Liebe Leserinnen und Leser,

Professor Peter Bofinger begutachtet als einer der Fünf Weisen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Er fordert in einem Spiegel-Interview mit folgenden Argumenten die Abschaffung des Bargelds:

  • „Münzen und Geldscheine sind bei den heutigen technischen Möglichkeiten ein Anachronismus.
  • Es geht viel Zeit verloren, wenn Leute vor Ihnen an der Ladenkasse nach Kleingeld suchen und die Kassiererin nach Wechselgeld.
  • Die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen werden ausgetrocknet.
  • Mit 500-Euro-Noten wickeln lichtscheue Gestalten ihre Geschäfte ab.
  • Die Notenbanken haben es einfacher, ihre Geldpolitik durchzusetzen. Derzeit können sie die Zinsen kaum nennenswert unter null Prozent drücken, da die Anleger sonst Bargeld horten. Gibt es kein Bargeld mehr, entfällt die Nullzinsgrenze.“

Große Preisfrage an das Publikum:  Welche vier Gründe sind fadenscheinig und vorgeschoben? Welcher Grund ist stichhaltig?

Finanzwissenschaftler Lars Feld, auch einer der Fünf Weisen, sagt in einem FAZ-Gespräch dagegen Bemerkenswertes: „Bargeld ermöglicht es den einzelnen Bürgern, sich dem Zugriff des Staates zu entziehen, gerade dann, wenn dessen Vorgaben nicht legitim sind. Das gilt auch für Schwarzarbeit. Diese hat zwar die illegale Dimension der Steuerhinterziehung und des Sozialbetrugs, allerdings ist Schwarzarbeit nicht selten für die Betroffenen auch die letzte Möglichkeit, überhaupt einen Lebensunterhalt zu verdienen.“

Die Ukraine – gestern:

„Für Hitler wie Stalin war die Ukraine mehr als eine Nahrungsquelle. Sie war der Ort, der es ihnen ermöglichen würde, die Regeln der traditionellen Ökonomie zu durchbrechen, ihre Länder aus Armut und Isolation zu führen und den Kontinent nach ihrem Ebenbild umzuformen. Ihre Programme und ihre Macht hingen von der Kontrolle des fruchtbaren ukrainischen Bodens und seiner Millionen von Landwirten ab. 1933 sollten Millionen Ukrainer in der größten menschengemachten Hungersnot der Geschichte sterben. Das war der Beginn der besonderen Geschichte der Ukraine, aber nicht das Ende. 1941 eroberte Hitler sie von Stalin und versuchte seine koloniale Version zu verwirklichen, indem er Juden erschießen und sowjetische Kriegsgefangene verhungern ließ. Die Stalinisten kolonisierten das eigene Land, die Nazis kolonisierten die besetzte sowjetische Ukraine, und für ihre Bewohner reihte sich ein Leiden an das nächste. Während Hitler und Stalin gleichzeitig an der Macht waren, starben mehr Menschen in der Ukraine als irgendwo sonst in Europa oder auf der Welt.“ Quelle: Bloodlands, Timothy Snyder.

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Die Ukraine – heute:

„Wie auch Georgien spielt die Ukraine eine wichtige geostrategische Rolle auf dem Schachbrett der globalen Macht für die USA. Die Ukraine liegt strategisch ideal, nah an Europa, gut erreichbar, mit dem Ziel der Eindämmung Russlands. Die Ukraine verfügt zudem über bedeutende Rohstoffressourcen: Es gibt beträchtliche Mengen an Schiefergas, wofür sich amerikanische Konzerne interessieren. Außerdem ist die sogenannte „Schwarze Erde" stark begehrt. Die Ukraine war wegen ihres fruchtbaren Bodens die Kornkammer der Sowjetunion. Monsanto interessiert sich schon seit langem für diese gigantischen Anbaugebiete. Den USA geht es also offensichtlich darum, größeren wirtschaftlichen Einfluss auszuüben. Mit der neuen Regierung unter Jazeniuk ist das erstmals wirklich gelungen. Die neue Regierung verfolgt eine neoliberale Politik. Politische Schlüsselpositionen sind in ausländischer Hand: Eine Amerikanerin ist Wirtschaftsministerin, ein Litauer der Finanzminister und der Gesundheitsminister ist Georgier. Alle haben in den USA gelebt, sind Repräsentanten dieser neoliberalen Ideologie. Aber die neoliberale Austeritätspolitik in der Ukraine führt in meinen Augen zwangsläufig zu einer sozialen Katastrophe ähnlich wie in Griechenland. Die Ukraine kann nun regelrecht geplündert werden, so wie es zuvor die korrupten Oligarchen taten, die eng mit Russland und dem korrupten, geflüchteten Präsidenten Janukowitsch zusammengearbeitet hatten.“ Der investigative Autor Jürgen Roth auf info.arte.tv

Während sich also amerikanische und russische Oligarchen auf Kosten der ukrainischen Bevölkerung gegenseitig auszustechen versuchen, brechen die deutschen Exporte nach Russland wegen den von den USA orchestrierten, westlichen Sanktionen weiter ein. Laut des Statistischen Bundesamts sanken im ersten Quartal die deutschen Russland-Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um 34%. Aber auch die Einfuhren fielen um fast 30%.

