Quo vadis, Rubel?

Groß war das Gezeter, als der russische Rubel im letzten Jahr dramatisch auf Talfahrt ging und zum Dollar mehr als die Hälfte des Werts verlor. Doch nun, wo er wieder stark zulegt, interveniert die Notenbank mit massiven Devisenkäufen.

Von Marco Maier

Noch vor einem Jahr bekam man für einen US-Dollar etwa 35 Rubel. Im Dezember 2014 und Januar 2015 lag der Kurs dann schon bei rund 70 Rubel je Dollar – eine Halbierung des Außenwertes. Für die westliche Presse war dies eine Steilvorlage in Sachen Spekulationen über einen möglichen wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, welches zudem noch von den Verbündeten der USA sanktioniert wurde und immer noch wird.

Zwar sorgte dieser massive Wertverfall auch in Russland selbst für Unruhe, doch scheinbar will die russische Zentralbank den Rubel weiterhin billig halten. Denn seit Januar erholt sich die russische Währung wieder. Aktuell gibt es für einen Dollar "nur" noch rund 50 Rubel. Geht die Entwicklung so weiter, dürfte sich der Kurs bald schon wieder auf dem Niveau des Vorjahres einpendeln. Doch das will die russische Notenbank offenbar verhindern.

Die stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank, Xenia Judajewa, deutete an, künftig die Devisenkäufe zu intensivieren. Allein in der vergangenen Woche kauften die russischen Währungshüter täglich Devisen im Wert von 100 bis 200 Millionen Dollar. Damit will man die Aufwertung des Rubels einbremsen. Doch die Wirkung ist nur marginal, da der Kurs vor allem von den Rohstoffpreisen und den Kapitalzuflüssen bestimmt wird. Ja, trotz der Sanktionen verzeichnet Russland wieder ein wachsendes Vertrauen bei den Investoren.

Ob es einen "richtigen" Kurs gibt, dürfte dennoch Ansichtssache bleiben. Ein schwächerer Rubel sorgt gerade beim Rohstoffsektor für Kursgewinne, während Importprodukte teurer werden. Insofern kann die Position der Zentralbank darauf abzielen, vor allem die Inlandsproduktion anzukurbeln, auch wenn dies zu höheren Inflationsraten führt.

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2 Kommentare

  1. @Guiseppe:  "guter Spruch" 🙂

    Wer sich mit der Materie zum Thema demografische Entwicklung etwas auskennt, dem war das schon länger klar. Unsere Herrschaften (Politiker) wollen es anscheinend nicht sehen, dass der Zug (wirtschaftliches Entwicklungspotenzial) Richtung Osten läuft und nicht nach Westen. Im Westen findet sich nur ein aufgeblassenes Kunstgebilde, welches kurz vorm platzen steht aber im Osten dagegen, findet sich ein Markt der mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung darstellt und in einem Tempo weiter wächst, dass es dieses ganze Westgetöse ad absurdum führt.

    Auch im Mittelalter glaubten die Menschen die Sonne und alles andere dreht sich um die Erde, so wie die US/EU glaubt die Welt dreht sich nur um sie ^^ (hoffentlich wird das Erwachen nicht zu hart^^)

    Ich mußte schon Anfang der Woche lachen als ich hörte die rus.Notenbak fängt den Rubel ab, denn das ist auch wie ein Tritt in den Hintern der Pennsylvania Avenue^^

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