auf diesem Planeten und da ist es doch nur menschlich, dass man sich nicht an jedes Land im Detail erinnern kann. Und dann kam noch der Terror nach Frankreich zurück, wie RT Deutsch am 26 Juni twitterte.

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Nach den Terroranschlägen in Frankreich und Tunesien, hinter dem mal wieder der „böse Islam“ im Deckmantel von ISIS stecken soll, hat Frankreich neue Sorgen bekommen. Nach Charlie Hebdo ist es die zweite Attacke, die von islamischen Terroristen ausgehen soll. Und das Urlaubsland Tunesien ist nun als Ex-Kolonie Frankreichs nun nicht gerade ein Land, welches gänzlich uninteressant für Frankreich ist. Solche schrecklichen Ereignisse machen es Frankreich nun wirklich nicht einfacher, die NSA-Affäre im eigenen Land umfassend aufzuklären.

ISIS schlug insgesamt diese Woche in fünf Ländern gleichzeitig zu. Damit hat nun keiner gerechnet. Auf dem unteren Tweet ist eine Karte abgebildet, wo ISIS überall zuschlug, womit ein Effekt nicht auszuschließen ist: Die am Anfang veröffentlichten Leaks werden in der Wichtigkeit wieder in den Hintergrund gedrängt. Ganz menschlich, da viele Menschen Opfer dieser Mordserie wurden. Frankreich ist im Hinblick auf ISIS deswegen verwunderlich, weil sich der Staat auf eine anderen Karte gerade nicht in Frankreich ausbreiten wird. Und: Der Mord in Frankreich war in der Ausübung sicher am grausamsten.

Für Journalisten drängt sich die Frage auf, weshalb ausgerechnet in der gleichen Woche in Frankreich und auf der ganzen Welt ein Terroranschlag stattfindet ? Was findet man in den Millionen Dokumenten auf dem WikiLeaks-Server im Hinblick auf ISIS/ISIL oder den islamischen Staat, der nun auch nicht von ungefähr sich im kompletten Nahen Osten ausbreitet? Außerdem: Die US-Diplomatie entschuldigt immer wieder gerne ihre weltweiten Schnüffelaktivitäten mit dem Argument der Terrorbekämpfung. Und weiter:

Welche Rolle spielt der deutsche Auslandsgeheimdienst BND, der laut dem BND-Ausschuss auch nicht unbedingt mit verschränkten Armen die NSA-Aktivität beobachtete. Vielmehr half der BND auch Länder wie Österreich oder Luxemburg zu bespitzeln. Fragen über Fragen. Und jede Antwort wirft neue Fragen auf. Auf WikiLeaks können in anderen Leaks zumindest auch Hinweise auf die Antwort aller dieser Fragen gefunden werden.

Auch WikiLeaks hat Fragen oder besser einen Appell: Der staatseigene Infokanal der Franzosen France24 berichtet, dass Julian Assange Frankreich dazu affordert rechtliche Schritte gegen die USA vorzunehmen. Auf dem oberen Tweet gelangt man auf die englischsprachige Seite des Senders, auf der auch eine Videobotschaft des WikiLeaks-Chefredakteurs eingebettet ist. Frankreich hatte schon leichtere Wochen vor sich. Aber auch die vierte Gewalt hat viele Fragen zu beantworten – interdisziplinäre Fragen.

Die Fragen kann man in folgende Disziplinen unterteilen: Juristische Fragen, politische Fragen, historische Fragen, technische Fragen sowie viele andere Fachfragen. Letztlich sei die Moral von der Geschichte, die längst noch nicht zu Ende geschrieben ist eine Frage der Ethik. Die Abfolge ist hier weder in der Abfolge gewichtet noch abschließend.

Schön ist aber, dass an der Beantwortung der vielen Fragen gearbeitet wird. Die Journalisten produzieren inzwischen in Teamarbeit neue Texte, wo sie ihre Rechercheergebnisse präsentieren. Auf Twitter kann man die weitere Berichterstattung gut verfolgen. Dieser Link führt direkt auf den Newsfeed von Twitter, auf dem man die aktuellen Meldungen, Grafiken und Video im Hinblick auf die #FrenchLeaks verfolgen kann.

Auch Wirtschaftsspionage im Spiel

Last but not least: Das französische Portal Mediapart hat in Zusammenarbeit mit den WikiLeaks-Journalisten inzwischen auch herausgefunden, dass die Amerikaner nicht nur das immer behauptete Interesse der Terrorabwehr hatten. Auch die Wirtschaft Frankreichs wollten die Amerikaner ausspionieren.

Aus sieben weiteren Dokumenten ging hervor, dass die USA die nicht für sich behielten. Die Informationen gingen an die engsten Verbündeten der imperialistischen Supermacht: Großbritannien, Australien und Kanada haben diese Informationen auch erhalten, so das französische Magazin „Liberation“.

Am Schluss sei noch mal auf die Seite von WikiLeaks hingewiesen, wo man die Details über die Spionageaffäre zwischen den USA und Frankreich abrufen kann. Man darf weiter gespannt auf neue Analysen, Enthüllungen weitere Konsequenzen gespannt sein. Bei den #FrenchLeaks ist freilich noch nicht alles erforscht, gesagt oder gar entschieden.

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1 KOMMENTAR

  1. Was mich am meisten bei den Leaks nachdenklich und stinksauer macht, ist die Tatsache, dass es wohl das Sarkozy-Frankreich (erinnern sich noch welche an MERKOZY, jetzt geht einem ein Licht auf) gewesen ist, das mit seinem imperialen Kleinmachttraum eines kleinen Mannes zur Beseitigung des stabilen Gaddafi-Libyen erst das heutige Flüchtlingsdesaster, das über Europa hereinbricht, möglich gemacht hat. Quel grand malheur, die Grande Nation als 1. Totengräber des Alten Europa. Gratulation, aber sie werden sich auch ihr eigenes Grab schaufeln. Während unsere Eliten schon die mit Stacheldraht eingezäunten Containerdörfer für die letzten Deutschen planen, bevor die Machtergreifung der Migranten und Asylanten – unter tätiger Mitwirkung bei linksGRÜNEn Gewaltorgien der Antifa-SS-turmstaffeln – anbricht. Die Zeit wenn Boideutsche ohne MiHiGru gelbe Sterne mit einem durchgestrichenen D tragen müssen und die letzten Gotteshäuser halal gemacht sein werden und sie unseren Gott darin f*****. Sagt da jemand Fiktion? Nur durch breite, unabhängige Information frei von GEZ-Weichspülern wird man schlau.

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