Sonntagspanorama #6

Liebe Leserinnen und Leser,

"Kein Stichwort bringt sie mehr in Rage als ebendas: Medien. Sofort verlieren sie Contenance und Zurückhaltung, setzen mit furiosen Episteln an: Medien pauschalieren, skandalisieren, betreiben Hetzjagden, zerstören Lebensleistungen, schlachten Menschen, schmeißen mit Dreck." – Um wen geht es hier wohl? Es ist die deutsche Wirtschaftselite, die ihre Leistungen von den Medien nicht ausreichend gewürdigt sieht und sie deshalb pegidagleich verachtet. „Stuttgart 21 war und ist für die Bosse der Horror schlechthin. Dann doch lieber eine ‚gute Diktatur‘, von denen einige der Befragten träumen würden.“ – Peter Marx stellt auf Deutschlandradio Kultur das Sachbuch „Sprachlose Elite“ von Franz Walter und Stine Marg vor.

Deutsche Unternehmer sollten sich besser mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Nachrichtendienste außerhalb der Wahrnehmung und der Kontrolle der gewählten Volksvertreter und der Justiz arbeiten und Industriespionage betreiben. Eine Studie des Digitalverbands „Bitcom“ ergab, dass mehr als die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Cyberkriminellen wurde. Der Verband schätzt den Schaden für die gesamte deutsche Wirtschaft auf mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr. – In erster Linie würden aber aktuelle und ehemalige Mitarbeiter als Täter auftreten und nicht ausländische Geheimdienste. Quelle: FAZ

Besorgniserregend ist auch, mit welcher Massivität die Streitkräfte der USA und der NATO immer näher an die Grenze Russlands heranrücken. Nach luftpost.detreffen die USA und die NATO 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unübersehbare Vorbereitungen für den Dritten Weltkrieg, der schnell zum finalen Atomkrieg werden könnte.Luftpost.de untermauert seine Einschätzung mit zahllosen Belegen. Sehen Sie dazu auch den „Lektüretipp der Woche“ unten.

Die Frage, ob die NATO-Manöver an der Grenze zu Russland mehr sind als eine Drohkulisse, kann ich nicht beurteilen. In den 1980er Jahren konnte es sich die USA unter Ronald Reagan noch leisten die Sowjetunion totwettzurüsten. Trotz Russlandsanktionen sieht die Lage heute fundamental anders aus. Das Statistik-Portal statista.com setzt die Staatsverschuldung Russlands für das Jahr 2014 mit 12,95% (die USA: 105,7%) des Bruttoinlandsprodukts an. Im Jahr 2004 betrug die Staatsverschuldung Russlands laut der gleichen Quelle noch 22,32 % (die USA: 65,48%) des BIP. Die USA sind mittlerweile mit knapp 20 Billionen Dollar verschuldet und können sich einen Anstieg der Zinsen vor dem Hintergrund der maroden Wirtschaftslage niemals leisten. Die Neue Züricher Zeitung schätzt, dass der Negativzins als Reaktion auf die aufziehende Finanzkrise auf 5% erhöht werden muss. Mit anderen Worten: Die Wirtschafts- und Finanzkrise schließt eine weitergehende militärische Eskalation der NATO in Russland eher aus.

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Das amerikanische Imperium wird auch keine Vormachtstellung auf dem eurasischen Kontinent erreichen können, wie sie der US-amerikanische Globalstratege, Zbigniew Brzeziński, in seinem 1997 erschienenem Buch „Die einzige Weltmacht“ einfordert.
„Die vor wenigen Wochen auf Initiative Chinas aus der Taufe gehobene Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) hat das Potential, das dollarzentrierte Weltfinanzsystem vollständig aus den Angeln zu heben. Die Dominanz des US-Dollars und der Vereinigten Staaten als Weltmacht könnte im Zuge dessen schneller zu Ende sein, als man sich das heute vorzustellen vermag“, schreibt Andreas Hoose vom Antizyklischen Börsenbrief. Der ehemalige Chefökonom der Weltbank und US-Finanzminister Larry Summers sagt auf zerohedge.com: „Die Vereinigten Staaten haben ihre Rolle als Emissionsbank des globalen Wirtschaftssystems verloren.“ Die AIIB steht als eine multilaterale Entwicklungsbank im Wettbewerb zu den US-dominierten Instituten Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF). Unmittelbar nach Bekanntwerden der chinesischen Pläne hatten die USA ihre Verbündeten gedrängt, sich nicht an der AIIB zu beteiligen. Vergeblich: Die AIIB listet bereits 57 Nationen als angehende Gründungsmitglieder auf, darunter auch enge Verbündete der USA wie Großbritannien, Deutschland, Italien, Frankreich und Israel. Die Entwicklungsbank soll Ende des Jahres ihre Arbeit aufnehmen.