Ein ägyptisches Gericht hat den früheren Ex-Präsidenten Mohamed Mursi wegen Spionage zum Tode verurteilt. Dass westliche Regierungen bislang kaum eine Reaktion auf das Urteil zeigten, sei kein Zufall, meint die islamisch-konservative Istanbuler Tageszeitung Yeni Şafak: „Natürlich war die Demokratisierung von Ägypten, das jahrzehntelang von Diktatoren geführt wurde, für einige Mächte inakzeptabel. Sie hatten das Beispiel der Türkei vor Augen, die sich nach der Demokratisierung ihrer Kontrolle entzog, sich entwickelte und erstarkte. (…)
Die einzigen politischen Bewegungen in der Region, die auch einen gesellschaftlichen Rückhalt haben, sind die islamischen Bewegungen, die eine kritische Haltung gegenüber der Weltordnung einnehmen. Deshalb wird die These verbreitet, dass freie Wahlen in der Region, vor allem in Ägypten, für Chaos sorgen würden.

Ein amerikanisches Gericht hat Dschochar Zarnajew (21), der den Anschlag auf den Boston-Marathon mit drei Toten und vielen Verletzten verübt haben soll, zum Tode durch eine Giftspritze verurteilt. In einem Schauprozess wurde Zarnajew unter anderem der Einsatz von Massenvernichtungswaffen vorgeworfen. Massenvernichtungswaffen sind nach Wikipedia „chemische, biologische, radiologische und nukleare Waffen, mit denen der Gegner militärisch behindert oder ausgeschaltet werden soll“. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll Zarnajew als elfjähriger Bub die Massenvernichtungswaffen aus dem Erdloch ausgegraben haben, wo sie Saddam Hussein bis zuletzt vor George Bush versteckt hielt.

Schwarzes SchafDas schwarze Schaf der Woche

„Fleisch, Kraft, Gesundheit.“
Werbebotschaft einer Frankfurter Metzgerei.

Greenpeace schreibt: „Um ein Kilogramm Schweinefleisch zu erhalten, müssen fünf Kilogramm Viehfutter produziert werden. Da der Fleischkonsum weltweit steigt, werden Jahr für Jahr riesige Flächen artenreiche Wälder gerodet, um darauf Viehfutter statt Lebensmittel anzupflanzen und das wirkt sich verheerend auf die Welternährungssituation aus. Gemessen an der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche werden unglaubliche 80 Prozent für die Viehproduktion und den Futtermittelanbau verwendet. Dabei machen tierische Lebensmittel nicht einmal 20 Prozent der weltweiten Nahrungsenergieversorgung aus. Ein Drittel der weltweiten Getreideernte verschwindet im Tiermagen. Die Flächen, auf denen Tierfutter wie Getreide, Mais und Soja angebaut wird, könnten um ein Vielfaches effizienter für die menschliche Ernährung in Form von Pflanzen verwendet werden. Die weltweite Tierhaltung gehört mit rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen zu den wichtigsten Verursachern der globalen Erwärmung. Dazu gehören sowohl direkte Emissionen wie z.B. aus dem Magen freigesetztes Methan bei Rindern, vor allem aber Emissionen bei der Futtererzeugung inklusive Abholzungen zur Landumwandlung. Vor allem Wiederkäuer haben einen extrem hohen CO2-Ausstoß: Pro Kilo Rindfleisch werden umgerechnet 13,3 Kilo CO2 freigesetzt. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Mischbrot produziert 0,75 Kilo CO2, Äpfel 0,5 Kilo CO2, und Tomaten 0,2 Kilo CO2.“ Sehen Sie auch den Lektüretipp der Woche unten.

Weißes SchafDas weise Schaf der Woche

„Fleisch, Kraft, Gesundheit.“
Werbebotschaft einer Frankfurter Metzgerei.

Die Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong schreibt über den Übergang der Menschheit von Jägern und Sammlern zu Ackerbauern: „Skelettfunde zeigen, dass die pflanzliche Ernährung Menschen hervorbrachte, die einen Kopf kleiner waren als die fleischessenden Jäger. Sie neigten zu Blutarmut, Infektionskrankheiten, fauligen Zähnen und Knochenanamolien.“ Quelle: Im Namen Gottes, Religion und Gewalt.

Bio-Fleisch kann so richtig lecker und gesund sein. Und erst die viel positivere Klimabilanz, da der Biolandbau auf den Einsatz von energieintensiven Kunstdüngern und giftigen Pestiziden verzichtet!

Mein Lektüretipp der Woche:

BUND-Fleischatlas

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Claus Folger
Frankfurt am Main

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