Die Würde des Menschen…

Würde. Ein Wort das an Relevanz verliert sobald das Geld knapp wird, die Interessen der Mächtigen auf dem Spiel stehen, oder aus populistischen Gründen mal wieder Hass geschürt wird. Von französischen und deutschen Philosophen erträumt, haben die USA die Menschenrechte niedergeschrieben und zur Grundlage ihrer Nation gemacht. Sie haben sich nie daran gehalten, was aber nichts daran ändert, dass es eine Vorlage für ein harmonisches Zusammenleben darstellt.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Würde des Menschen ist unantastbar! In der Deklaration der Menschenrechte steht dieser kurze Satz. Ende des 18. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt der "Aufklärung", wurden die Menschenrechte verfasst. Ihre Verfasser und geistigen Urheber wollten das despotische "Ancien Régime" der absolutistischen Monarchien beseitigen und hatten es satt, dass der Adel in unvorstellbarem Luxus lebte und dieser Lebensstil auf Kosten eines unvorstellbaren Elends, eines hungernden und sich zu Tode schuftenden Volkes ging. Die Revolten, Revolutionen und Kriege, die auf diese neue Idee folgten waren Ausdruck des verzweifelten Versuchs der alten Eliten, des Adels, sich jahrtausendealte Privilegien zu erhalten. So waren die Anfänge unsere heutigen „Freien Welt“ und der jetzigen Form der Demokratie, die viele nicht zu schätzen wissen, alles andere als friedlich. In unzähligen Kriegen kämpften die Menschen für ihre Rechte und Millionen gaben ihr Leben für Freiheit und Demokratie.

Doch ist all die Freiheit nichts Wert, nützt uns unser demokratisches System reichlich wenig, wenn uns das Wichtigste fehlt: Ein Leben in Würde – und zwar für alle Bürger unserer Gesellschaft. Denn derzeit wird seitens derer die uns regieren und geschworen haben unsere jeweiligen Verfassungen und somit auch die Menschenrechte zu achten, zu bewahren und für das Wohlergehen der Bürger zu sorgen, eines der Menschenrechte in den Vordergrund gesetzt – das Recht auf Privatbesitz. Natürlich ist es ein Recht, das seinen Sinn hat, doch wird es wohl etwas Falsch interpretiert. Es geht darum das jeder das Recht hat seinen Besitz zu bewahren. Der Staat soll den privaten Besitz schützen und das Eigentum eines Bürgers darf nicht von einer anderen Person oder vom Staat genommen werden. Allerdings wird nur all zu oft der Besitz von Menschen beschlagnahmt oder gepfändet. Der einzige Besitz, der vom Staat geschützt wird, über das Maß hinaus, ist der Besitz der oberen 10.000. Die Eliten von heute sind dem Adel von damals nicht unähnlich.

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Ja, der heutige "Geldadel", die Finanzoligarchie, beherrscht unser aller Leben wie der Adel dereinst es tat. Doch tun sie es nicht in dem sie sich auf ein „von Gottes Gnaden“ oder irgendein anderes von den Göttern gegebenes Recht berufen, sondern handeln auf eine perfide, zynische und geradezu teuflische Weise. Sie nutzen die Macht des Geldes um sich alles zu erkaufen was man sich nur vorstellen kann. So kaufen sie Politiker, Parteien, Regierungen und sogar die Opposition in den Parlamenten unserer sogenannten Demokratien. Damit haben sie praktisch die Demokratie selbst gekauft. Das "Demos" – das Volk, hat somit schon lange nichts mehr mit der "Kratie" – der Herrschaft, gemein.

Bezeichnend dabei, dass es von Anfang an so war. Mit Ausnahme einiger wenigen Momente, meist unmittelbar nach einer Revolution, haben sich die heutigen Eliten aus einem Bürgertum entwickelt, welches dem Adel die Macht mit Hilfe des Pöbels entriss, um dann selbst despotisch zu herrschen.
Die skrupellosesten Sippen haben bis heute die Macht, sie bekämpfen sich gegenseitig und reißen dabei nicht selten die Völker in Kriege. Wir machen es ihnen auch einfach, da wir nur all zu schnell auf den Populismus reinfallen. Der Frust über ein miserables Leben lässt sich leicht in Hass umwandeln, wenn dieser nur intelligent geschürt wird. Die propagandistische Systempresse macht einen guten Job indem sie die Gefühle und Meinungen der Menschen lenkt, wie es ihre Herren wünschen. Dann haben wir auch noch die Unterhaltungsindustrie, die das Volk ablenkt, die heile Welt zeigt oder sogar als Verblödungsmittel genutzt wird. Würde hat jemand der sich diesem Lebensstil hingibt und sich voller Hass auf die jeweils auserkorenen Zielgruppen schon lange nicht mehr.