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Die Radikalisierung der israelischen Gesellschaft findet in dieser Woche ihren Ausdruck in der Regierungsbildung. Das Bündnis aus Ultranationalen und Ultrareligiösen lässt die liberale israelische Tageszeitung Haaretz erschrecken. Sie schreibt: „Die wichtigsten Themen der neuen israelischen Regierung sind, die Besatzung Palästinas vorantreiben, die illegalen Siedlungen ausbauen – und mehr Geld für ultraorthodoxe Juden, die nicht arbeiten, sondern sich um ihre theologischen Studien kümmern.“ Wenn Ultras in Israel das Alte Testament lesen und aus dieser Lektüre die tausendfache Entrechtung der Palästinenser ableiten, dann ist die einzige Antwort der westlichen Welt darauf, dass der sogenannte Friedensprozess weitergehen muss. George Orwell: „Krieg ist Frieden und Frieden ist Krieg.“

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Zwischen rechts und links kann auch nicht der FBI-Direktor James Comey unterscheiden, der den Besuch des Holocaustmuseums in Washington für FBI-Agenten zur Pflicht gemacht hat. Er hatte in einem Gastbeitrag für die Washington Post Polen und Ungarn als Komplizen des Holocaust bezeichnet. Die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz bekräftigte daraufhin, dass „Polen kein Täter, sondern ein Opfer des Zweiten Weltkriegs“ gewesen ist. Quelle: FAZ

Das schwarze Schaf der Woche

Schwarzes Schaf„Stalin war ein effektiver Manager.“
Wladimir Putin, der Präsident der Russischen Förderation. Quelle: FAZ

Putin bedient nicht nur den wieder aufblühenden Stalinkult in Russland, er betreibt ihn auch. Wie anders sind die pompösen Gedenkfeiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs (im europäischen Teil) zu verstehen. Laut dem Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum sieht mittlerweile wieder jeder 4. Russe in dem Tod Stalins einen Verlust eines großen Führers und Lehrers.

Weißes SchafDas weise Schaf der Woche

„Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erhielten die Forscher einen Zugang zu den archivierten Dokumenten und Lebensgeschichten dieser Opfer. Diese belegen, dass beide totalitäre Regime – Nazismus und Kommunismus – gleich kriminell waren. Es darf niemals eine Unterscheidung zwischen ihnen geben, nur weil eine Seite auf der Seite der Sieger gestanden hat.“
Die lettische Außenministerin Sandra Kalniete 2004 zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse. Quelle: Süddeutsche Zeitung.

Wenn die Dokumente recht haben und Hitler und Stalin die gleichen Jahrhundertverbrecher waren, dann endet der Zweite Weltkrieg für die Sowjetunion auch nicht am 8.5.1945, sondern im März 1953 mit dem Tod Stalins.

Ein Beispiel: Der Osteuropa-Historiker Timothy Snyder schätzt die Zahl der sowjetischen Bürger, die die deutschen Besatzer zwischen 1941 und 1944 in den von ihnen besetzten Gebieten der Sowjetunion bewusst verhungern ließen, auf 4,2 Millionen. Am schlimmsten seien die Menschen bei Leningrad, im Donezbecken, der Nordostukraine, der Krim und in den Städten generell betroffen gewesen. Um die „ukrainische Frage“ zu lösen, ließ Stalin in den Jahren 1932 und 1933 mehrere Millionen Menschen durch eine vorsätzlich verursachte Hungersnot („Holodomor“) sterben. Schätzungen gehen von bis zu 7,5 Millionen Hungertoten aus. Quelle: Wikipedia. Die Ukraine bemüht sich seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 um eine internationale Anerkennung des „Holodomors“ als Völkermord. Russland versucht dies zu verhindern.

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Mein Lektüretipp der Woche:

Luftpost: Wer den Frieden erhalten will, muss vor allem über die Absichten der US-Kriegstreiber und ihrer Komplizen in der NATO aufklären

Claus Folger
Frankfurt am Main

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