Sonntagspanorama #9

Liebe Leserinnen und Leser,

ich lasse das päpstliche Verdikt „Niederlage für die Menschheit“ im Zusammenhang mit der Legalisierung der Homo-Ehe in Irland mal weg und thematisiere mit der Christenverfolgung ein viel weniger abseitiges und randständiges Thema. Das Katholisches.info-Magazin gibt nicht nur die Gebetsmeinungen des „Heiligen Vaters“ wieder, sondern formuliert auch treffend zur Diskriminierung von Christen. Es schreibt: „In Wien fand die zweite internationale Konferenz über Intoleranz und Verbrechen gegen Christen statt. Die katholische Delegation machte darauf aufmerksam, dass der antichristliche Hass nicht nur eine Angelegenheit der anderen Hemisphäre ist. ‚Jedes Jahr werden Hunderte Fälle von Kirchenschändungen, von geköpften oder zerstörten Statuen, von entfernten und verbannten religiösen Symbolen, von verbalen und physischen Aggressionen gegen Christen, Laien, Priester und Ordensleuten gemeldet‘. Mit dieser erschreckenden Auflistung beginnt der Osservatore Romano seinen Bericht über eine OSZE-Konferenz über Diskriminierung und Verfolgung von Christen. Obwohl Anti-Diskriminierung das tägliche Brot wesentlicher Teile von Politik und Medien scheint, wurde die Internationale Konferenz von den meisten europäischen Massenmedien einfach ignoriert. Die Diskriminierung von Christen scheint kein Thema zu sein. Berichte über in Europa von Europäern verfolgte Christen könnten tiefsitzende Vorurteile ins Wanken bringen.“ Die katholische Delegation weiter: „Mit der Zunahme religiöser Intoleranz in der Welt ist Jahr für Jahr gut dokumentiert, dass die Christen die weltweit am meisten verfolgte und diskriminierte Religionsgemeinschaft sind. In einigen Regionen, darunter auch solchen, die direkt vor den Toren der OSZE liegen, könnte man sogar davon sprechen, dass die Verfolgung die Züge eines Genozids trägt.“

Bild interviewt die Tochter des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow. Hier ein Auszug:

Bild: „In seinem letzten Bericht schrieb Ihr Vater, seit 2014 hätten bis zu 10 000 russische Soldaten in der Ost-Ukraine gekämpft. Wie hat er das herausgefunden?“
Zhanna Nemzow: „Mein Vater hat mit russischen Soldaten und ihren Familien gesprochen. Dabei erfuhr er: Fallschirmjäger aus Iwanowo wurden gezwungen, aus der Armee auszutreten, bevor sie als sogenannte Freiwillige in die Ost-Ukraine geschickt wurden. Als die Männer dann im Einsatz getötet wurden, bekamen ihre Angehörigen keine Entschädigung – weil sie dann nicht mehr offiziell zum Militär gehörten.“
Bild: „Was wollte ihr Vater mit seinem Bericht erreichen?“
Zhanna Nemzow. „Er plante, ihn Millionen Mal zu kopieren und in den Großstädten zu präsentieren. Sein Bericht ist der detaillierteste, der seit Kriegsausbruch veröffentlicht wurde.“

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Um die Meinungsfreiheit nicht zu gefährden, hat der Oberste Gerichtshof der USA im letzten Jahr die Obergrenze für Wahlkampfspenden abgeschafft. Ken Cohen, der Vizepräsident für Regierungsangelegenheiten bei dem US-amerikanischen Ölkonzern Exxon Mobil, erläutert im Harvard Business manager unverblümt, wie das mit den Wahlkampfspenden funktioniert. Er sagt: „Ich leite das politische Aktionskomitee (PAC) von Exxon Mobil. Wir halten Wahlkampfspenden für eine wichtige Möglichkeit, an politischen Diskussionen teilzuhaben. Wir erwarten von den von uns unterstützten Kandidaten keineswegs, dass sie immer zu unseren Gunsten stimmen, aber wir möchten schon ein Mitspracherecht in politischen Debatten haben. Jedes größere und einigermaßen bedeutende Unternehmen sollte aktiv am politischen Prozess mitwirken, und dazu gehören auch Spenden. Denn wenn die Kandidaten im Amt sind, werden sie wahrscheinlich ein offenes Ohr für die Interessen der Firmen haben, die sie im Wahlkampf unterstützt haben.“ – Ja, wenn das so ist, dann gibt es auch keinen Fifa-Skandal!