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Denn die Würde muss man wollen. Ein Leben in Würde kann man nur bekommen, wenn man sich dafür einsetzt. Wir kritisieren die Flüchtlinge, die sich schier unvorstellbaren Strapazen aussetzen, sogar ihr Leben aufs Spiel setzen, um vor einem Leben zu fliehen, dass wir uns gar nicht vorstellen können. Sie tun das um würdevoll Leben zu können. Doch auch wenn sie dieses Leben nur selten vorfinden, wenn sie nach Europa kommen, sie kämpfen dafür. Im Gegensatz zu vielen Deutschen (und anderen Europäern), die auf das Recht auf ein Leben in Würde längst aufgegeben haben. Doch damit nicht genug, sie müssen es ihren Mitmenschen, die auf dieses Recht nicht verzichten auch noch neiden.

Neidisch braucht man derzeit auf die Griechen nicht sein. Genau wie den Portugiesen, Spaniern und anderen Bürgern aus Krisenländern, geht es den den Hellen schon seit Jahren immer schlechter. Es wurde viel geschrieben, über die Kürzungen der Einkommen, der unglaublich hohen Arbeitslosigkeit, der Misere in der die Griechen gestürzt wurden, aber auch von den faulen, verwöhnten Schmarotzern, die keine Steuern zahlen und auf Pump ihren viel zu großzügigen Sozialstaat finanziert haben. Purer Populismus, der von den wahren Gründen der Krise ablenken soll. Die Griechen haben eine Regierung gewählt, die ihnen ein würdevolles Leben garantieren soll. Doch das wollen ihnen die Machthaber in Europa nicht zugestehen. Denn dann könnten die Spanier und Portugiesen und alle anderen auch in Würde leben.

Bezeichnend also, dass die Würde des Menschen nur in sofern unantastbar ist, dass wir sie uns nicht so einfach zurück nehmen sollen. Sie ist in den Händen der Finanzoligarchen und wenn wir sie wollen, dann müssen wir dafür kämpfen. Vielleicht ist es ja genug, wenn wir eine neue Regierung wählen, wie die Erfinder der Demokratie. Doch wie man sieht, ist das wohl nicht genug, so dass wir, wie die Flüchtlinge die derzeit Europa überfluten, womöglich noch unsere Leben riskieren müssen, in einem Kampf gegen die Mächtigen, die alles tun um an der Macht zu bleiben. Sie gehen über Leichen und das macht mir manchmal Angst. Dennoch bin ich bereit für das Menschenrecht zu Kämpfen, dass so viel bedeutet und doch kaum beachtet wird. Die WÜRDE!

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2 Kommentare

  1. Der Räuberhauptmann Johannes Böckler wart der “Schinderhannes” genannt. Er ist 1783 geboren worden hatte schon mit 18 Jahren 250 Mitarbeiter. Allerdings war seine Karriere auch nicht eben lang gewesen, mit 21 ist er hingerichtet worden. Man will es kaum glauben, seine Kinder haben alle eine respektable Karriere gemacht.

    Die Bänkelsänger dichteten ihm zur Hinrichtung ein Liedchen und das traf Volkes Gemüt:

    Ade, mein Vater, ade, mein Mutter,
    ade, mein Schwester, ade, mein Bruder.
    Wascht Eure Hände in meinem Blut,
    denn das Scheiden tut nicht gut.

    Der Anspruch des Autors ist unbedingt auch mein Anspruch! Wir haben kaum eine andere Wahl, die Verfassung wiederzubeleben. Das Grundgesetz ist eine gute Verfassung und die Postdemokratie simuliert dazu Treue. Also läßt sich die Mischpoke damit kompromittieren!

    Ich höre immer, ja aber die halten sich doch trotzdem nicht daran. Solchen Nihilismus will ich nicht hören! Ich weiß das, deshalb muß man sie mit allen Methoden dazu zwingen!

    Und noch etwas: wäre Bernd Lucke ein bequemer Gast, würden nicht alle Agitatoren auf Hochtouren laufen, um ihn in Mißkredit zu bringen. Bernd Lucke ist gefährlich für das System, weil er intelligent ist und tadellos und damit den Mittelstand gewinnen kann. Der Mitelstand wählt sicher keine Pegida-Propagandisten, der wählt aber einen Wirtschaftsprofessor! Auf, Auf!

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