Dass man mit Geld auch sinnvollere Dinge anfangen kann, als systematisch Politiker zu kaufen, zeigt ein interessantes Projekt in Südindien: „Die Aravind-Augenkliniken richteten zwei Eingänge ein: einen für arme Patienten, die nur so viel zahlen, wie sie können, und einen für wohlhabende Patienten, die einen stolzen Preis zahlen, der sowohl die hohe Qualität der Operationen als auch die Operationen von armen Mitpatienten abdeckt. Die Ärzte wissen nicht, wer welchen Eingang genommen hat. Durch dieses Konstrukt sind unter einem Dach ein hochprofitables Krankenhaus und eine quer subventionierte Armenklinik vereint. Das Modell hat bisher nicht nur Hunderttausende Menschen vor Blindheit bewahrt, sondern ist Vorbild für die indische Klinikkette Narayana geworden, die dasselbe Prinzip inzwischen auch auf andere Operationen ausgeweitet hat.“ Quelle: Harvard Business manager

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Schwarzes SchafDas schwarze Schaf der Woche

„Bravo, super, Zugabe!“

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Beim Eurovision Song Contest (ESC) in Wien haben die Veranstalter Buhrufe des Publikums vor allem gegen den russischen Beitrag weggefiltert und mit Jubel übertüncht.

Zu solchen Methoden darf das schwedische Fernsehen im kommenden Jahr nicht greifen, mahnt die liberale Tageszeitung Dagens Nyheter: „Vielleicht kann man den ESC des kommenden Jahres als eine Gelegenheit betrachten, die zivile und kulturelle Verteidigung zu üben. Das schwedische Fernsehen muss natürlich gegen die Geräuschmanipulation der European Broadcast Union protestieren. Zwar geht es um ein Schauspiel und damit nicht zu allererst um die Wahrheit. Dennoch sollte das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Schweden an seinen Prinzipien festhalten, damit eine gewisse Transparenz gewahrt bleibt und die Zuschauer nicht aktiv in die Irre geführt werden.“

Weißes SchafDas weise Schaf der Woche

„Viele Köche verderben den Brei – bei Bilfinger reichte einer“

Marlis Weidtmann, die Herausgeberin des Effekten Spiegels, rechnet mit dem Laiendarsteller Roland Koch ab, der im August 2014 nach fünf Gewinnwarnungen in zehn Monaten als Vorstandschef von dem Bauunternehmen Bilfinger gefeuert wurde.

Sie schreibt: „Als ehemaliger Ministerpräsident des Landes Hessen besaß Koch die Schlüsselqualifikation eines guten Netzwerkers mit einer intakten Verbindung nach Berlin. Hinzu kamen Machtinstinkt, Durchsetzungskraft und ein ausgeprägtes schauspielerisches Talent. Doch was in der Politik genügt, um Karriere zu machen, reicht in der Wirtschaft nicht einmal aus, um ein erfolgreiches Traditionsunternehmen lediglich auf Kurs zu halten. Nach drei Jahren Amtszeit von Roland Koch ist Bilfinger eine gigantische Baustelle, (…) die Energiesparte ein einziges Desaster.“ – Koch hat wieder einen neuen Job gefunden und sitzt seit März dieses Jahres im Aufsichtsrat von Vodafone, nicht ohne bis zum Ende seiner regulären Vertragslaufzeit (Februar 2016) bei Bilfinger noch eine Gage von 3 Mio. Euro und eine Abfindung von 1,3 Mio. Euro zu kassieren.

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Nachdem der Baukonzern Bilfinger und Berger in Kochs Regierungszeit den 80 Millionen Auftrag zum Bau der Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen erhalten hatte, wechselte Koch 2011 vom Ministerpräsidentenamt fast nahtlos in die Dienste dieser Gesellschaft. – Um eine „nachgelagerte Bestechung“ zu vermeiden, fordert die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, dass Politiker drei Jahre nach ihrem Ausscheiden nicht in Unternehmen tätig werden, die im Zusammenhang mit ihrer vormaligen Regierungsfunktion stehen.

Roland Koch legte die Landebahn Nordwest, die im Oktober 2011 eröffnet wurde, direkt über die Köpfe von Hunderttausenden von Bewohnern der Rhein-Main-Region, teilweise nur in einer Überflughöhe von 250 Metern. Mit dem Ergebnis: Immer wieder reißen landende Großraumflugzeuge Dachziegel von den Dächern und drohen Menschen zu erschlagen. Für mich gehört der Dalai Lama-Versteher Roland Koch wegen versuchten Totschlags vor Gericht gestellt. Mehr dazu erfahren Sie im Lektüretipp der Woche (in der Bilderstrecke).

Mein Lektüretipp der Woche:

Main-Spitze: Wirbelschleppe lässt in Flörsheim über 30 Ziegel vor einer Haustür und auf Bürgersteig zerschmettern

Claus Folger
Frankfurt am Main

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